Kitzingen

Volkshochschule: "Der Schaden kann noch nicht beziffert werden!"

Nichts geht mehr bei der Kitzinger Volkshochschule und bei Veranstaltungen in der Alten Synagoge. Vhs-Geschäftsstellenleiter Richard Arndt-Landbeck zum Stand der Dinge.
Konzerte in der Alten Synagoge - daran ist erst einmal nicht zu denken.
Foto: Robert Haaß (Archiv) | Konzerte in der Alten Synagoge - daran ist erst einmal nicht zu denken.

Stillstand bis Ende April, alles weitere ist ungewiss: Auch die Kitzinger Volkshochschule macht schwere Zeiten durch. Die Vollbremsung des öffentlichen Lebens führte abrupt zu 125 Kurs-Unterbrechungen - und einem noch nicht zu beziffernden Schaden.

Frage: Wie viele Veranstaltungen mussten in der Alten Synagoge bisher abgesagt werden?

Richard Arndt-Landbeck: Wir haben bisher acht Kulturveranstaltungen, wie Konzerte, Kabarett und Multivisionen sowie sechs Vorträge und eine Kinderakademie abgesagt. Dazu kommen zwei Konzerte der Musikschule, insgesamt bisher also 17 Veranstaltungen.

Welche Veranstaltungen wurden in nächster Zeit abgesagt?

Arndt-Landbeck: Im April wurden die beiden Konzerte mit dem Sarah Straub Trio, mit Gudrun Walther & Jürgen Treyz sowie ein Hundevortrag, ein Vortrag zum neuen Gebäude-Energie-Gesetz und zur Fetalen Alkohol Spektrum Störung FASD abgesagt.

Bis wann planen Sie mit einer geschlossenen Synagoge?
Richard Arndt-Landbeck, Leiter der Vhs in Kitzingen.
Foto: Ralf Dieter | Richard Arndt-Landbeck, Leiter der Vhs in Kitzingen.

Arndt-Landbeck: Zumindest bis Ende April bleibt die Alte Synagoge für Veranstaltungen geschlossen. Wie es dann weitergeht, erfahren wir voraussichtlich am 20. April nach den Osterferien.

Welchen Schaden befürchten Sie?

Arndt-Landbeck: Der Schaden kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau beziffert werden, denn neben den Vertrags-Ausfallgagen, die von uns als Veranstalter fällig werden, wenn wir Veranstaltungen absagen, kommen noch entgangene Mieteinnahmen hinzu, die wegfallen, wenn Veranstaltungen von externen Nutzern entfallen. Stand heute Ende März ist bereits sicher, dass der Schaden bei deutlich über 10 000 Euro liegen wird. Wenn die Alte Synagoge ab Mai weiterhin für Veranstaltungen geschlossen bleibt, wird dieser Betrag noch ansteigen.

Was hat das für Auswirkungen auf die weiteren Planungen für Herbst und Winter?

Arndt-Landbeck: Im Moment hat das für uns noch keine direkten Auswirkungen, da die Planung der Kulturveranstaltungen bis zum Frühjahr 2021 längst abgeschlossen ist. Wenn die Schließung aber noch deutlich länger als bisher bekannt andauern wird, sind längerfristige Auswirkungen schon zu befürchten. Denn niemand kann dann einschätzen, wie sich die Besucher von Kulturveranstaltungen verhalten werden, wenn das öffentliche und kulturelle Leben sich langsam wieder normalisiert.

Thema Vhs-Kurse: Wie viele Kurse mussten unterbrochen werden?

Arndt-Landbeck: Wir mussten insgesamt 125 Kurse mit rund 1100 Teilnehmern unterbrechen.

Wie viele spätere Kurse kommen noch dazu?

Arndt-Landbeck: 70 weitere Kurse, die im Zeitraum vom 16. März bis zum 19. April angefangen hätten, wurden zunächst einmal abgesagt. Wenn der Kursbetrieb ab dem 20. April nicht fortgeführt werden kann, kommen allein bis Ende April 45 weitere Kurse dazu.

Wie wurde das abgewickelt?

Arndt-Landbeck: Wir mussten sehr kurzfristig über 1350 Kursteilnehmer und rund 100 Kursleiter vorwiegend per Mail, zum Teil aber auch per Telefon über die erforderlichen Maßnahmen informieren. Dazu kamen unzählige telefonische sowie Mailanfragen, die zur Bearbeitung anstanden. Glücklicherweise erfolgte die Schließung der Volkshochschule bereits knapp zwei Wochen nach Semesterbeginn, so dass noch keine Kursgebühren von den Teilnehmern abgebucht wurden. Die finanzielle Abwicklung der Kursgebühren und der bisher angefallenen Kursleiterhonorare steht uns allerdings noch komplett bevor, sobald feststeht, ob und wann der Kursbetrieb weitergehen kann. Und wenn der Kursbetrieb fortgesetzt wird, müssen wiederum alle informiert werden.

Gibt es im Frühjahrssemester überhaupt noch Kurse?

Arndt-Landbeck: Unter der Voraussetzung, dass der Kursbetrieb ab dem 20. April wieder starten kann, würden die unterbrochenen Kurse wieder fortgeführt, dann würden pro Kurs insgesamt nur wenige Kurstage fehlen und der größte Teil des Frühjahrssemesters könnte stattfinden. Wenn sich die Schließung allerdings bis zum Ende der Pfingstferien hinziehen würde, hätte das den kompletten Ausfall des Frühjahrssemesters zur Folge.

Lässt sich sagen, welche Auswirkungen die Absagen auf die Referenten haben?

Arndt-Landbeck: Der Kursausfall an Volkshochschulen kann dazu führen, dass Lehrkräfte, die ihren Lebensunterhalt überwiegend aus dem Einkommen ihrer Lehrtätigkeit an der Volkshochschule bestreiten, in eine finanzielle Notlage geraten, denn wenn Kurse oder auch einzelne Kurstage ausfallen, erhalten sie kein Honorar.

Welches Gefühl beschleicht Sie in Anbetracht der aktuellen Lage?

Arndt-Landbeck: Es ist für viele von uns eine sehr ungewohnte Situation. Wir können aktuell nur abwarten, wie sich die Lage weiterentwickelt. Und wir alle müssen mit dieser Unsicherheit umgehen lernen. Daran führt kein Weg vorbei.

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