Geiselwind

Werden die schwarzen Engel müde?

Zum Christmas Bash kommen diesmal nur knapp 1500 Fans. Wenngleich das Metal-Festival auch in der kleinen Music Hall seinen Reiz hat, es hat etwas entscheidendes gefehlt.
Auch wenn schon mal 2000 Fans mehr beim Christmas Bash waren: Die Stimmung war gut bei der fünften Auflage, diesmal in der kleinen Music Hall.
Foto: Michael Bauer | Auch wenn schon mal 2000 Fans mehr beim Christmas Bash waren: Die Stimmung war gut bei der fünften Auflage, diesmal in der kleinen Music Hall.

Von wegen adventliche Ruhe. Seit Jahren scheppert es kurz vor Weihnachten in Geiselwind noch einmal richtig. Beim Christmas Bash feiern die Metal-Fans mit schwarzen Nikolaus-Mützen, Glühwein und harter Musik ihr ganz eigenes Fest. In diesem Jahr in etwas kleinerem Kreis. Über 3500 Fans waren's schon mal in der großen Eventhalle auf dem Rasthof-Gelände. Diesmal kommen knappt 1500, weshalb die Veranstalter kurzerhand in die kleine Music Hall umgezogen sind. Dort ist's kuschelig, erinnert vieles an gute alte Beatabend-Zeiten - auch der Headliner des ersten Tages.

Eine Cover-Band kann kein Zugpferd sein

The Iron Maidens. Der Name sagt schon, dass es um Musik von Iron Maiden geht und dass Frauen am Werk sind. Die US-Girls spielen die Hits der legendären Briten nach und das nicht gut. Vielleicht sind sie ja auch nur als Rausschmeißer für Queensryche gedacht, die davor einen starken Auftritt legen. Doch egal, ob nun die Eisernen Jungfrauen, oder die Kapelle mit dem Doppelpunkt auf dem y, der so auf keiner Tastatur der Welt zu finden ist - es fehlt ein echtes Zugpferd. Das können Prog-Metaller genauso wenig sein wie eine Cover-Band, wie sie freitagabends in zig Schulturnhallen auf dem Land herumturnen. Tag zwei, der im Zeichen potenzierter Härte, nämlich gepflegten Death-Metals, steht, offenbart die gleiche Lücke: Kataklysm sind ein Subgenre-Schwergewicht, aber kein Kassenmagnet.

Und so muss das Christmas-Bash-Festival nach seiner fünften Auflage aufpassen, nicht schon in der Versenkung zu verschwinden, bevor daraus eine echte Tradition geworden ist. In den Vorjahren waren mit Accept, Edguy, Arch Enemy, Blind Guardian, Saxon oder Doro etliche "Bretter" am Start. Stattdessen wurden diesmal lange keine Bands veröffentlicht, stattdessen abstruse Preisstaffelungen um Early-Bird- und Blind-Tickets betrieben. Nur: Christmas Bash ist nicht gleich Wacken oder Summer Breeze, wo die Fans tatsächlich schon mal blind buchen im Wissen um die Großen der Szene. Der fünfte Anlauf im winterlichen Geiselwind hat gezeigt: Ohne echte Headliner kommen nur die Eingefleischten. 

Wo führt der Weg des Festivals 2020 hin?

Was gundsätzlich nicht schlecht sein muss. Wenn Bands wie Kissing Dynamite und Battle Beast am Freitag sowie tags darauf Fleshgod Apocalypse, Black Dahlia Murder oder Whitechapel zeigen, dass es sich auch lohnt, die zweite Garde anzuschauen. Da zeigen dann die eineinhalbtausend schwarzen Engel, dass sie nicht müde sind. Und warum die finnischen Melo-Deather Insomnium, unbestritten künstlerischer Höhepunkt des Samstags, immer noch als Upgrade-Geheimtipp im Schatten der Amon-Amarth-Wikinger segeln, ist kaum nachzuvollziehen. Die Qualität passt auch diesmal überwiegend, nur braucht es eben Namen, wollen die Organisatoren den ursprünglich eingeschlagenen Weg weiter beschreiten. Oder aber sie bekennen sich bewusst zum Understatement und feiern auch 2020 kuschelig in der Music Hall.

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