Kitzingen

Wohnungseinbrüche: Mit der Dunkelheit steigt die Gefahr

Illustration zum Thema Einbruch       -  Ist ein Fenster nicht richtig gesichert, haben Einbrecher leichtes Spiel und verschaffen sich in Sekundenschnelle Zugang zum Haus. „Fenster und Terrassentüren haben sich als absoluter Schwachpunkt herausgestellt“, sagt Enrico Ball von der Polizei Unterfranken.symbolfoto: frank Rumpenhorst/dpa
Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) | Ist ein Fenster nicht richtig gesichert, haben Einbrecher leichtes Spiel und verschaffen sich in Sekundenschnelle Zugang zum Haus.

Schon vor 17 Uhr geht in diesen Tagen die Sonne unter, so dass viele Berufstätige noch nicht zuhause sind, wenn die Dämmerung einsetzt – und in den nächsten Wochen wird es Tag für Tag noch früher dunkel. Für Einbrecher ist das eine Chance, unbemerkt ins Haus einzudringen. Polizeioberkommissar Enrico Ball von der Pressestelle der Polizei Unterfranken weiß, wie man sich schützen kann.

Frage: In den letzten Jahren sind die Einbruchzahlen in Unterfranken gesunken, 2019 aber wieder leicht gestiegen. Ist schon eine Tendenz für 2020 erkennbar? Und wie sieht es im Landkreis Kitzingen aus?

Enrico Ball: Mit 358 Fällen lag die Zahl der Wohnungseinbrüche im Jahr 2019 unterfrankenweit nur geringfügig über dem historischen Tiefstand aus dem Vorjahr. In 151 Fällen ist es dabei beim Versuch geblieben und die Täter gelangten nicht in den Wohnraum. Im Landkreis Kitzingen kam es im Jahr 2018 zu 18 Wohnungseinbrüchen und im Jahr 2019 zu 17 solcher Taten. Für das Jahr 2020 liegen die Zahlen noch unter den Statistikdaten aus den beiden Vorjahren.

Gab es in diesem Jahr Schwerpunkte im Landkreis Kitzingen?

Enrico Ball: Ein besonderer Schwerpunkt lässt sich aus den bisherigen Fällen nicht erkennen. Grundsätzlich sind abgelegene oder in Ortsrandnähe stehende Gebäude geringfügig stärker gefährdet als im Ortskern.

Lässt sich aus der Statistik ablesen, wann die Einbruch-Gefahr besonders groß ist?

Enrico Ball: Wir beobachten seit langem, dass die Fallzahlen mit der Umstellung auf die Winterzeit Ende Oktober Jahr für Jahr deutlich ansteigen.

Die früher einsetzende Dunkelheit bietet Einbrechern ein geringeres Entdeckungsrisiko. Darüber hinaus ist für die Täter im Dunkeln leichter erkennbar, ob die Häuser noch leer stehen oder die Bewohner bereits von der Arbeitsstelle zurückgekehrt sind.

Wie wählen die Einbrecher ihre Ziele aus? Spionieren sie die Anwesen oder auch die Gewohnheiten der Bewohner im Vorfeld aus?

Enrico Ball: Es ist nicht auszuschließen, dass gewisse Tätergruppierungen auch im Vorfeld Häuser ausspionieren. Die Regel ist aber eher, dass Gelegenheit Diebe macht. Das heißt, wenn Täter ein offensichtlich leerstehendes Haus entdecken und die Einbruchsicherung gering ist oder gar ein Fenster offensteht, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs deutlich.

Wo steigen Einbrecher am leichtesten ein?

Enrico Ball: Als ein absoluter Schwachpunkt haben sich in den letzten Jahren immer wieder Fenster und Terrassentüren herausgestellt. Fenster und Terrassentüren ohne eine sogenannte Pilzkopfverriegelung lassen sich innerhalb weniger Sekunden aufhebeln.

Also muss man sich schützen. Was können Hausbesitzer tun?

Enrico Ball: Es gibt eine Vielzahl von Verhaltenshinweisen, aber auch von mechanischen und elektronischen Sicherungsmöglichkeiten – die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in Aschaffenburg, Schweinfurt und Würzburg informieren über das Angebot. Dort erhalten Interessierte beispielsweise auch Informationen über die Möglichkeiten und rechtlichen Vorgaben bezüglich einer Videoüberwachung.

Worauf muss jemand achten, der sein Anwesen mit einer Überwachungskamera ausstattet?

Enrico Ball: Oberster Grundsatz im Falle einer Videoüberwachung ist, dass nur das eigene Grundstück überwacht werden darf und nicht der öffentliche Raum. Bezüglich einer Videoüberwachung empfehlen wir dringend, eine Beratung in einer unserer Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in Anspruch zu nehmen.

Es geht aber nicht nur um die Technik. Auch das Verhalten der Bewohner kann dazu beitragen, das Einbruchrisiko zu senken. Welche Tipps haben Sie?

Enrico Ball: Richtig, neben der mechanischen Sicherung von Fenstern und Türen kommt der Anwesenheitssimulation eine große Bedeutung zu. Den polizeilichen Erfahrungen nach entscheiden sich die Täter bei ihren Einbrüchen eher für leerstehende Gebäude und meiden bewohnt wirkende Objekte. Möglichkeiten der Anwesenheitssimulation ergeben sich von einfachen Zeitschaltuhren bis hin zu komplexen vernetzten Systemen, Stichwort: Smart Home.

Mit Smart Home kann Licht technisch gesteuert oder ein Bild des Eingangsbereichs übers Handy übertragen werden. Bietet das mehr Sicherheit?

Enrico Ball: Die Entscheidung für ein Smart Home System fällt sicherlich seltener vor dem Hintergrund des Einbruchschutzes, kann aber wie gesagt sehr sinnvoll für die Anwesenheitssimulation eingesetzt werden. Bei der Vielzahl der Smart Home Systeme ist eine pauschale Aussage über ihre Sicherheit nicht zu treffen. Ob ein Einbrecher sich jedoch die Mühe machen würde, ein elektronisches System anzugreifen um einzubrechen, ist eher fraglich. Zumal hier als mögliche Zielobjekte nur elektronische Zugangssysteme in Frage kommen würden.

Manche Anwesen haben ein Codesystem statt eines Schlüssels, andere entscheiden sich für einen Schlüsseltresor. Ist das sicher?

Enrico Ball: Wie bei den anderen Produkten zur Einbruchsicherung empfehlen wir auch hier, auf eine entsprechende Zertifizierung zu achten.

Nehmen wir an, der schlimmste Fall tritt ein, man bemerkt einen Einbrecher im Haus. Was tun?

Enrico Ball: Sollte man bei der Heimkehr auf einen Einbrecher im eigenen Haus treffen, empfehlen wir, sofort auf sich aufmerksam zu machen, den Notruf der Polizei zu wählen und sich dem Täter nicht in den Weg zu stellen. Besser ist es, dem Täter im gebührenden Abstand zu folgen und die Fluchtrichtung fortlaufend dem Notruf der Polizei mitzuteilen. Sofern möglich, sollte von einem möglichen Fluchtfahrzeug das Kennzeichen abgelesen werden.

Und wenn sich jemand auf dem Nachbargrundstück verdächtig verhält?

Enrico Ball: Bei verdächtigen Beobachtungen oder Wahrnehmungen sofort den Notruf 110 zu wählen, ist ein besonders wichtiges Anliegen der unterfränkischen Polizei. Lieber fährt einmal ein Streifenwagen zu viel zu einer verdächtigen Wahrnehmung, als einmal zu wenig. Nur so können im Ernstfall notwendige Maßnahmen rechtzeitig eingeleitet werden, um die Festnahme von Tatverdächtigen zu ermöglichen. Wenn man den Täter noch in einer für sich selbst sicheren Entfernung bemerkt, bitten die Fahnder allerdings darum, die verdächtige Person, wenn möglich, nicht anzusprechen, sondern am Notruf zu bleiben und das Verhalten des Tatverdächtigen genau zu beschreiben. So erhöht sich die Chance, den oder die Täter noch auf frischer Tat festnehmen zu können.

Heute ist Aktionstag in Social-Media-Plattformen

„Ask me Anything“ zum Thema Einbruchschutz: In Zeiten, in denen bedingt durch die Corona-Pandemie klassische Beratungsgespräche an Infoständen in den Innenstädten nur schwer möglich sind, bietet die Polizei Unterfranken in diesem Jahr ein neues digitales Format an, um Interessierten zum Thema Einbruchschutz Rede und Antwort stehen zu können.

Am Dienstag, 3. November, bietet die Polizei Unterfranken in der Zeit von 17 bis 20 Uhr ein interaktives „Ask me Anything“ auf ihren Social- Media-Plattformen Facebook, Twitter und Instagram an. Hier kann jeder seine Fragen an einen Spezialisten der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle und einen erfahrenen Fahnder der Polizei richten.

Kriminalpolizeiliche Beratungsstellen: Weitere fachmännische Beratung erhält man nach Terminvereinbarung auch jederzeit bei den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in Würzburg unter Tel.: (0931) 457-1830, Aschaffenburg unter Tel.: (06021) 857-1830 und Schweinfurt unter Tel.: (09721) 202-1835

Beratung im Internet: Wer sich im Internet zum Thema Einbruchschutz informieren will, erhält unter nachfolgenden Links wertvolle Tipps: www.k-einbruch.de und www.polizei-beratung.de

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