Karlstadt

Ärzte gesucht: Wer füllt die Krankenhäuser?

Nach der Zentralisierung des Klinikums Main-Spessart in Lohr (Mitte) soll es auch an den Standorten Karlstadt (oben) und Marktheidenfeld (unten) noch eine medizinische Nachnutzung geben.
Foto: Brachs/Ungemach | Nach der Zentralisierung des Klinikums Main-Spessart in Lohr (Mitte) soll es auch an den Standorten Karlstadt (oben) und Marktheidenfeld (unten) noch eine medizinische Nachnutzung geben.

Bei der Ansiedlung von ambulanten medizinischen Diensten in den Kreiskrankenhäusern in Karlstadt und Marktheidenfeld setzt der Landkreis vor allem auf freie Unternehmer – Ärzte ebenso wie Apotheker, Therapeuten oder andere Vertreter von Heilberufen.

Das ist der Trend, der sich aus der jüngsten Zusammenkunft der Arbeitsgruppe Klinikum erkennen lässt. Sie setzt sich zusammen aus Vertretern der Klinik, der Landkreisverwaltung, der Kreisräte, des BRK, der niedergelassenen Ärzte aus Karlstadt und Marktheidenfeld sowie aus Bürgermeistern und Bürgerinitiativen aus beiden Städten.

Konzept für die Nachnutzung in Arbeit

Nach der nichtöffentlichen Sitzung der Arbeitsgruppe am Freitag standen Landrat Thomas Schiebel, Klinikreferent Gregor Bett und Vertreter der Beraterfirma Oberender & Partner der Presse Rede und Antwort.

Nach den Worten des Landrats sei die Arbeitsgruppe dabei, auf Basis der Kreistagsbeschlüsse ein Konzept für die Nachnutzung der Kreiskrankenhäuser in Marktheidenfeld und Karlstadt zu erarbeiten. Darin würden auch die Anregungen der Bürgerinitiativen einfließen.

Heilberufler in Ärztehäusern bündeln

Am Freitag ging es um die Frage, wie man ambulante medizinische Angebote in Zukunft in Ärztehäusern bündeln könne. Sie könnten in freien Räumen der Kreiskrankenhäuser untergebracht werden. Zunächst will der Landkreis das Interesse von medizinischen Leistungserbringern erfragen.

Dazu wird die Verwaltung Anzeigen schalten und Gespräche mit niedergelassenen Ärzten suchen. „Damit wollen wir den theoretischen Ansatz für Ärztehäuser realistischer und nachprüfbarer machen“, erklärte der Landrat.

Klar ist, dass der Landkreis im ersten Schritt auf die privatwirtschaftlichen Initiativen der selbstständigen Mediziner setzt. Die bisherige Marktsondierung stimmt die Verantwortlichen zuversichtlich, dass es unter den Ärzten und weiteren Heilberuflern genug Interessenten geben könnte. Eine andere, spezielle Form für ein Ärztehaus wäre ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in der Trägerschaft der Städte oder des Landkreises. Hiervor warnten Oberender & Partner schon in der Vergangenheit mehrmals: Ein kommunales MVZ sei ein wirtschaftliches Risiko. Auch Landrat Schiebel hat dazu eine klare Meinung: „Von einem MVZ mit dem Landkreis oder einer Stadt als Träger raten wir ab.“

Berater Jan Hacker argumentierte außerdem, dass die Kommunen und der Landkreis „nicht in Wettbewerb zu den niedergelassenen Ärzten“ treten sollten. „Wir brauchen sie auch in Zukunft.“

Lösungsorientierte Gespräche

Die Atmosphäre in der Arbeitsgruppe sei „lösungsorientiert, konstruktiv und sachlich“ gewesen, lobten die Verantwortlichen nach der Sitzung. Polemik und Vorwürfe haben es bei den Gesprächen hinter verschlossenen Türen nicht gegeben.

Landrat Schiebel und Klinikreferent Bett betonten, dass die Suche nach einer medizinischen Nachnutzung für die beiden Kreiskrankenhäuser in Karlstadt und Marktheidenfeld nur einen Teil des Konzepts ausmache.

Einen deutlich größeren Raum werde die Ausweitung der Pflege an beiden Standorten einnehmen. Bekanntlich werden die Seniorenheime in Karlstadt und Marktheidenfeld ihre Zimmerzahl erweitern müssen, weil Heime künftig einen hohen Anteil von Ein-Bett-Zimmern vorhalten müssen. Somit würden sich das Kreis-Seniorenheim in Marktheidenfeld und das Heim der Herold-Stiftung in Karlstadt gern ausweiten. In Marktheidenfeld kommt dazu noch die Vergrößerung der Abteilungen für Akutgeriatrie und geriatrische Reha.

Landkreis oder Privater als Träger?

Bis zur nächsten Sitzung im Juni will die Arbeitsgruppe das Interesse der Ärzte und anderer Heilberufler eruieren. Dann soll deren Raumbedarf geklärt werden. Der nächste Schritt sei abzuschätzen, ob ihre Wünsche in den vorhandenen Immobilien umzusetzen seien, sagte Schiebel. Dann stelle sich auch die Frage nach Abriss und Neubau und ob das der Landkreis oder ein privater Investor übernehmen könnte.

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