Kitzingen

Trauerfälle: Trotz Distanz menschliche Nähe zeigen

In Corona-Zeiten müssen Trauergäste bei Beerdigungen Abstand voneinander halten - dabei ist Nähe eigentlich wichtig für eine gute Trauerbewältigung.
Trauernde brauchen die Unterstützung und Nähe zu anderen Menschen. Auch in Corona-Zeiten.
Foto: Waltraud Ludwig | Trauernde brauchen die Unterstützung und Nähe zu anderen Menschen. Auch in Corona-Zeiten.

Nur 15 Trauergäste durften beim ersten Lockdown im Frühjahr an einer Bestattung teilnehmen. Dies hatte zur Folge, dass in manchen Familien nicht einmal Enkel oder Geschwister die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg zum Grab begleiten konnten. Inzwischen wurde die strenge Teilnehmerbegrenzung gelockert. Jedoch müssen Trauergäste auf dem Friedhof Abstand halten - was bei einer Beerdigung nicht immer einfach ist.

Tobias Volk, Juniorchef von Bestattungen Volk, Kitzingen. Foto: Volk/Daniel Schwarz
Foto: Daniel Schwarz | Tobias Volk, Juniorchef von Bestattungen Volk, Kitzingen. Foto: Volk/Daniel Schwarz

Wie schwierig die Situation während des ersten Lockdowns war, davon kann Tobias Volk berichten. "Das war wirklich katastrophal", blickt der Kitzinger Bestatter zurück. "Die Hinterbliebenen mussten entscheiden, wer bei der Beerdigung dabei sein darf und wer nicht."

Auf Lockerungen gewartet

Bei Urnenbestattungen hätten einige Familien deshalb mit der Trauerfeier gewartet, bis die Bestimmungen wieder gelockert wurden. Auch Alfons Glöggler erinnert sich noch gut an die damaligen Zustände. Ganze sieben Minuten habe die erste Erdbestattung damals gedauert, berichtet der Dettelbacher Bestatter. Das sei "nicht schön" gewesen.    

Bestatter Alfons Glöggler aus Dettelbach.
Foto: Adrian Schuppert | Bestatter Alfons Glöggler aus Dettelbach.

Inwieweit die erzwungene Abwesenheit bei Beerdigungen längerfristig zu Störungen im Trauerprozess führt, lässt sich nach Auskunft der Dettelbacher Psychologin und Trauertherapeutin Julia Wohner zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Auf jeden Fall fehle "ein wichtiger Teil der Trauerbewältigung". Denn "das gemeinsame Trauern ist etwas, was uns in unserem Leid trägt und unterstützt". Manchmal bräuchten wir auch "das Bild, dass der Verstorbene in die Erde hinabgesenkt wird, um den Tod akzeptieren zu können". Dabei komme es nicht auf die Zahl der Trauergäste an:  Manche seien froh, wenn die Bestattung nur in kleinem Kreis stattfindet, für andere sei eine große Trauerschar hilfreich.

Die Dettelbacher Psychologin und Trauertherapeutin Julia Wohner.
Foto: Margarete de Selliers | Die Dettelbacher Psychologin und Trauertherapeutin Julia Wohner.

Inzwischen wurde die strenge Teilnehmerbegrenzung von staatlicher Seite aufgehoben. Nach der neuesten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung muss jedoch bei Beerdigungen ein Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Trauergästen gewährleistet sein. Der Abstand muss nicht eingehalten werden zwischen Personen des eigenen und eines weiteren Hausstands, solange die Höchstzahl von zehn Personen nicht überschritten wird. Je nach den örtlichen Gegebenheiten ist auf einigen Friedhöfen nur eine begrenzte Zahl von Trauergästen erlaubt, wie etwa beim Schwanberg-Friedwald, wo aktuell nur 20 Personen bei Bestattungen dabei sein dürfen.

Nicht umarmen dürfen

Nach der aktuellen Corona-Verordnung dürfen sich auch nur zehn Personen aus zwei Haushalten im Anschluss an die Beerdigung noch einmal treffen. Gaststätten und Cafés sind ohnehin geschlossen. Gerade dieses "Abstand halten müssen", während und nach der Bestattung, sieht Trauertherapeutin Wohner als große Schwierigkeit an. "Es geht darum, sich nicht umarmen zu dürfen, nicht nahe sein zu dürfen. Dabei brauchen wir so etwas eigentlich für eine gute Trauerbewältigung." Also lieber auf eine Umarmung am Grab verzichten? Die Therapeutin vermag keine eindeutige Antwort zu geben: "Mein Psychologen-Herz sagt Nein. Aber wenn ich die steigenden Infektionszahlen sehe, wäre wohl besser ein Ja."

"Oft wird von Trauernden erwartet, dass sie möglichst schnell wieder funktionieren."
Julia Wohner, Psychologin und Trauertherapeutin

Wo herkömmliche Formen der Anteilnahme nicht möglich sind, rät Julia Wohner, nach anderen Wegen zu suchen. "Oft wird von Trauernden erwartet, dass sie möglichst schnell wieder funktionieren und zur Normalität übergehen", sagt sie. Dabei bräuchten sie auch nach der Beerdigung die Nähe und Unterstützung von anderen Menschen. Gerade hier könne man seine Anteilnahme zeigen, beispielsweise durch einen Anruf oder die Einladung zu einem gemeinsamen Spaziergang. Wichtig sei es, Trauernde in ihrem Leid nicht alleine zu lassen – und das nicht nur in Zeiten von Corona.

   

                 

   

                 

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