Dettelbach

Öffnung der Biergärten soll nur der Anfang sein

Die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg – so sehen Gastronomen die Corona-Pandemie. Wie Politiker und Wirte auf die Wiedereröffnung der Biergärten reagieren.
Sie stoßen im Biergarten des Dettelbacher Hotels Franziskaner auf die Öffnung der Außengastronomie im Landkreis Kitzingen an (von links): Kilian, Laura-Sophie und Thomas Dauenhauer, Landtagsabgeordnete Barbara Becker, Michael Schwägerl vom Hotel- und Gaststättenverband, Landrätin Tamara Bischof, Bürgermeister Matthias Bielek und Evamaria Dauenhauer.
Foto: Gerhard Bauer | Sie stoßen im Biergarten des Dettelbacher Hotels Franziskaner auf die Öffnung der Außengastronomie im Landkreis Kitzingen an (von links): Kilian, Laura-Sophie und Thomas Dauenhauer, Landtagsabgeordnete Barbara ...

Es gab Weißwurst und Weißbier, aber das war nicht das Wichtigste. Entscheidend war am Montagmittag, dass Speis und Trank ab sofort wieder in Gaststätten verabreicht werden, wenn auch zunächst nur draußen. Nach sieben Monaten Lockdown haben Vertreter aus Politik und Gastronomie, alle kurz zuvor negativ auf Corona getestet, im Biergarten des Dettelbacher Hotels Franziskaner auf die Öffnung der Außengastronomie im Landkreis angestoßen.

Thomas Dauenhauer, Gastronom und Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG), hieß die Gäste in seinem Biergarten willkommen. Die Corona-Krise, so sagte er, sei die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg und habe vor allem das Gastgewerbe mit voller Wucht getroffen. Mit 447 000 Erwerbstätigen und einem Umsatz von 19 Milliarden Euro sei das Gastgewerbe ein wesentliches Rückgrat der bayerischen Wirtschaft und damit nicht nur system- sondern lebensrelevant.

"Ohne Gastronomie und Hotellerie gibt es keine Lebensfreude und keine Lebensqualität", sagte Dauenhauer. Er unterstrich damit, dass es ohne Gastbetriebe keinen Tourismus und keinen Mittelpunkt in ländlichen Gemeinden gebe, auch keinen schönen Urlaub.

Viele Gastbetriebe sehen ihre Existenz gefährdet

Mit aller Kraft sei versucht worden, die Pandemie zu überstehen. Nach der Schließung von Lokalen, Kneipen und Hotels Anfang November habe die Verzweiflung in weiten Teilen des Gastgewerbes zugenommen. Ohne echte Perspektive könne nicht ewig verlängert werden, die Unternehmen brauchten Planungssicherheit für Gäste und Mitarbeiter. Drei Viertel von 1380 befragten Gastbetrieben sähen sich in ihrer Existenz gefährdet, ein knappes Viertel ziehe die Betriebsaufgabe konkret in Erwägung.

Dauenhauer kritisierte, dass zugesagte Hilfsgelder und Entschädigungen des Staates lange nicht geflossen seien und zum Teil immer noch nicht vollständig ausgezahlt seien. Nachdem sich die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis auf stabil niedrigem Niveau entwickelt hat, sei nun ein Schritt in die richtige Richtung, die Normalität, möglich.

Landrätin Tamara Bischof zeigte sich erfreut über die Wiederöffnung der Außengastronomie. Sie verstehe die Probleme der Gastronomie, die eine schwierige Phase wie noch nie erlebe. Aufgeben von Betrieben wäre sehr schade, da Bayern, Franken und der Landkreis von Tourismus geprägt seien. Die Corona-Fallzahlen zeigten tendenziell nach unten. Erst am Freitag um 18.32 Uhr sei die schriftliche Bestätigung aus dem bayerischen Gesundheitsministerium gekommen, dass wieder geöffnet werden kann. Das Landratsamt habe im Rahmen des gesetzlichen Ermessensspielraums getan, was möglich war. Um die Wein- und Biergartensaison offenhalten zu können, müsse die Inzidenz dauerhaft unter 100 liegen.

Appell zu weiteren staatlichen Hilfen für Mitarbeiter 

Landtagsabgeordnete Barbara Becker (CSU) unterstrich, dass eine Pandemie nicht planbar sei. Dennoch habe sich das Gastgewerbe standfest und loyal gezeigt. Umso schöner sei es, nun wieder öffnen zu können. Vor 18 Monaten habe man auf einen Impfstoff gehofft, nun sei man viel früher dran. Dennoch habe es eine knallharte Zeit gegeben, und Äußerungen wie "Wir können nicht mehr!" hätten aufgeschreckt. Becker rief den Bund dazu auf, weitere steuerfreie Zusatzzahlungen an die Mitarbeiter in der Gastronomie zu leisten.

Dettelbachs Bürgermeister Matthias Bielek erinnerte daran, dass die Unterstützung des Gastgewerbes schon vor der Kommunalwahl im März 2020 ein Thema war. Die Stadt habe ihren Spielraum genutzt, um etwa Erleichterungen wie den Wegfall der Sondernutzungsgebühr zu schaffen. Bielek ermunterte  Wirte und Hoteliers, noch ein Stück durchzuhalten.

Bezirksgeschäftsführer Michael Schwägerl merkte an, dass der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband seinen Mitgliedern in 14 Monaten gezeigt habe, dass er ein verlässliches Hilfsorgan sei. Der Kontakt untereinander sei dadurch noch enger geworden. Mit Blick auf die in Not geratenen Gastronomen plädierte Schwägerl für Erleichterungen. So könnten Gastronomen – auf Antrag und unter Berücksichtigung von Lärmschutzvorgaben – Sperrzeiten verkürzt werden.

Der Gaststättenverband verlangt Entschädigungen

Sechs Forderungen hat der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (BHG) in Richtung Politik erhoben:
die sofortige Öffnung von Hotels und Gaststätten für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete mit permanenter Anpassung der Auflagen;
Umsetzung einer umfassenden Teststrategie;
inzidenzunabhängige Öffnungen durch Reduzierung ungeschützter Kontakte;
dauerhafte Reduzierung der Mehrwertsteuer;
Verzicht auf branchenspezifische kommunale Abgaben, Gebühren und Steuern;
Entschädigung des kompletten durch unverschuldete Schließungen entstandenen Schadens.
Quelle: BHG
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