Kitzingen

Weichhans Wochenrückblick: Was Beleidigungen kosten können

Satire am Samstag: Wie Beleidigungen am Kitzinger Amtsgericht zu Buche schlagen. Wie Belmondo nach Kitzingen kam. Und warum Kitzingen auf dem Weg zur Rekorde-Stadt ist.
Weichhans Wochenrückblick: Was Beleidigungen kosten können
Foto: MP, Angie Wolf, Montage: Biscan

Es soll vorkommen, das Radfahrer und Autofahrer sich nicht immer grün sind. Was zu unschönen Szenen führen kann. So wie in der Volkacher Hauptstraße. Dort beleidigte im vergangenen Mai ein Radfahrer einen Autofahrer mit den Worten: "Blöder Klappstuhl!" Das dürfte als Schimpfwort nicht allzu geläufig sein, aber jeder Landstrich hat eben so eine eigene und über Generationen gewachsene Ausdrucksweise. Jedenfalls traf man sich jetzt vor der Kitzinger Strafrichterin wieder und der "Blöde Klappstuhl" kostete den Radfahrer 1000 Euro in Form von 20 Tagessätzen zu je 50 Euro.

Schaut man ein wenig ins Gerichtsarchiv, ergibt sich ein durchaus beachtlicher Schimpfworte-Strafenkatalog: Eine "blöde Kuh" kostete 450 Euro. Mit 500 Euro zu Buche schlug "Du bist behindert!" und auf 100 Euro brachte es "fette Sau". Ein Stinkefinger ging mit 150 Euro über den Richtertisch. Dagegen kamen "Britschn" und "dumme Frau" ohne Bestrafung davon. 

"Du alter Belmondo!" klingt auch ein bisschen wie eine Beleidigung. Ältere dürften sich an den französischen Schauspieler Jean-Paul Belmondo erinnert fühlen. In Wirklichkeit aber ist Belmondo ein tatkräftiger Mitarbeiter der Kitzinger Wasserwacht. Vergangenen Sonntag schwamm er trotz der widrigen Temperaturen unterhalb der Alten Mainbrücke in Kitzingen. Eine Übung zur Personenrettung, bei der die Wasserrettungspuppe mit dem Promi-Namen eine tragende – in diesem Fall: schwimmende – Rolle hatte. "Bootsführer, Belmondo Backbord über Bord!" – das hebt die Rettung gleich auf ein ganz anderes Niveau. 

Zu seinem Namen kam Belmondo nicht zuletzt, weil er Blei an den Füßen hat. Und da ist das Bild von der Mafia, die gerne mal jemanden im Fluss versenkt, nicht weit weg – hat uns Daniel Nagl, Pressesprecher der Ortsgruppe, verraten. Zudem heißt der Name übersetzt "schöne Welt", die bekanntlich in Kitzingen am allerschönsten ist.

Wobei es in der Großen Kreisstadt nicht nur schön, sondern rekordverdächtig ist. Kitzingen mausert sich zu einer Stadt der Rekorde. Da war der deutsche Hitzerekord. Es gibt die größte Adventskerze Bayerns. Das einzige Tierheim der Welt auf einem Bergstollen. Die vollste B 8. Und vor den Toren der Stadt wird auch gerade ein Rekord vermeldet: Das Post-Paketzentrum hat 2021 mehr als 105 Millionen Paketsendungen bearbeitet – so viele wie noch nie. Darunter soll sich übrigens auch ein Klappstuhl befunden haben, der direkt nach Volkach ausgeliefert wurde. 

Satire am Samstag: Unser Autor Frank Weichhan versucht die Kuriositäten und den Wahnwitz einer ganzen Woche immer samstags in Worte zu fassen.

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