Kitzingen

Neues im ÖPNV: 365-Euro-Ticket hilft nicht allen Schülern

Da das billige Ticket für Schüler und Azubis nur in Verkehrsverbünden gilt, stoßen Nutzer aus dem Kreis Kitzingen an Grenzen. Doch es gibt auch bessere Nachrichten zum ÖPNV.
Der Dorfschätze-Express ist als Freizeitlinie 108 Teil des VGN. Das Archivbild stammt aus dem Mai 2019.
Foto: Inge Thomaier | Der Dorfschätze-Express ist als Freizeitlinie 108 Teil des VGN. Das Archivbild stammt aus dem Mai 2019.

Wer gerne Bus und Bahn fährt, also den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzt, darf sich als Einwohner des Landkreises Kitzingen gut aufgehoben fühlen. Als einziger Landkreis Bayerns gehört dieser nämlich mit dem gesamten Kreisgebiet zwei Verbundtarifen an, den Verkehrsverbünden Großraum Nürnberg (VGN) und Mainfranken (VVM). Daran erinnerte Landrätin Tamara Bischof die Mitglieder des ÖPNV-Ausschusses des Kreistags. "Mit einem Fahrschein können Sie hier weite Strecken zurücklegen", sagte sie. Fahrten etwa von Geiselwind bis nach Lohr im Landkreis Main-Spessart im VVM sind ohne Umstände möglich, ebenso von Volkach bis nach Laaber in der Oberpfalz, das fast 200 Kilometer entfernt liegt.

Es ist ein Angebot, das ankommt. Die Einstiegszahlen haben sich auf manchen Strecken verdreifacht, seitdem die Verbünde eingeführt wurden, schildert Günter Rauh, ÖPNV-Sachbearbeiter im Landratsamt. Zudem habe sich die Zahl der Tagestouristen, die über öffentliche Verkehrsmittel in den Landkreis Kitzingen kommen, erhöht; dies gilt zumindest für die Zeit vor der Corona-Pandemie, denn die hat die Fahrgastzahlen im ÖPNV hat sinken lassen, zum Teil um 70 bis 90 Prozent.

Landkreis Schweinfurt gehört nicht zum VVM

Ab 1. August gilt das 365-Euro-Ticket für Schüler und Auszubildende, an dem sich der Landkreis beteiligt. Dieses gilt nach Vorgaben des bayerischen Staats allerdings nur innerhalb von Verkehrsverbünden, was etwa Schüler aus den Grenzregionen des Landkreises, die Schulen im Nachbarlandkreis Schweinfurt besuchen, die dem VVM nicht angehören – entsprechende Pläne sind noch nicht umgesetzt. Dies führt dazu, dass diese Schüler das 365-Euro-Ticket als günstige Möglichkeit für den Schulweg nicht nutzen können, da es nur bis zur Landkreisgrenze reichen würde, ein Manko, auf das auch Landrätin Bischof hinwies.

Grundsätzlich gilt laut Rauh, dass die Mindereinnahmen, die den Verkehrsverbünden durch die Einführung des Tickets entstehen, auszugleichen sind. Zwei Drittel dieser Kosten zahlt der Freistaat, ein Drittel der Landkreis Kitzingen.

Günstiges Familienticket für VVM soll kommen

Dasselbe gilt für entgangene Einnahmen aus weiteren Änderungen, die das Angebot für die Nutzer des ÖPNV günstiger und attraktiver machen sollen. Rauh nannte hier ein geplantes günstiges Familientagesticket für den VVM, das im Frühjahr 2021 eingeführt werden, 9,90 Euro kosten und für das gesamte VVM-Gebiet gelten soll. Heute kostet eine Familientageskarte von Kitzingen nach Würzburg noch 24,70 Euro, während es für den VGN bereits ein deutlich günstigeres Tagesticket gibt, dessen Preis nach Zonen gestaffelt ist. Ein solches VVM-Familienticket ist aber innerhalb des Verbunds noch nicht beschlossen, schränkte Rauh ein.

Abgeschafft ist seit Anfang August der Großwabenzuschlag im VVM, was den Tarif übersichtlicher und die Fahrten nach Würzburg günstiger macht. Künftig gibt es laut Rauh im VVM nur noch einen Fahrpreis nach gefahrenen Waben und nicht mehr mit Bezug zur Großwabe.

E-Tarif würde es ÖPNV-Nutzern einfach machen

Zukunftsmusik ist die Einführung eines E-Tarifs, der auf Basis elektronisch erfasster Tickets oder Fahrten berechnet wird. Der E-Tarif soll aktuelle Tarife nicht einfach abbilden, sondern vor allem Gelegenheitskunden des ÖPNV mit attraktiven Rabatten entgegenkommen. Denn diese müssten dann nicht mehr vor Antritt der Fahrt den korrekten Tarif suchen, sondern ein Hintergrundsystem würde Ein- und Ausstieg erfassen und nach der Fahrt den korrekten Fahrpreis automatisch ermitteln.

Voraussichtlich ab dem Jahr 2024, wenn vergebene Konzessionen für Linienverkehr-Bündel ausgelaufen sind, wird der Landkreis für den gesamten ÖPNV zuständig sein, berichtete Rauh. Dann werde der Landkreis – auch auf Basis eines Mobilitätskonzepts, in das eine im kommenden Jahr geplante Fahrgasterhebung einfließen wird – Fahrtenangebote flächendeckend ausbauen. Als mögliches Ziel nannte er den flächendeckenden Stundentakt im ÖPNV.

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