Kitzingen

Zum 65. von Ex-OB Müller: Wie der Zufall ihn ins Amt trug

Der ehemalige Kitzinger Oberbürgermeister Siegfried Müller wird am Martinstag 65. Was hat ihn im Amt bewegt und was geärgert? Die Bilanz eines eher zufälligen politischen Lebens.
Oberbürgermeister zu werden war kein Kindheitstraum von Siegfried Müller, der an diesem Mittwoch 65 Jahre alt wird.
Foto: Müller | Oberbürgermeister zu werden war kein Kindheitstraum von Siegfried Müller, der an diesem Mittwoch 65 Jahre alt wird.

Wer wissen will, was den ehemaligen Kitzinger Oberbürgerbürger Siegfried Müller nach dem Ausscheiden aus dem Amt umtreibt, sollte an einem sonnig-milden Herbsttag bei ihm zu Hause anrufen. Am Telefon meldet sich Ehefrau Elisabeth. Auf die Frage, ob ihr Mann zu sprechen sei, bittet sie um einen Moment Geduld. Es wird kurz laut, eine Art Staubsauger, dann hat man den Hausherrn am Hörer. Er sei gerade im Garten, erklärt er, „Gras rausmachen“. Seit Müller am 30. April in den selbst gewählten politischen Ruhestand gegangen ist, bleibt ihm mehr Zeit für solche Dinge. Mit seiner Frau durch Europas Städte zu ziehen, wie es mal geplant war, geht ja gerade schlecht. Und so wird auch die Feier zu seinem 65. Geburtstag an diesem Mittwoch deutlich kleiner und bescheidener ausfallen als üblich.

Nach 25 Jahren bei der Sparkasse ins Amt des OB

Zwölf Jahre hat Müller die Stadt Kitzingen regiert. 2008 ist er von den Bürgern ins Amt gewählt worden, und obwohl dies nicht einmal ein Fünftel seines Lebens war, ist es vielleicht seine prägendste Erfahrung gewesen. Geplant war das nicht. Müller hatte als Kind nie davon geträumt, OB zu werden, wie dies bei seinem Nachfolger Stefan Güntner (CSU) der Fall war. Er kam, so hat er einmal erzählt, „durch Zufall“ ins Amt – nach seiner Zeit beim Bundesgrenzschutz, einer Banklehre und einem Vierteljahrhundert bei der Sparkasse.

Als SPD-Mann Klaus Heisel – wie Müller ein Kind der Siedlung – ihn auf der 40-Jahr-Feier des SSV Kitzingen im Jahr 1989 fragte, ob er nicht für den Stadtrat kandidieren wolle, sagte er kurz darauf zu. Schon als „Vereinsmensch“, als der er sich sieht, später dann als Vorsitzender des SSV, hatte er das Credo: „Man sollte nicht nur jammern, sondern sich selbst engagieren und Verantwortung übernehmen.“

Zwölf Jahre lang war hier der Arbeitsplatz von Siegfried Müller. Als OB war er von 2008 bis April 2020 Chef im Kitzinger Rathaus.
Foto: Claudia Biebl | Zwölf Jahre lang war hier der Arbeitsplatz von Siegfried Müller. Als OB war er von 2008 bis April 2020 Chef im Kitzinger Rathaus.

Anfang der 1990er Jahre kam es in der SPD zum Streit über den Ausschluss zweier Stadträte. Noch heute spricht Müller vom Verrat demokratischer Ideale. Sie belasteten das Klima so sehr, dass sich eine Gruppe von SPD-Leuten abspaltete und die Unabhängige soziale Wählergruppe (UsW) gründete. Für die UsW saß Müller im Kitzinger Stadtrat, die UsW nominierte ihn auch als Kandidat für die OB-Wahl 2008. Er gewann mit 67,5 Prozent gegen die CSU-Kandidatin Angelika Küspert. Sechs Jahre zuvor war er noch dem SPD-Amtsinhaber Bernd Moser unterlegen: um 137 Stimmen.

Der Bahnhof war und ist sein größtes Ärgernis

Von ihm erbte er ein Projekt, das mit vielen Risiken und manchen Chancen behaftet war. Der Abzug der Amerikaner im Jahr 2006 veränderte die Stadt. Die plötzlich verwaisten Kasernen bargen ungeahntes Potenzial – es nicht für die Stadt gehoben zu haben, war einer der Vorwürfe, die man ihm als OB gemacht hat. Müller verteidigt bis heute seine Strategie, die Flächen lieber privaten Investoren überlassen haben. Viele Arbeitsplätze seien auf diese Weise entstanden. Fragt man ihn nach dem größten Ärgernis im Amt, nennt er die Situation am Bahnhof. Die Gespräche mit der Bahn, so sie denn zustande kamen, gingen für ihn am Ende immer gleich aus: enttäuschend. Der Bahnhof, inzwischen verkauft und verraten – so sieht Müller das. Er sagt: „Die Bahn hat keinerlei Interesse, kommunalpolitische Entwicklung zuzulassen.“

Das muss ihn jetzt bloß noch am Rande kümmern. Er sitzt immer noch im Kreistag – als einziger UsW-Vertreter – und im Stadtrat, weil er die in seiner Zeit angestoßenen Prozesse „weiter begleiten“ möchte. Dass heute ein anderer den Platz besetzt, den er zwölf Jahre innehatte, ist ein Zustand, mit dem er „gut umgehen“ könne. Die gewonnene Zeit verbringt er mit der Familie, den beiden Enkeln, am Fußballplatz oder beim Wandern. Weil er seinen runden Geburtstag nicht groß feiern kann, hat er schon angekündigt: „Das holen wir im Frühjahr nach – mit einer schönen Gartenparty.“

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