Segnitz

Zufallsfund gab Blick in die Antike frei

Auf dem Kleinen Anger zwischen Segnitz und Frickenhausen, dort wo heute Sand und Kies abgebaut wird, befand sich ein Gräberfeld aus prähistorischer Zeit. Heute erinnern dort eine Gedenkstätte und das Museum in der alten Schule in Segnitz an den bedeutenden Friedhof.
Foto: NORBERT BISCHOFF | Auf dem Kleinen Anger zwischen Segnitz und Frickenhausen, dort wo heute Sand und Kies abgebaut wird, befand sich ein Gräberfeld aus prähistorischer Zeit.
Schon immer wunderten sich die Landwirte und Gärtner über große Steinbrocken, die im sandigen Boden des Mainvorlandes auf dem Kleinen Anger zwischen Segnitz und Frickenhausen zum Vorschein kamen. Ein Zufall sorgte für die Lösung des Phänomens und legte damit den Grundstein für das Museum Segeum in der alten Schule in Segnitz.

Ringe, Schmuck und Ketten

Ein Gärtner stieß nämlich im Februar 1972 beim Ausheben eines Grabens für eine Beregnungsanlage auf Tonscherben und Ascherückstände aus einer Brandbestattung. Das Landesamt für Denkmalpflege stellte daraufhin fest, dass die Leitungstrasse genau in die Grabkammer eines Hügelgrabes geführt hatte. Das Grab war mit einer Steinpackung abgedeckt und mit einem großen Steinkreis umringt. Die Archäologen stuften den Fund schließlich in die keltische Hallstatt- beziehungsweise Eisenzeit zwischen 750 und 450 vor Christus ein. Gefunden wurden zwei große Kegelhalsgefäße und ein Knochen, die wohl als Beigaben für die Reise ins Jenseits dienen sollten.

Zwanzig Jahre später wurde der Kleine Anger im Regionalplan der Regierung von Unterfranken für die Sand- und Kiesausbeute freigegeben. Als Auflage galt die Bergung eventueller weiterer Funde. Werner Gimperlein, ein Mitarbeiter des Denkmalamtes, legte dann in den Jahren 1992 bis 1996 unter Mithilfe zahlreicher Helfer aus Segnitz mehr als 40 Grabstellen frei und sicherte die Beigaben.

Nach Auswertung der Funde stellte man fest, dass bereits um 1400 vor Christus bronzezeitliche Grabhügel auf dem Kleinen Anger bestanden. Aus den Beigaben in den geborgenen Brand- und Körpergräbern ließ sich die Nutzung des Geländes als Gräberfeld weiter verfolgen über die Urnenfelderzeit (circa 1200 bis 750 vor Christus) bis in den ersten Abschnitt der Latenezeit (circa 450 bis 400 vor Christus). Der Schwerpunkt der Belegung dieses Friedhofs lag jedoch in der Hallstattzeit.

An besonderen Funden kamen vor allem eine reich geschmückte bronzezeitliche Frauentracht, eine Trennwandschale, eine Vogelplastik und weitere Keramiksonderformen ans Tageslicht. An metallischen Gegenständen fanden sich in erster Linie Gewandnadeln, Ringe und Armspiralen aus Bronze, Schmuckstücke aus Gold sowie eine Perlenkette aus Bernstein.

In einer Ausstellung im Herbst 1997 wurden die Funde ein erstes Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Der Grundstücksbesitzer und der Freistaat Bayern als die Eigentümer der Funde stellten die Sammlung der Gemeinde Segnitz für eine Dauerausstellung in der alten Schule zu Verfügung.

Dort können die bislang restaurierten Fundstücke seit 2002 in einem Museumsraum besichtigt werden. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein kleines Freigelände mit Nachbildung einiger Grabhügel, Originalsteinringe und einem Flechtwandhaus.

Das Grab einer wohlhabenden Dame mit Goldringen, Bernsteinperlen, bronzenen Armspiralen und einer Gewandnadel zählt zu den besonderen Funden aus dem Gräberfeld auf dem Kleinen Anger bei Segnitz. Eine große Zahl der Beigaben aus mehr als 40 Gräbern ist seit 2002 im Museum Segeum in Segnitz zu sehen.
Foto: NORBERT BISCHOFF | Das Grab einer wohlhabenden Dame mit Goldringen, Bernsteinperlen, bronzenen Armspiralen und einer Gewandnadel zählt zu den besonderen Funden aus dem Gräberfeld auf dem Kleinen Anger bei Segnitz.

4000 Jahre Geschichte

Als man 2005 auf dem Gelände eines künftigen Baugebietes am nördlichen Ortsrand von Segnitz einen weiteren prähistorischen Friedhof sicherstellte, konnte die Gemeinde Segnitz das Segeum um weitere zeitgeschichtliche Epochen erweitern. Seit 2013 werden nun in der alten Schule Bestattungssitten von der Jungsteinzeit bis ins Frühe Mittelalter anhand von Grabinszenierungen und der Museumsfilm „Auf dem Weg ins Jenseits“ gezeigt. So sind nahezu 4000 Jahre Menschheitsgeschichte am südlichen Maindreieck dokumentiert.

Das Museum Segeum in der alten Schule an der Sulzfelder Straße 3 in Segnitz ist jeweils von Mitte Januar bis November an Sonntagen von 14 bis 17 Uhr und ganzjährig nach Vereinbarung geöffnet: Tel. (0 93 32) 94 58.

 
Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Kitzingen und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Segnitz
Norbert Bischoff
Die antike Zeit (1599 v. Ch. - 476 n. Ch.)
Friedhöfe
Frühzeit
Jungsteinzeit (5499 - 3800 v.Ch.)
Regierung von Unterfranken
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!