Mainsondheim

60 Zimmer, aber etwas gibt es im Schloss Mainsondheim nicht

Was sonst verschlossen ist, gibt es beim Tag des offenen Denkmals: Einblicke in ein Privatschloss. Ulrike und Matthias von Bechtolsheim erläutern dabei spannende Details.
Das Schloss in Mainsondheim gehörte zu den Stationen am Tag des offenen Denkmals. Matthias und Ulrike von Bechtolsheim führten durch ihr Anwesen.
Foto: Andreas Stöckinger | Das Schloss in Mainsondheim gehörte zu den Stationen am Tag des offenen Denkmals. Matthias und Ulrike von Bechtolsheim führten durch ihr Anwesen.

Zum Tag des offenen Denkmals im Landkreis Kitzingen nutzten viele Interessierte die Gelegenheit, einmal einen Blick in das Schloss in Mainsondheim zu werfen. Dass bei der nachmittäglichen Führung so viele durch das Eingangstor kamen, das ließ Ulrike und Matthias von Bechtolsheim staunen. "Wir hatten vielleicht mit 30 Leuten gerechnet. Jetzt wurden es bestimmt 60, 70", stellten beide hinterher fest.

Das Ehepaar hatte eine Ausnahme gemacht und seine Türen auf Anfrage der Stadt Dettelbach geöffnet. Das am Ortsrand gelegene Anwesen ist in Privatbesitz der Familie und sonst nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Das verstehen manche nicht, sagte Ulrike von Bechtolsheim. Nicht selten stünden wildfremde Menschen auf dem Grundstück oder kletterten die Mauer hoch, um zu schauen und zu fotografieren. Doch die etwas größeren vier Wände sollen privat bleiben, bat sie um Verständnis.

Ein Eingangsportal im Schloss.
Foto: Andreas Stöckinger | Ein Eingangsportal im Schloss.

Anfänge aus dem 12. Jahrhundert

Zum Start erzählte Matthias von Bechtolsheim, wie das Schloss einst entstanden ist. Die ältesten Nachweise stammten aus dem 12. Jahrhundert, nach einigen Besitzerwechseln ging es etwa Anfang des 18. Jahrhunderts an seine Familie über. Vieles sei schwierig oder kaum zu datieren im und um das Gebäude.

"Wir haben keine Baupläne, gar nichts. Das gesamte Schloss wurde vor einigen Jahren vermessen von Studenten. Das einzige, was sie nicht gefunden haben, war..?", stellte er als Frage an die Besuchermenge. Die Antwort kam und stimmte prompt: kein rechter Winkel.

Ein Höhepunkt im Schloss in Mainsondheim: Die Holzbalkone, die es so nördlich der Alpen nur einmal geben soll.
Foto: Andreas Stöckinger | Ein Höhepunkt im Schloss in Mainsondheim: Die Holzbalkone, die es so nördlich der Alpen nur einmal geben soll.

Im Sommer schön kühl

Das ließ einige Gäste schmunzeln. Überhaupt wurde es ein launiger Rundgang, bei dem das Besitzer-Ehepaar immer wieder manches aus der Historie mit aktuellem Bezug erzählte. Über die Tücken des Schlosses, das wegen des bis in die Fünfziger-Jahre direkt daneben verlaufenden Maines ein Wasserschloss ist. Es diente einst als Sommersitz, weil es in den Mauern kühl war. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Heizung eingebaut. Vorher residierte niemand dort im Winter.

Der kurze Rundgang ums Gebäude endete im Innenhof, sicher das Prachtstück, dank dessen "einzigartiger Holzbalustrade. Das werden Sie nördlich der Alpen sonst nicht finden", verwies Matthias von Bechtolsheim auf die 350 Jahre alten Holzbalkone. Mit netten Geschichten garnierte er die Führung. Etwa die über einen Elch, der über dem Eingang zum Weinkeller hängt, oder andere exotische Jagdtrophäen. Sie stammen von früheren Schlossbesitzern.

Das Schloss in Mainsondheim gehörte zu den Stationen beim Tag des offenen Denkmals. Matthias und Ulrike von Bechtolsheim (Bildmitte) führten durch ihr Anwesen.
Foto: Andreas Stöckinger | Das Schloss in Mainsondheim gehörte zu den Stationen beim Tag des offenen Denkmals. Matthias und Ulrike von Bechtolsheim (Bildmitte) führten durch ihr Anwesen.

Im abgeschlossenen Innenhof lasse es sich gut feiern; der Lärm dringe nicht nach außen, erklärte der Freiherr. Bei der Hochzeit der Tochter werde man das in Kürze wieder nutzen, verrieten beide. Überhaupt erfuhren die Gäste einiges: "Fragen Sie ruhig", ermunterte das Besitzer-Paar die Besucher, was auch angenommen wurde. Das Schloss sei trotz der bis zu 60 Zimmer "gar nicht so groß". Die Höhe der Räume liege bei etwa 2,80 Meter.

Blick in die Schlosskapelle.
Foto: Andreas Stöckinger | Blick in die Schlosskapelle.

Geschichten und Legenden

Wie warm es denn im Winter in den Räumen sei, wollte ein Besucher wissen. Die Beheizung, die mit Gas erfolge, sei "nicht ideal, aber es wird warm gehalten", sagte der Hausherr. Da hakte Ulrike von Bechtolsheim ein. Ihr Mann verstehe unter Hitze etwa 20 Grad; aber ein Pullover sei bisweilen schon angebracht, verriet sie. Das alte Gebäude habe neben dem Charme durchaus seine Tücken, erklärte die Besitzerin. Als Last empfinde sie das nicht. "Wir leben gern hier."

Manche Geschichten und Legenden ranken sich rund um das Schloss, die sich zum Teil bis heute hielten, sagte Ulrike von Bechtolsheim. So wollen beim jährlichen Besuch des Kindergartens dort immer alle den Tunnel sehen, der angeblich vom Mainsondheimer Schloss zum Dettelbacher Kloster führen soll. Diesen gebe es aber nicht, sehr zur Enttäuschung der Kinder. Auch über den früheren Gutshof, die Brennerei und das Fährhaus erzählten die Besitzer, bevor sich die Tore für die Öffentlichkeit wieder schlossen.

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