Mainbernheim

Scherenschnitte: Martin Ackmann entwickelt sein Hobby zum Beruf

Seit er zwölf Jahre alt ist, übt sich Martin Ackmann in der Kunst des Scherenschnitts. Er erklärt, was ihn an diesem Handwerk reizt und welche Motive er bevorzugt.
Martin Ackmann aus Mainbernheim fertigt detailreiche Scherenschnitte an.
Foto: Paulina Carl | Martin Ackmann aus Mainbernheim fertigt detailreiche Scherenschnitte an.

Wenn Martin Ackmann schneidet, erschafft er etwas Einmaliges. Geduldig sitzt er an seinem Holztischchen und widmet sich bedacht seinem nächsten Porträt zu. Mit flinken, bewusst gewählten Schnitten schneidet er in das Papier und schafft so – in nur wenigen Augenblicken – ein Bild für die Ewigkeit. Er beherrscht die Kunst des Scherenschnitts.

Die glühende Leidenschaft des Künstlers für sein Handwerk erkennt man sofort. Überall in seiner Wohnung finden sich Zeugnisse seiner Arbeit. An den Wänden hängen zahlreiche Papierschnitte mit diversen Motiven und in unterschiedlichen Größen. Wenn Martin Ackmann einen Scherenschnitt angeht, benötigt er zunächst zwei essentielle Dinge – Papier und eine seiner zahlreichen Scheren. Die zu porträtierende Person nimmt dann seitlich vor ihm Platz, damit er ihr Profil genau im Blick hat.

Martin Ackmann aus Mainbernheim bei der Arbeit an seinen Scherenschnitten.
Foto: Paulina Carl | Martin Ackmann aus Mainbernheim bei der Arbeit an seinen Scherenschnitten.

Daraufhin beginnt Martin Ackmann die Umrandungen des Kopfes in das schwarze Papier zu schneiden, das er für fast alle seiner Arbeiten verwendet – ohne dabei seinen scharfen Blick von der Person abzunehmen. Ackmann verliert sich in der Dynamik seiner filigranen Arbeit. Er wird sozusagen eins mit dem Papier. Er kann abschalten, wenn er schneidet und so sitzt er geduldig und entspannt da und fertigt sein Porträt.

Der Vater hat die Leidenschaft geweckt

Vor fast 15 Jahren hat ihn seine Leidenschaft gepackt. Damals war sein großes Vorbild sein inzwischen verstorbener Vater, der sich 1984 als Weltmeister des Scherenschnitts einen Namen als "Hektor, Meister der flinken Schere", machte. Noch zu Lebzeiten reiste sein Vater viel durch Deutschland und Europa als Tingel-Tangel-Mann mit Musik und Scherenschnitten. So erhielt er für seine Scherenschnitte auch eine Danksagung vom Bundeskanzler Helmut Kohl höchstpersönlich.

Diese Leidenschaft für das Handwerk gab er an seinen Sohn weiter, der schon in Kindheitstagen von dieser Kunst fasziniert war. Zunächst übte Ackmann sich als Anfänger, doch mit der Zeit zeigte sich immer mehr sein Talent und sein Blick fürs Detail. An seiner Arbeit liebt er besonders den regen Kontakt mit Menschen. Sein Wunsch ist es, die Menschen mit seinen individualisierten Scherenschnitten glücklich zu machen.

Es ist jedoch nicht nur der künstlerische Aspekt, an den der Schnittkünstler hohe Ansprüche stellt, sondern auch der individuelle Charakter eines jeden Werks. Alles soll genau so sein, wie es sich seine Kunden vorstellen. Viele der kleinen einzigartigen Details in den Schnitten entstehen erst im Prozess des Schneidens. Selbstverständlich bedarf es für die Scherenschnitte einer ruhigen Hand, aber auch eines gewissen Talents und einer Scharfsinnigkeit. Vor allem aber benötigt es viel Zeit, um zu üben, um diese Kunst zu perfektionieren.

Kunst für die Ewigkeit

Ein relativ neuer Scherenschnitt von Martin Ackmann nach einem Porträt des Schlagersängers Bata Ilic.
Foto: Martin Ackmann | Ein relativ neuer Scherenschnitt von Martin Ackmann nach einem Porträt des Schlagersängers Bata Ilic.

Heute gibt es nur noch wenige Meister seines Fachs und auch frühere Scherenschnittvereine existieren so gut wie nicht mehr, berichtet Ackmann. Nichtsdestotrotz hält er an seiner Liebe für die Scherenschnitte fest. Denn wenn man ein Porträt erst einmal geschaffen hat, dann "bleibt diese Kunst für die Ewigkeit", sagt der 26-Jährige.

Nach dem Abschluss der Hauptschule machte Ackmann zwar eine Ausbildung zum Bäckereifachverkäufer, doch seine Leidenschaft für die Scherenschnitte gab er nie auf. Seit März letzten Jahres fertigt er die Scherenschnitte professionell an. Er arbeitet auf Bestellung seiner Kunden. Die Motive variieren zwischen Menschen, ihren Haustieren oder Spezialanfertigungen für die anstehenden Feste wie Ostern oder Valentinstag.

Unter anderem hat er schon Scherenschnitte nach Bildvorlagen von berühmten Personen wie Iggy Kelly oder den deutsch-spanischen Popsänger Álvaro Soler angefertigt. Im Sommer dieses Jahres plant er, sich mit seinen Scherenschnitten selbstständig und seine Leidenschaft endlich zum Beruf zu machen. 

Die Kunst des Scherenschnitts

Martin Ackmann und einige seiner besten Werke.
Foto: Paulina Carl | Martin Ackmann und einige seiner besten Werke.
Martin Ackmann ist 1994 in Frankfurt am Main geboren und in Ostfriesland aufgewachsen. Nach der Hauptschule lernte er den Beruf des Bäckereifachverkäufers. Seit seinem 12. Lebensjahr begeistert er sich für die Kunst des Scherenschnitts. Seit 2017 lebt er aus familiären Gründen gemeinsam mit seiner Freundin und zwei Töchtern in Mainbernheim.
Aufgrund der Corona-Pandemie kann Martin Ackmann seine Kunden nicht persönlich treffen. Dennoch fertigt er auf Bestellung und per Zusendung eines Bildes im Profil  per E-Mail an info@musik-martin.de individuelle Scherenschnitte an. Zu finden ist er zudem auf seinen sozialen Kanälen wie Instagram und Facebook: @scherenschnitt_artist und seiner Website @musik-martin.de.
Quelle: pca
Martin Ackmanns Scherenschnitte zeugen von der Liebe zum Detail.
Foto: Paulina Carl | Martin Ackmanns Scherenschnitte zeugen von der Liebe zum Detail.
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