Wiesentheid

Taubenplage: Wilder Schwarm verursacht Ärger in Wiesentheid

Sie fressen den Samen aus den Gärten, verkoten Gehwege, Parkplätze und Dächer. Die wilden Tauben in Wiesentheid haben deutlich zugenommen. Welche Folgen hat das?
Es flattert und gurrt: Hunderte von wilden Tauben sammeln sich täglich im Wiesentheider Ortskern.
Foto: Andreas Stöckinger | Es flattert und gurrt: Hunderte von wilden Tauben sammeln sich täglich im Wiesentheider Ortskern.

Dieser Tage reichte es einigen Bürgern im Wiesentheider Ortskern. Sie schlugen Alarm bei Bürgermeister Werner Knaier, weil sie nicht weiter wissen. Ihr Problem sind Tauben. Jede Menge wilder Tauben verunreinigen nämlich derzeit nicht nur die Höfe, Gebäude und Dächer rund um die Bahnhofstraße. Sie schädigen auch die Gärten und Pflanzen. "Das ist eine Katastrophe! Im Garten wächst nichts mehr, ich kann keinen Teppich mehr raushängen, auf dem Balkon konnte man sich zuletzt auch nicht mehr setzen", klagt etwa Rosi Junker.

Tauben verkoten Hof und Wege

Ständig sei der Hof verdreckt mit Kot von den Tieren, es mache keinen Spaß mehr, man werde nicht fertig mit dem Saubermachen. Sogar die Folien in ihrem Garten haben die Tauben kaputt gepickt, schildert sie weitere ärgerliche Erfahrungen. Im Erdgeschoss betreibt Petra Lerch ein Geschäft, sie ist ebenso genervt. "Das ist eine echte Sauerei! Manchmal tragen die Leute den Dreck sogar in den Laden."

"Das ist eine Katastrophe! Im Garten wächst nichts mehr."
Rosi Junker, Bürgerin von Wiesentheid

Wer sich umschaut, der sieht vor allem auf dem angrenzenden Grundstück gleich daneben, auf einem einstigen Firmengebäude sowie rund um den Edeka-Markt täglich Hunderte der Vögel. Auf dem Gehsteig, auf dem Parkplatz, in den Grünflächen – überall sind sie.

In aller Seelenruhe sitzen beinahe täglich Hunderte von wilden Tauben im Wiesentheider Ortskern. Sie sorgen bei vielen Anwohnern in der Bahnhofstraße für Ärger.
Foto: Andreas Stöckinger | In aller Seelenruhe sitzen beinahe täglich Hunderte von wilden Tauben im Wiesentheider Ortskern. Sie sorgen bei vielen Anwohnern in der Bahnhofstraße für Ärger.

Wer sein Auto dort parkt, fühlt sich bisweilen an den Markusplatz in Venedig erinnert. Sobald man sich näher in Richtung der Tiere bewegt, fliegt ein riesiger Schwarm der Tauben auf, um kurz darauf etwas weiter entfernt wieder zu landen. Bevorzugter Landeplatz sind die Dächer. Der Schwarm lässt sich tagtäglich beobachten, wenn er im Bereich um den ehemaligen Bahnhof seine Runden fliegt.

Ämter haben keine Lösung

Auf das Problem angesprochen, klagt Ernst Löser sein Leid. Seine Geschäftsgebäude in der Bahnhofstraße werden von den Tauben stark in Mitleidenschaft gezogen. "Sie machen alles kaputt. Sie picken den Kalk aus dem Sockel am Gebäude, sie verunreinigen mir die ganzen Flachdächer mit ihrem Kot – das ist unglaublich." Was tun? Weder das von ihm befragte Landratsamt noch das Gesundheitsamt haben eine Lösung für die lästigen Tiere.

Regelrecht belagert haben derzeit Hunderte von widlen Tauben einen Teil im Wiesentheider Ortskern. Anwohner und Gemeinde sind alles andere als begeistert.
Foto: Andreas Stöckinger | Regelrecht belagert haben derzeit Hunderte von widlen Tauben einen Teil im Wiesentheider Ortskern. Anwohner und Gemeinde sind alles andere als begeistert.

Warum die Ecke so beliebt ist, lässt sich leicht vermuten. In direkter Nähe hat ein Landhandel-Unternehmen seinen Sitz, das auch mit Getreide handelt. Beim Be- und Entladen fallen anscheinend immer Körner zu Boden, so dass die Tauben dort Nahrung finden.

Tauben hat es immer gegeben, aber es werden mehr

Tauben habe es schon immer dort gegeben, schildert Jonas Krämer von der gleichnamigen Elektrofirma in der Nähe seine Eindrücke. "Aber seit etwa einem Jahr ist es richtig massiv; es werden immer mehr." An den Wänden des Geschäftshauses sind deutliche Spuren der Vögel zu sehen. Die Lampe an der Eingangstüre wurde nun verkleidet, weil sie ständig voll mit Taubendreck war. Ein Rezept, wie man die lästigen Vögel eindämmen könne, hat er nicht.

Unliebsame Tiere: Weit über 100 wilde Tauben bereiten derzeit den Wiesentheidern einige Probleme. Am Parkplatz rund um den Edeka-Markt halten sie sich besonders gerne auf.
Foto: Andreas Stöckinger | Unliebsame Tiere: Weit über 100 wilde Tauben bereiten derzeit den Wiesentheidern einige Probleme. Am Parkplatz rund um den Edeka-Markt halten sie sich besonders gerne auf.

Im Sommer hatte die Evangelische Kirchengemeinde ihr Malheur mit den Tauben. Als dort frischer Rasen angesät wurde, steckte kaum der Samen im Boden, da kamen die Tauben auch schon und pickten nahezu den ganzen frischen Rasensamen heraus. "Sie haben alles gefressen. Wir müssten neu ansäen, aber wie soll das gehen? Du kannst ja hier überhaupt nichts mehr hochziehen", zeigt sich Walter Wirsing von der Kirchengemeinde auch beim Blick auf die Blumenbeete ratlos. Immer größer werde der Schwarm, stellt er fest.

Was der Bürgermeister vorhat

Im Wiesentheider Rathaus weiß man um das Problem, nicht nur weil einige Bürger nun Bürgermeister Werner Knaier damit konfrontierten. Es gebe ein, zwei Gebäude, in denen die wilden Tauben anscheinend Unterschlupf fänden und ungestört brüten könnten, vermutet er. Hinweise habe man bereits bekommen. So beschwerte sich ein Bürger in der Straße nach Feuerbach, dass im benachbarten Haus ein richtiger Taubenschlag sei, der auch bei ihm für Dreck sorge.

"Es wird wohl ein paar Monate dauern, aber wir müssen das Problem lösen."
Werner Knaier, Bürgermeister von Wiesentheid

Bürgermeister Knaier und die Zuständigen vom Rathaus haben bereits Kontakt mit dem Besitzer des Anwesens aufgenommen. Dieser sei gewillt, mitzuhelfen und das Problem zu lösen, berichtet der Bürgermeister.

Hoch oben auf den Gebäuden thronen jede Menge wilder Tauben im Wiesentheider Ortskern. Gemeinde und Anwohner suchen nach einer Lösung des Problems.
Foto: Andreas Stöckinger | Hoch oben auf den Gebäuden thronen jede Menge wilder Tauben im Wiesentheider Ortskern. Gemeinde und Anwohner suchen nach einer Lösung des Problems.

Knaier vermutet dennoch, dass die Tauben wohl nicht so leicht zu vertreiben seien. Die Gemeinde will es mit der Variante versuchen, den Tieren die gelegten Eier wegzunehmen und sie gegen Attrappen auszutauschen. Das werde auch in anderen Städten so praktiziert, wusste das Ortsoberhaupt. Er erwartet sich davon zwar keine schnelle, aber eine wirksame Hilfe: "Es wird wohl ein paar Monate dauern, aber wir müssen das Problem lösen."

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