LANDKREIS KITZINGEN

Reisetrends 2022: Wohin es die Menschen aus der Region Kitzingen in den Urlaub zieht

«Flugscham» statt Vielfliegerei?       -  „Die Leute wollen fliegen“, sagt der Volkacher Reise-Experte Christopher Haas. Das Reiseziel ist eher zweitrangig.
Foto: DPA/Daniel Reinhardt | „Die Leute wollen fliegen“, sagt der Volkacher Reise-Experte Christopher Haas. Das Reiseziel ist eher zweitrangig.

Ab in den Süden? Mittsommar ganz im Norden? Oder doch in östliche Richtung an die Goldküste? In diesem Sommer scheint das Reiseziel zweitrangig zu sein – Hauptsache Urlaub! Das bestätigen die Experten in den Reisebüros im Landkreis Kitzingen.

„Bei uns wird alles querbeet gebucht“, sagt Nina Wittmann vom Reisebüro am Marktplatz und hat eigentlich gar keine Zeit für ein Interview – nimmt sie sich dann aber doch. „Dauernd klingelt das Telefon.“ Ob spanische Inseln oder Festland, Griechenland oder Türkei, Mittelmeerkreuzfahrt oder Langstreckenflug – „die Leute sind einfach froh, dass sie wieder reisen können.“ Gerade die Fernreisen zur Familie in den USA oder ein Trip in die Karibik sind inzwischen wieder gut nachgefragt. „Wir sind sehr froh, dass es bei uns wieder so gut angelaufen ist.“

„Die Nachfrage ist in allen Bereichen gestiegen.“
Sebastian Rohden, Tui-Reisecenter

Diesen Eindruck hat auch Sebastian Rohden vom Reisecenter im E-Center. „Es ist wieder schön. Wir haben gut zu tun“, sagt der Büroleiter. „Die Nachfrage ist in allen Bereichen gestiegen.“ Die Reisewilligen verteilen sich dabei gerne über ganz Europa, mit leichten Tendenzen hin zu Griechenland und Spanien. Aber auch die Türkei sei wieder beliebter, im Gegensatz zur bulgarischen Goldküste. „Die hängt noch deutlich hinterher“, sagt Rohden. „Vielleicht wegen der Nähe zur Ukraine.“ Etwas weiter davon entfernt liegen – zumindest, was die Nachfrage angeht – die innerdeutschen Sehnsuchtsorte wie Nord- und Ostsee sowie das Allgäu und die Nachbarstaaten Österreich sowie in Folge auch Italien.

In Marktbreit hat Reiner Strauß die Erfahrung gemacht, dass sich seine Kunden sehr nach den Ein- und Ausreisevorgaben richten – und gerichtet haben: je weniger kompliziert (und je weniger verbindlich), desto öfter wurde das Land als Reiseziel ausgewählt. Nach den letzten beiden Jahren seien die Menschen aber grundsätzlich wieder reisefreudiger. „Wir sind noch nicht auf dem alten Stand, aber es läuft immer besser“, sagt der Inhaber des gleichnamigen Reisebüros. Er begrüßt die Maßnahmen der Politik wie die Flex-Option, die es den Kunden erlaubt, eine Reise ohne Angabe von Gründen zu stornieren. „Das nimmt den Leuten die Angst“, ist sich der Reisefachmann sicher und wünscht sich, dass weitere Reiseziele ihre Einreisebedingungen überdenken – wie zum Beispiel Thailand. „Je unkomplizierter, desto mehr Nachfrage.“ Er hofft außerdem, dass Europa die Ukraine-Krise gut übersteht und Putin in Schach hält. „Einen dritten Weltkrieg will doch niemand.“ Egal, ob mit Reiseplänen oder ohne.

Dem pflichtet Alexej Engel vom Reiseland in Wiesentheid bei. Sowohl die Türkei als auch die Goldküste sind aus seiner Sicht aus politischen Gründen weniger nachgefragt als noch vor einigen Jahren. „Die Nähe zu Russland schreckt einige ab.“ In seinem Reisebüro geht der Trend ganz klar nach Griechenland und Spanien. Engel freut sich, dass auch Auslandsreisen in die USA wieder gut gebucht werden. „In den letzten Jahren waren Familienbesuche schlicht nicht möglich“, sagt der Reiseverkehrskaufmann. Die Nachfrage sei inzwischen wieder gestiegen – was allgemein für Fernreisen gilt. Ob Südamerika oder Südostasien, die Nachfrage steigt. „Wir hatten 2020 nur Stornierungen, hatten doppelte Arbeit ohne Lohn“, berichtet der Reisespezialist von den Corona-Bedingungen, die seine Belegschaft aktuell noch in der Kurzarbeit halten – obwohl das Geschäft im Jahr 2021 schon wieder bedeutend besser lief.

„Die Leute wollen einfach weg.“
Alexej Engel, Reiseland Wiesentheid

Die Leute wollen weg – und sie wollen fliegen, erklärt Christopher Haas, Inhaber des Volkacher Reisebüros. Seine Kunden bevorzugen ebenfalls die EU-Ziele mit Tendenz zu Spanien und Griechenland. Ägypten und Tunesien seien wegen der hohen Temperaturen erst ab Spätsommer wieder interessanter – und die deutschen Ferienregionen erst einmal abgemeldet. „Die Menschen waren jetzt zwei Jahre im Allgäu und an der Ostsee“, sucht Haas eine Erklärung für das Fernweh der Urlauber. Da sei auch der Umweltaspekt wieder komplett in den Hintergrund gerückt, etwa auch das CO2-Konto, auf das man freiwillig einen Betrag zahlt, damit die durchs Fliegen entstehende CO2-Belastung kompensiert wird. „Wir haben es zeitweise probiert mit dem CO2-Konto. Es wird aber derzeit nicht nachgefragt.“

Anders als das Reisen an sich. „Wir sind noch nicht auf dem Niveau von 2018/19“, sagt Haas – was auch am fehlenden Geschäftsreiseverkehr liegt. „Aber es läuft wieder runder.“ Jetzt gelte es, die Daumen zu drücken: Dass die nächste Corona-Welle lange auf sich warten lässt. Dass der Ukraine-Konflikt deeskaliert werden kann. Und dass die Lockerungen weiteren Ländern Chancen bieten, wieder zu Reisezielen zu werden – getreu dem Motto: „Hauptsache Urlaub!“

Europäische Reiseziele

In den beiden Vorjahren der Corona-Krise waren neben der Nord- und Ostseeküste (4,61 Mio Gäste in 2018 und 4,65 Mio in 2019) vor allem die Balearen (4,09 und 3,65 Mio) und Italien (3,48 und 3,49 Mio) vor der Türkei (2,85 und 2,83 Mio) sowie den Kanarischen Inseln (2,82 und 2,66 Mio) die europäischen Lieblingsreiseziele der Deutschen. Die Pandemie trug maßgeblich dazu bei, dass im Jahr 2020 der Urlaub im eigenen Land besonders beliebt war. So gaben im Mai 2020 über 50 Prozent der Befragten aus Deutschland an, ihren Urlaub hierzulande verbringen zu wollen. Vor dem Ausbruch des Coronavirus machten diese Angabe 32 Prozent der Umfragen-Teilnehmer. 2020 bereisten demnach 5,05 Mio Deutsche die Nord- und Ostseeküste, 2021 sogar 5,23 Mio – wobei die Besucherzahlen im europäischen Ausland nach einem kleinen Anstieg in 2020 (Italien 3,85 Mio; Balearen 3,48; Türkei 3,14; Kanaren 2,92) bis 2021 teilweise deutlich sanken (Italien 3,08 Mio; Balearen 2,58; Türkei 2,31; Kanaren 2,25).

(Quelle: statista.de)

VOL/Rep.Haas       -  Christopher Haas, Chef des Volkacher Reisebüros.
Foto: Archiv/Renate reichl | Christopher Haas, Chef des Volkacher Reisebüros.
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