Aschfeld

Artenschutz: Main-Spessart bietet Amphibien neue Laichplätze

Wegen der trockenen Sommer ist die Fortpflanzung von Gelbbauchunken, Kreuzkröten und Kammmolchen immer mehr gefährdet.
Im ehemaligen Steinbruch auf dem Ammerfeld legt Landschaftspfleger Peter Piesch letzte Hand an das frisch gesetzte Beton-Unkenbecken.
Foto: Karlheinz Haase | Im ehemaligen Steinbruch auf dem Ammerfeld legt Landschaftspfleger Peter Piesch letzte Hand an das frisch gesetzte Beton-Unkenbecken.

Wenn Amphibien ihre Eier im Frühjahr in Pfützen ablegen und es dann so trocken wird, dass darin kein Wasser mehr steht, geht der Laich kaputt. "Durch die letzten trockenen Jahre hat sich der Zustand der Lebensräume für Amphibien drastisch verschlechtert", beklagt die Biologin Christiane Brandt. Daher hat sie ein Amphibienrettungsprojekt in den Landkreisen Main-Spessart und Würzburg initiiert. 

Gelbbauchunke
Foto: Bund Naturschutz Main-Spessart | Gelbbauchunke

Damit Gelbbauchunken, Kreuzkröten und Kammmolche wieder bessere Chancen zur Fortpflanzung haben, wurden in den vergangenen Tagen ein Dutzend Laichbecken aus Beton in den Boden eingelassen. Trotz trockener Sommer soll darin die Brut schlüpfen und sich so weit ausbilden können, dass daraus kleine Hüpferlinge werden.

In Lindelbach wurde mit der Rüttelplatte der Boden verdichtet, damit sich dort das Wasser länger hält.
Foto: Christiane Brandt | In Lindelbach wurde mit der Rüttelplatte der Boden verdichtet, damit sich dort das Wasser länger hält.

Ortstermin auf einer der "Baustellen": Auf dem Ammerfeld oberhalb von Eußenheim-Aschfeld betrieben bis 1996 die Rheinischen Provinzial-Basalt- und Lavawerke einen Steinbruch. Jetzt ist das Gelände Naturschutzgebiet. Der Pflege-Landwirt Jochen Deppisch (Hettstadt) lädt seinen Kleinbagger vom LKW und rattert zur Einsatzstelle.

Auch Versteckmöglichkeiten sind eingebaut

Die hat zuvor schon Christiane Brandt ausgesucht. Logischerweise ist es ein etwas tiefer liegender Bereich, in dem sich bei Niederschlägen ohnehin das Wasser sammelt. Oft gibt es in Steinbrüchen, Sand- und Tongruben Stellen mit verdichtetem Boden, der dazu beiträgt, dass kleine Gewässer entstehen.

Kreuzkröte
Foto: Torsten Ruf | Kreuzkröte

Landschaftspfleger Peter Piesch aus Randersacker hat auf dem Anhänger mehrere Laichbecken dabei. Er ist sozusagen das "Bodenpersonal" und dirigiert den Baggerfahrer. In den etwa 25 Zentimeter tiefen und dichten Betonbecken wird sich das Wasser länger halten als in flachen Pfützen. Außerdem gibt es für jede dieser Stellen auch eine Person, die sozusagen als Pate immer wieder mal nachsieht und notfalls Wasser auffüllt. Jedes Unkenbecken verfügt über einen kleinen Vorsprung, unter dem sich die Unken und Kaulquappen verstecken können.

Steinbruchbetreiber nehmen Rücksicht

Zusätzlich zu diesen Becken wurden nebenher mit dem Bagger Vertiefungen für kleine Tümpel geschaffen. Christiane Brandt hat mit Steinbruchbetreibern vereinbart, dass Bereiche mit Laich von Frühjahr bis Spätsommer nicht befahren werden. Beispielsweise beherbergt der Steinbruch von Heidelberger Cement in Lengfurt Flachwasserbereiche, wo sich Kreuzkröten ungestört entwickeln können.

Kammmolch
Foto: Wolfgang Willner | Kammmolch

Das Projekt geht von der Regierung von Unterfranken aus und wird in enger Zusammenarbeit mit Kennern vor Ort ausgeführt. Zur Funktion von Christiane Brandt: Sie ist die Gebietsbetreuerin Muschelkalk im Landschaftspflegeverband Würzburg und Main-Spessart.

Die Einsatzorte der Laichbecken für Unke, Kröte und Molch

Gelbbauchunke, Kreuzkröte und Kammmolch gehören zu den stark gefährdeten Arten in Bayern. Während nicht genutzte Flächen in Steinbrüchen für die ersten beiden Tierarten ideale Fortpflanzungsreviere sind, bevorzugt der Kammmolch eher naturnahe Gewässer im Wald oder in Waldnähe.
Becken und/oder Tümpel für Gelbbauchunken wurden geschaffen bei: Ammerfeld bei Aschfeld (auch für Kreuzkröten), Lohr-Steinbach (auch für Kreuzkröten); Locksberg bei Heidelberger Cement Lengfurt (auch für Kreuzkröten); Bocksberg bei Triefenstein und Marktheidenfeld (auch für Kreuzkröten); Alte Ziegelei Marktheidenfeld; Zellinger Wald (auch Kammmolch); Lindelbach (auch Kammmolch); zwei Standorte bei Winterhausen; Steinbruch und Wiesenstandort bei Höchberg; Steinbachtal Würzburg; Unterdürrbach. Im Landkreis Main-Spessart ist die Kreuzkröte weitaus verbreiteter als die Gelbbauchunke, im Landkreis Würzburg genau umgekehrt. 
Quelle: Christiane Brandt
Im Zellinger Wald wurden diverse Becken für Kammmolche angelegt.  Links Gemeindeförster Peter Kretzinger.
Foto: Christiane Brandt | Im Zellinger Wald wurden diverse Becken für Kammmolche angelegt.  Links Gemeindeförster Peter Kretzinger.
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