Mainstockheim

Saatgut-Festival: Das Fest der Vielfalt geht ins Internet

In normalen Jahren strömen bis zu 2000 Besucher in die Volkacher Mainschleifenhalle. Wegen Corona gibt es das Saatgut-Festival jetzt erstmals als Online-Version.
Das Saatgut-Festival setzt auf Vielfalt statt auf Einerlei – dabei stehen Raritäten  hoch im Kurs.
Foto: Frank Weichhan | Das Saatgut-Festival setzt auf Vielfalt statt auf Einerlei – dabei stehen Raritäten  hoch im Kurs.

Das Saatgut-Festival wandert ins Internet: Statt in Volkach geht die Veranstaltung diesmal wegen Corona online über die Bühne. Nach wie vor gibt es aber die Vielfalt der samenfesten und alten Saatgut-, Obst- und Gemüsesorten sowie Raritäten zu entdecken. Das Festival wird seit 2011 von Barbara und Martin Keller, den Gründern der Projektwerkstatt open house in Mainstockheim, mit ehrenamtlichen Helfern organisiert. Es ist normalerweise mit etwa 2000 Besuchern eine der größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland.

Martin Keller.
Foto: Diana Fuchs | Martin Keller.
Frage: Wann fiel die Entscheidung, das Saatgut-Festival nicht vor Ort stattfinden zu lassen?

Martin Keller: Das war ein Prozess. Wir haben schon im Sommer unsere Teilnehmer informiert, dass wir, falls ein Festival in der Halle nicht möglich ist, auf unsere Homepage ausweichen. Einige hatten noch keinen Online-Shop. Aufgrund unserer frühen Ankündigung konnten sich aber alle vorbereiten. Im Dezember haben wir dann die Halle abgesagt.

Wie schwer war die Entscheidung?

Keller: Sehr! Die Halle hatten wir schon 2019 reserviert. Die Aussteller gingen davon aus, dass sie, wie jedes Jahr, wiederkommen können und hatten auch schon den Termin reserviert. Das Saatgut-Festival ist eine fixe Größe in unserem Kalender. Für uns gilt: Nach dem Saatgut-Festival ist vor dem Saatgut-Festival; die Vorbereitungen laufen fast ein Jahr. Aber 2020 war für alle anders. Für uns bedeutete es mehr Zeit für den Garten, wir haben viel Saatgut gemacht.

Ein Blick zurück: Vergangenes Jahr ging das Saatgut-Festival gerade noch so über die Bühne - Ihre Erinnerung daran?

Keller: Ehrlich, wir konnten uns unter diesem Corona, wie wohl die meisten, zu diesem Zeitpunkt nichts vorstellen. Wir hatten keine Angst, dass sich jemand in der Halle ansteckt, denn wir haben alle Hygiene-Regeln übererfüllt.

Wie kann man sich die Online-Version des Saatgut-Festivals vorstellen?

Keller: Wir haben versucht, sie so lebendig wie möglich zu gestalten. Filme zum Saatgut-Festival, unserem Garten, zu wassersparendem Tomatenanbau und eine Bohnenausstellung. Sowie das Herzstück: die Landkarte und Liste der Saatgut-Aussteller.

Wie viel Arbeit hat das gemacht?

Keller: Wir gehen lieber in den Garten als ans Laptop. Es war für uns nur zu meistern mit der Unterstützung von Wiebke Degler; sie ist seit vergangenem Jahr im Vorstand des Vereins. Wiebke hat zum Teil gefilmt und Filme geschnitten. Unser Sohn Felix hat uns die Landkarte eingerichtet. Ohne die Unterstützung von vielen Leuten hätten wir auch unsere bisherigen Festivals nicht geschafft. Wir sehen die Online- und die Präsenzveranstaltung als Gemeinschaftswerk.

Hat der Online-Auftritt auch Vorteile?

Keller: Jeder kann das Festival besuchen, wann er möchte und sich so viel Zeit dafür nehmen, wie es für ihn passt. Für uns ist es insgesamt weniger stressig, weil auch wir keinen Termin haben.

...und die Nachteile?

Keller: Man kann es nicht riechen und schmecken und auch das Sehen und Hören ist sehr eingeschränkt. Der persönliche Kontakt fehlt, das Gemeinschaftsgefühl. Einen besonderen Tag der Vielfalt zu widmen, davon geht eine große Kraft und Ausstrahlung aus. Ich bin überzeugt, dass wir durch dieses öffentliche Fest viele Menschen für die Vielfalt gewinnen konnten. Ob das online auch so sein wird, weiß ich nicht.

Was hat Sie bei der Vorbereitung am meisten verblüfft?

Keller: Dass es überhaupt geht! Ich konnte es mir nicht vorstellen. Aber als wir angefangen haben zu überlegen, wie es online werden könnte, da fielen uns doch viele Bausteine ein, die wir nur noch zusammenfügen mussten. Die Landkarte mit der Ausstellerliste und dem Markt der Vielfalt mussten wir völlig neu machen. Auf alles andere konnten wir zurückgreifen und es anpassen.

Wie rechnet sich das Festival ohne Zuschauer?

Keller: Seit wir das Saatgut-Festival hochgeladen und in unserem Newsletter beworben haben, steigen die Besucherzahler auf unserer Homepage. Im Januar waren schon über 800 Besucher dort. Wir und alle unsere Unterstützer machen das als Verein. Natürlich sind die bisherigen Einnahmen aus den Saatgut-Festivals für den Verein wichtig, aber wenn das Saatgut-Festival als Geschäftsmodell angelegt wäre, wäre es schon längst bankrott. Wir hoffen darauf, dass manch einem, der uns online besucht, unsere Arbeit gefällt und er uns finanziell unterstützen möchte.

Wie sehen Ihre Überlegungen für 2022 aus?

Keller: Soweit denken wir noch nicht! Wir haben ein wichtiges Projekt für 2021 in Arbeit: die Wiedereinführung des Unterpleichfelder Weißkrauts. Daran arbeiten wir schon länger. Wir versuchen dieses Jahr so viel Saatgut zu gewinnen, dass es für mehr als nur einen Versuchsanbau reicht. Unsere Partner Lothar Wild in Unterpleichfeld, der die Sorte mit uns wiederbeleben will, und die Familie Schwanfelder in Abtswind, die das Kraut zu Sauerkraut verarbeitet und in ihrer Gaststätte anbietet, warten schon mit Spannung darauf.

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