Buchbrunn

Seelsorge in Corona-Zeiten: Die Menschen wollen reden

Pfarrerin Doris Bromberger und Pater Issak Grünberger berichten aus ihrem Alltag: Über Trauergespräche, Trauungen und Taufen in Zeiten des Abstandes
An Pater Isaak Grünberger darf man sich mit all seinen Problemen, Sorgen und Nöten wenden - ob digital oder bei einem Spaziergang im Freien.
Foto: Gerhard Krämer | An Pater Isaak Grünberger darf man sich mit all seinen Problemen, Sorgen und Nöten wenden - ob digital oder bei einem Spaziergang im Freien.

In vielen Notlagen oder bedrückenden Situationen suchen Menschen Rat. Seelsorgerinnen und Seelsorger sind gefragte Anlaufstationen. Doch wie funktioniert Seelsorge in Corona-Zeiten? Wir unterhielten uns darüber mit der evangelischen Pfarrerin Doris Bromberger (Buchbrunn und Repperndorf) und dem katholischen Pater Issak Grünberger aus der Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach.

In der ersten Phase, als Corona so richtig loslegte, ging Pfarrerin Doris Bromberger zum Beispiel bei anstehenden Geburtstagsbesuchen nicht zu den Leuten. "Ich habe nur angerufen," erzählt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie war froh, ihre Gemeindeglieder in Buchbrunnn oder Repperndorf dann wieder besuchen zu können – mit Maske. Sie fragt vorher natürlich nach. Sie spürt: "Die Leute freuen sich, dass jemand zu ihnen kommt." Als sie am Anfang die Menschen mit Maske besuchte, hätten diese tatsächlich gedacht, "die Frau Pfarrer hat Angst vor ihnen". Mittlerweile sei allen der Sinn klar.

Festgestellt hat sie, dass ältere Leute die Situation oft relativ gelassen nähmen. Sie hätten schon den Krieg überstanden, höre sie bei den Gesprächen mit diesen Leuten. Diese akzeptierten und hielten sich an Vorschriften und verzweifelten nicht.

Keine Patienten-Besuche

Was sie in Corona-Zeiten richtig traurig macht, wenn Patienten im Krankenhaus nicht besucht werden dürfen. Wenn diese dann stürben, ohne jemanden nochmals zu sehen, das empfindet sie als belastend.

Von den Konfirmanden wisse sie, dass die meisten wieder glücklich seien, in die Schule zu können. Hier auf dem Land hätten es die Kinder auch viel leichter, weil sie herumspringen konnten wie sonst auch. In kleinen Orten gebe es auch insgesamt weniger Probleme, weil die Nachbarschaftshilfe funktioniere.

In der ersten Phase habe es auch Corona-Fälle im Ort gegeben. Die Betroffenen seien froh gewesen, dass sich jemand nach ihnen erkundigt. So hätten sie nicht das Gefühl gehabt, sie seien Aussätzige, mit denen keiner etwas zu tun haben möchte. Während Krankenhausbesuche nicht möglich seien, dürfe man mit Corona-Test wenigstens in die Altenheime. Gut sei, dass sich bei Bestattungen die Regeln geändert hätten. Es sei sehr wichtig, auch von einem guten Freund und Nachbarn Abschied nehmen zu können. Das sieht auch Pater Isaak (57) so, der zu Trauergesprächen zu den Menschen geht – Freien. "Es gibt für alles eine Lösung, wenn wir und an die Regeln halten", ist sich der Pater sicher.

Auch für Trauungen oder Taufen. Manche seien schon zweimal verschoben worden, weiß Doris Bromberger, die es wie die Paare oder Eltern mit geduldigem Humor nimmt: "Dann, wenn das Kind schon springt, müssen wir es halt zur Taufe einfangen."

Ostergruß ausgetragen

Der Gesprächsbedarf der Menschen werde auch nach den Gottesdiensten sichtbar. Nicht nur mit der Pfarrerin, auch mit anderen. "Aber das ist wichtig", ist Doris Bromberger überzeugt. Wenigstens einmal die Woche mit Abstand im Freien hören, wie es dem anderen geht.

Diese Woche hat Pfarrerin Bromberger den Ostergruß ausgetragen. "Das hat dann auch manchmal etwas länger gedauert", erzählt sie, wenn sie jemanden getroffen hätte. Wobei nicht nur Corona ein Thema gewesen sei. Hier sei der Überdruss spürbar.

Dass die Kirche Präsenz gerade in solchen Zeiten zeigt, sieht Pater Isaak als wesentlich an. Nicht nur im Pastoralen Raum St. Benedikt sei man von Pandemiebeginn an nahe beim Menschen gewesen. Auch wenn die ersten Monate schwierig gewesen seien. Dann aber hat sich die Kreativität entfaltet: Live-Stream-Gottesdienste, Kindertüten für Senioren, das Ausfahren gesegneter Palmzweige oder eine Live-Tour durch alle Gemeinden. "Die Leute sollen merken, dass wir da sind."

Rasch habe man auch Telefonnummern oder Mailadressen publik gemacht, damit Menschen Kontakt aufnehmen hätten können. Dann habe man sich entweder über Skype unterhalten oder sich zu einem Spaziergang im Freien verabredet. Telefon, Skype, Mail oder WhatsApp seien so neue Handwerkzeuge geworden, erzählt Pater Isaak. Dabei sei ihm bewusst, dass es große Lücken gebe. Die habe es aber auch schon vorher gegeben.

Er hat bemerkt, dass nun die Menschen dünnhäutiger geworden sein, verzweifelter, nahe an der Depression. Da denkt er an einen jungen Unternehmer, der sich gerade etwas aufgebaut hatte. Jetzt müssten solche Menschen aufgebaut werden.

Hilfe für Sterbende

Für Pater Isaak ganz wichtig in diesen Zeiten: "Es muss keiner alleine sterben." Da er vorher schon Klinikseelsorger gewesen ist, geht er in die Krankenhäuser zu Sterbenden.

Auch die Senioren in den Heimen würden nicht vergessen. Dank vieler Ehrenamtlicher, wie alles im Team läuft, seien auch hier Angebote da. Dann die jüngere Generation. Das Homeschooling empfindet er wie seine Kollegin Doris Bromberger als eine ungewöhnliche Herausforderung für Kinder und Familien.

Was hilft: "Reden, reden, reden." "Die Menschen haben das Bedürfnis, das, was sie erleben, was sie spüren, nicht in sich hineinfressen zu müssen", weiß der Pater, der seit 38 Jahren im Kloster ist. All solche Dinge dürfen sie ihm sagen. "Ich bin da wie eine Klagemauer", sagt Pater Isaak, ich halte das aus. Die Kraft dazu schenkt ihm die klösterliche Gemeinschaft, die ihn trägt und den notwendigen halt gibt.

Einen anderen Menschen nicht in den Arm nehmen zu dürfen, ihn zu drücken, er weiß aus eigener Erfahrung, wie das fehlt. "Vielen fehlt die körperliche Nähe", spürt auch Doris Bromberger, dazu zählt ihrer Erfahrung nach auch der einfache Händedruck. An vieles hat man sich in Corona gewöhnt, doch: "Ich hoffe, dass wir uns nicht daran gewöhnen", hier macht Pater Isaak eine kleine Pause, um dann noch ein "müssen" hinterherzuschieben.

Doris Bromberger verteilt persönlich Ostergrüße. Meist wirft sie diese in den Briefkasten, doch auf ihrer Tour trifft sie auch viele Menschen, die sich auf ein Gespräch freuen.
Foto: Gerhard Krämer | Doris Bromberger verteilt persönlich Ostergrüße. Meist wirft sie diese in den Briefkasten, doch auf ihrer Tour trifft sie auch viele Menschen, die sich auf ein Gespräch freuen.
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