Rödelsee

Pflegeeinsatz auf dem jüdischen Friedhof

Vor der Kulisse von Rödelsee arbeiteten Erwachsene am Friedhofspflegetag auf dem jüdischen Friedhof Rödelsee.
Foto: Gerhard Bauer | Vor der Kulisse von Rödelsee arbeiteten Erwachsene am Friedhofspflegetag auf dem jüdischen Friedhof Rödelsee.

Alljährlich im Herbst steht auf dem jüdischen Friedhof bei Rödelsee die Grünpflege auf dem Programm. Mitglieder des Fördervereins ehemalige Synagoge Kitzingen, Bürger aus den umliegenden Gemeinden, Schulklassen und nicht zuletzt der Landschaftspflegeverband kümmern sich um die Beseitigung von Aufwuchs, reinigen Grabanlagen, rechen zusammen und sorgen dafür, dass das Grün im kommenden Frühjahr wieder ungehindert Einzug halten kann.

Die Klasse 8a der Mittelschule Iphofen mit ihrer Klassenlehrerin Gerhild Nathaus hatte das Thema Juden im Dritten Reich schon einmal im Unterricht behandelt, doch große Begeisterung herrschte nicht, als sie ihre Schüler wegen der Beteiligung an der Pflegeaktion fragte. Sie sah es daher nach coronabedingten Unterrichtsausfällen als teambildende Maßnahme.

Einstieg in den Geschichtsstoff

Noah Käufer (13) war das erste Mal auf einem jüdischen Friedhof und beschrieb die völlig andere Art der Gestaltung und Anlage auf christlichen Friedhöfen gewohnt als beeindruckend. Mit einem merkwürdigen Gefühl rechte Katharina Hofbauer aus Würzburg zwischen den teilweise verfallenen Grabsteinen Grasschnitt zusammen. Sie absolviert in der Naturschutzbehörde des Landkreises derzeit ihr Freiwilligenjahr als BuFDi. Sie betrachtet die aus Sandstein gemeißelten Grabsteine als Symbol der Vergänglichkeit, die bei der handwerklichen Arbeit zum Nachdenken veranlasse.

Schüler der Klasse 8a aus der Mittelschule Iphofen legten auf dem jüdischen Friedhof Hand an.
Foto: Gerhard Bauer | Schüler der Klasse 8a aus der Mittelschule Iphofen legten auf dem jüdischen Friedhof Hand an.

Die Vorsitzende des Fördervereins ehemalige Synagoge, Margret Löther, erklärte, dass mit der Arbeit auf dem Friedhof für die Schulklasse der Einstieg in den Geschichtsstoff erfolge. Auf dem zweitältesten jüdischen Friedhof im Landkreis habe 1943 die letzte Beisetzung stattgefunden.

Älteste Teilnehmerin unter den etwa 35 Helfern war Rosmarie Hofmann aus Wiesenbronn. Die weiteste Anreise jedoch hatte Robert L. Strauss hinter sich. Der US-Amerikaner lebt in Barcelona und kam eigens zu den Pflegeanreisen angereist. Der Hintergrund: auf dem Friedhof liegen seine Ur-Großeltern Eichenbronner aus Wiesenbronn. Seine Großmutter Hannah Eichenbronner Strauss war um 1890 nach Amerika ausgewandert. Es dauerte einige Zeit bis er die nebeneinander liegenden Gräber des 1923 verstorbenen Samson Eichenbronner und seiner Ehefrau Louise Eichenbronner, die drei Jahre später starb, gefunden hatte.

Vierter Friedhofspflegetag für Robert Strauss

1996 war er erstmals auf dem knapp zwei Hektar großen Friedhof. Die Anlage beeindruckte ihn so sehr, dass er 1998 in den USA eine Dokumentation schrieb, in der er sich mit der Geschichte seiner Vorfahren und dem Friedhof beschäftigte. Über den Kontakt mit Rosmarie Hofmann gelang es ihm damals, das Grab der "great-grandparents" (Urgroßeltern) zu finden. Es war der vierte Friedhofspflegetag, an dem Robert Strauss teilnahm, immer noch beeindruckt von der Geschichte, die um 1432 begann.

Der Amerikaner Robert Strauss aus Barcelona am Grab seiner Urgroßeltern Eichenbronner.
Foto: Gerhard Bauer | Der Amerikaner Robert Strauss aus Barcelona am Grab seiner Urgroßeltern Eichenbronner.

Und Strauss will wieder kommen, sich um den jüdischen Friedhof und die Gräber seiner Vorfahren kümmern, gemeinsam mit den Helfern aller Altersklassen. Zu groß ist der Eindruck, den der abgeschieden liegende Friedhof besonders im Frühjahr gemacht hat, wenn alles ungehindert grünt und blüht, Schmetterlinge fliegen und Bienen seltene Pflanzen umsummen.

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