Kitzingen

Lehrer-Schüler-Projekt: Wie ein kleines Surfbrett den ganzen Körper trainiert

Während seiner Quarantäne baute sich der Würzburger Mario Schmidt ein Balance Board. Wie aus dem Privatvergnügen eine Kooperation mit den Mainfränkischen Werkstätten wurde.
Mit den Mainfränkischen Werkstätten in Kitzingen produziert Lehrer Mario Schmidt (von links) seine Balance Boards. Ihm zur Seite stehen Tim, Daniel, Jasmin, Ruben und Maxi.
Foto: Mario Schmidt | Mit den Mainfränkischen Werkstätten in Kitzingen produziert Lehrer Mario Schmidt (von links) seine Balance Boards. Ihm zur Seite stehen Tim, Daniel, Jasmin, Ruben und Maxi.

Angefangen hat das Projekt auf dem heimischen Balkon in Würzburg. Mit Stichsäge und einem Bierkasten als Werkbank baute Mario Schmidt sein erstes Balance Board. In der Optik gleicht es einem kleinen Surfbrett, mit dem auf einer Korkrolle das Gleichgewicht trainiert werden kann. Nutzen kann das Brett theoretisch jeder. Es eignet sich sowohl für den gesunden Aufbau von Muskeln im Alltag als auch für Surf- und Skateübungen. "Ich hatte ein ähnliches Brett bei einem Freund ausprobiert und kam während einer Quarantäne auf die Idee selbst eines zu entwerfen", erklärt der 32-jährige Förderschullehrer. Mittlerweile arbeitet er in der Produktion mit einer Schreinerei der Mainfränkischen Werkstätten in Kitzingen zusammen und vertreibt die Bretter über Instagram.

Nachdem die Herstellung des Prototyps gut geklappt hatte, baute Schmidt zunächst für Freunde. Dafür brauchte er ungefähr vier bis fünf Stunden. Er ist Lehrer an der St.-Martin-Schule der Lebenshilfe Kitzingen. Durch seine Arbeit, bei der es auch darum gehe, die Schüler auf den Übergang von Schule auf Arbeit vorzubereiten und zu begleiten, sei die Idee entstanden mit den Mainfränkischen Werkstätten Kitzingen zusammenzuarbeiten.

Als Kunde bei den Mainfränkischen Werkstätten

Die Entwicklung der Kooperation lief ohne Probleme. "Dort steigen auch einige unsere Schüler nach der Schulzeit ins Arbeitsleben  ein", sagt er. Schmidt sei für die Offenheit und Unterstützung seiner Partner der Werkstätten dankbar.

Schmidt sei Kunde bei der Werkstatt in Kitzingen, erklärt Anja Gropp von der Stabstelle Kommunikation der Mainfränkischen Werkstätten. Wie viele andere, lasse auch er sein Produkt dort herstellen. "Unsere Werkstätten sind darauf ausgerichtet für Kunden in den unterschiedlichsten Branchen zu produzieren", sagt Gropp. Der Lehrer sei bereits häufiger mit seinen Schülern für Praktika in der Werkstatt gewesen. "Mit großer Freude haben wir diesen Auftrag entgegen genommen", sagt Gropp.

An dem Board arbeiten sechs bis acht seiner ehemaligen Schüler. In der Werkstatt gebe es spezielle Vorrichtungen, die ein selbständiges Arbeiten ermöglichen. Nur das Ölen und Eingravieren mache Schmidt noch selbst. Ansonsten übernehmen die Mitarbeitenden der Werkstatt alle Aufgaben. "Dass nun einige meiner ehemaligen Schüler das Board herstellen, freut mich umso mehr", merkt der Lehrer an. Jeder Mitarbeiter habe im Rahmen der individuellen Kompetenzen seinen Anteil an der Entstehung.

Insgesamt habe er bisher 50 Bretter über seinen Instagram-Account verkauft. Die Kosten für ein Balance Board belaufen sich auf 59 Euro. "Wenn ich die Kosten für die Herstellung, Material und meine Arbeitszeit abziehe, bleibt nicht wirklich viel übrig", sagt Schmidt. Für ihn sei das Balance Board jedoch "nur" ein Produkt. Viel wichtiger sei es für ihn, die Menschen in den Fokus zu rücken, mit denen er das Brett produziert. "Die Kooperation gibt mir die Möglichkeit, Inklusion auch außerhalb der Tätigkeit in der Schule zu leben", sagt er. 

Auch Nachhaltigkeit spielt bei der Produktion eine Rolle

Außerdem versuche er, die Produktion von Anfang bis Ende so nachhaltig und ökologisch wie möglich zu gestalten. Das Holz zum Beispiel stamme aus nachhaltiger Forstwirtschaft. "Für den Versand wurde für mich eine Verpackung von Reka in Kitzingen entwickelt", erklärt er. Diese besteht aus Gras- und recyceltem Altpapier. Ziel sei es nicht, maximalen Gewinn zu erzielen, sondern eine faire Partnerschaft zu leben. "Regionale Kooperationspartner sind mir ebenso sehr wichtig", sagt Schmidt.

Hier probiert Tim das Board aus. Er ist mitverantwortlich für die Produktion.
Foto: Mario Schmidt | Hier probiert Tim das Board aus. Er ist mitverantwortlich für die Produktion.

Das Surfen auf der Korkrolle sei ein gutes Training den ganzen Körper und allgemein für die Balance. "Das Board hatte ich natürlich schon in der Schule dabei. Dort haben es auch einige mutige Schüler ausprobiert ", sagt der Lehrer. Sport und Bewegung seien ihm in seiner Tätigkeit als Lehrer schon immer wichtig gewesen.

Die Zukunft des Projekts lasse er einfach auf sich zukommen. "Erstmal bin ich begeistert, welche Resonanz das Projekt hat", freut sich Schmidt. Das Board an sich sei keine Marktlücke und auch keine Erfindung von ihm. Es gebe bereits verschiedene Anbieter mit ähnlichen Produkten. Trotzdem entstünden aus dem Projekt vielleicht eine längere Zusammenarbeit oder neue gemeinsame Ideen.

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