IPHOFEN

Messe in Iphofen: Rosige Zeiten für Feinschmecker

Gourmets lernen bei der Feinschmecker-Messe in Iphofen (Kreis Kitzingen) den Menschen hinter dem Produkt kennen - wie Petra Bergler-Fischer.

Ein Hauch von Rosenduft umweht den Messestand wie eine Prise Parfum. Petra Bergler-Fischer trägt eine schwarze Bluse, auf der sich rosa- und lilafarbene Rosenblätter abzeichnen, und ihre Ohrläppchen schmücken Ohrringe von roten Rosen. Wer den Stand der Bergler-Fischers auf der siebten Fränkischen Feinschmeckermesse in Iphofen besucht, taucht ein in eine betörende Welt. Auf dem Tresen steht gut sichtbar eine Glasschüssel mit roséfarbener Bowle, Senfrosen dünsten in Porzellanschälchen, „ein Traum zur bayerischen Weißwurst“, wie Petra Bergler-Fischer sagt, und in den Regalen stehen Flaschen, gefüllt mit Rosenlikör und Rosenessig, Gläser voll Rosengelee und Rosenpfeffer, und Päckchen mit Rosennudeln und Rosentee.

30 veredelte Erzeugnisse rund um die Rose führt die im oberpfälzischen Schwarzenfeld ansässige Manufaktur derzeit im Sortiment, und die Chefin sprüht vor neuen Ideen. Gleichzeitig aber stößt sie schon heute manchmal an ihre Grenzen.

Die Bergler-Fischers sind ein reiner Familienbetrieb: Vater, Mutter, Sohn (22) sowie drei Töchter 25, 20 und 16 Jahre alt, die eine gerade mit der Schauspielschule fertig geworden und vor dem Berufsstart, die zweite als frisch gebackene Konditormeisterin in Kitzbühel unterwegs. Zu Hause, auf einem 7500 Quadratmeter großen Acker, warten 2500 Rosenstöcke darauf, gepflegt und geschnitten zu werden.

Mit Romantik hat das alles wenig zu tun, auch wenn mancher es gerne so hätte. „Die Presse ist immer etwas enttäuscht dass es hier nicht aussieht wie im Dornröschenschloss“, sagt die gelernte Agraringenieurin. Die Rosen werden bei ihr ausgebaut wie Spargel oder Erdbeeren und über vier Monate hinweg von Hand gepflückt. Freunde helfen ihr während der Hauptsaison von Anfang Juni bis Mitte Juli bei der Ernte, anders wäre das alles kaum zu bewältigen. Die Blütenblätter werden anschließend in geselliger Runde von den Rosen gezupft, eingefroren oder sofort verarbeitet: zu Essig, zu Wein, zu Gelee.

„Unser Arbeitstag hat 15, 16 Stunden“, sagt Petra Bergler-Fischer. Und doch liebt und lebt sie diesen Beruf. Ihr Weg ist der eines klassischen Direktvermarkters. Weil die Milchviehwirtschaft nicht mehr genügend hergab, begann die Familie vor zwei Jahrzehnten damit, neue Erwerbsquellen zu erschließen. Sie besann sich eines alten Rezeptes der Urgroßmutter und begann mit den Früchten aus Garten und Streuobstwiesen als kleine Likörmanufaktur.

Als Petra Bergler-Fischer später auf Wochenmärkten einen Rosenlikör verkaufte, war die Geschäftsgrundlage geschaffen. Aus ihr entwickelte sich ein vielfältiges Sortiment, das von Natur aus die Aura des Besonderen hat. Die Rose gilt vielen immer noch als edles Gewächs, als Königin unter den Blumen. „Viele Leute sind darüber erstaunt, dass man Rosen essen kann“, sagt die Fachfrau am Messestand.

Petra Bergler-Fischer ist in Iphofen seit der Premiere im Jahr 2001 dabei. Sie fühlt sich dort gut vertreten, weil das Publikum interessiert und aufgeschlossen sei. „Auf großen Messen ist es so, dass 40 000 Menschen gelangweilt durch die Hallen laufen. Das ist hier anders.“ Für sie ist es ein Erfolg, dass „70, 80 Prozent der Leute“ ihren Stand besuchen, sich für ihre „Handarbeit, made in Germany“ interessieren. Mit ihrem Standnachbarn Anton Brunner von der gleichnamigen Hofkäserei in Herrnsheim hat sie sich zusammengetan, um gemeinsam einen Rosenkäse zu entwickeln und zu vermarkten.

Auch das ist ein Resultat der Messe: Synergien werden genutzt. „Gemeinsam“, so hat Iphofens Bürgermeister Josef Mend am Samstag bei der Eröffnung bemerkt, „sind wir an den Kundenansprüchen gewachsen.“ Der anspruchsvolle Kunde von heute suche angesichts einer schier unüberschaubaren Vielfalt an Lebensmitteln nach Orientierung, fügte der Amtschef des bayerischen Landwirtschaftsministeriums, Martin Neumeyer, als Festredner hinzu. Die Iphöfer Messe sei eine ideale Gelegenheit, nicht nur das Angebot kennenzulernen, sondern auch den Menschen, der hinter einem Produkt stehe.

Dass in dem immer wieder verfeinerten Konzept durchaus Musik drin ist, bestätigte die scheidende Fränkische Weinkönigin Sabine Ziegler. Die exquisite Produktpalette der 31 Aussteller erinnere sie an das Best-of-Album einer Band. „Man pickt sich aus vielen guten Liedern die besten raus“, erklärte sie in erfrischend freier Rede. Als da wären: handgeschöpfte Schokolade, Rhöner Kartoffelmarmelade, Wildterrine in Beerenauslese, Feines vom Hochlandrind, Orangen-Marzipan-Brot, Frankenweintrüffel, Eichelschweinschinken, Ziegenbratwürste, Aischgründer Karpfen oder Espresso-Baisers.

Die Aufgabe für die bis zu 5000 erwarteten Messebesucher, die ihre Genussreise in der Vinothek und in den Wirtshäusern der Stadt mühelos fortsetzen konnten, definierte Iphofens Bürgermeister Mend so: „Den Unterschied von fränkischen Produkten zu Massenware schmecken.“ Der Mehrheit dürfte dies nicht schwergefallen sein.

Feinschmecker-Messe Iphofen       -  Feinschmecker-Messe am Wochenende in Iphofen: Das war was für den Gaumen - und fürs Auge.
Foto: Eike Lenz | Feinschmecker-Messe am Wochenende in Iphofen: Das war was für den Gaumen - und fürs Auge.

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