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Aschermittwoch der SPD in Main-Spessart: Schlechtes Zeugnis für Piazolo

Erstmals fand der politische Aschermittwoch digital statt. Thema war die Bildungspolitik in der Pandemie. Ausgeteilt haben die Sozialdemokraten vor allem gegen bayerischen Kultusminister.
Beim ersten digitalen, politischen Aschermittwoch des SPD-Kreisverbands Main-Spessart war Bildungspolitikerin Simone Strohmayr zu Gast. 
Foto: SPD Kreisverband Main-Spessart / Facebook | Beim ersten digitalen, politischen Aschermittwoch des SPD-Kreisverbands Main-Spessart war Bildungspolitikerin Simone Strohmayr zu Gast. 

Weder Bierkrüge noch Brezn oder Heringsalat hatten die Redner beim politischen Aschermittwoch der SPD Main-Spessart vor sich stehen. Und auch sonst fehlte der digitalen Veranstaltung zum Thema "Bayerische Bildungspolitik in Corona-Zeiten" ein wenig der traditionelle Charakter solcher Treffen. Gerade zu Beginn erinnerte das einstündige Spektakel mehr an eine sachliche Podiumsdiskussion, wirklich angriffslustig zeigten sich die Sozialdemokraten erst später.

Selbstverständlich lag der zahme Start auch an den Bedingungen. Übertragen haben die Sozialdemokraten das von ihrer Kreisvorsitzenden Pamela Nembach moderierte Gespräch live über Facebook. Die Reaktionen des Publikums beschränkten sich also auf schriftliche Kommentare und Fragen. Eine aufgeheizte Stimmung konnte so bei den Rednern und den rund 40 Zuschauern freilich nur schwer aufkommen. 

Strohmayr gab sich analytisch

Als Bildungsexpertin der SPD war die bayerische Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr zugeschaltet. Bei ihr dominierten klar Analyse und Inhalte: "Die größte Herausforderung, die wir haben, ist Bildungsgerechtigkeit zu schaffen." Gerade für Kinder, die ohnehin "schlechtere Startbedingungen" haben, spitzt sich die Situation laut Strohmayr während der Corona-Zeit zu. Ihr zufolge sind in Bayern 250 000 Kinder von Armut bedroht. Oft hätten diese kein digitales Endgerät, kein Netz und bekämen im schlimmsten Fall nicht mal ein Mittagessen zu Hause. Sie treffe die Pandemie besonders hart, da viele "Unterstützungssysteme" an die Schule gekoppelt gewesen seien, die sie nun ja nicht mehr besuchen können.

Für die Zeit der Pandemie forderte Strohmayr unter anderem auch, Unterrichtsstoff zu reduzieren, Ferien nicht mehr zu streichen und den Notendruck zu verringern, indem Lehrer ihre Schüler kreativer bewerten dürfen. "Es ist kein normales Jahr, wir müssen den Druck rausnehmen." Außerdem sprach sie sich für eine hunderprozentige Förderung von Luftfilteranlagen für Schulen durch den Freistaat aus. 

Kaum Vorlagen für rhetorische Attacken

Gesprochen haben aber nicht nur Politiker, auch Carolin Weigand und Gerlinde Smutny von der Caritas Main-Spessart waren zu Gast. Weigand berichtete von ihrer Arbeit als Jugendsozialarbeiterin an der Mittelschule Frammersbach in Zeiten der Pandemie. In den vergangenen Wochen habe sie Kindern geholfen, am Online-Unterricht teilzunehmen, indem sie diesen zum Beispiel Geräte besorgt oder Lernprogramme eingerichtet hat. Insbesondere Familien mit mangelnden Sprachkenntnissen hätten dabei Probleme, da sie die E-Mails mit den Anweisungen der Schule nicht gut lesen könnten. 

Vorlagen für rhetorische Attacken auf die bayerische Landesregierung gab sie der SPD aber kaum. Denn persönlich fiel ihr Fazit positiv aus: "In Frammersbach läuft es sehr gut." Das sei aber nicht überall so, räumte sie ein und ließ die Sozialdemokraten so nicht ganz hängen. Der Bundestagsabgeordnete Bernd Rützel nutze die Gelegenheit und warf gleich ein, dass in Frammersbach die "Welt in Ordnung" sei, weil dort ein SPD-Bürgermeister regiere. Ohnehin fiel ihm das Schimpfen auf die anderen Parteien – das klassischerweise den Flair eines politischen Aschermittwochs ausmacht – offenbar am leichtesten.

Ein schlechtes Zeugnis für Piazolo

Besonders auf den bayerischen Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) und seine Leistung in der Pandemie hatte er sich eingeschossen. Der sei ein "netter Herr", so Rützel, aber das reiche in dieser Krise nicht aus. "Ich erwarte nicht, dass der zaubert, aber ich erwarte, dass der hart arbeitet von frühs bis nachts und dass wir Lösungen haben." Zum Abschluss stellte Simone Strohmayr dem Bildungsminister dann auch noch ein schlechtes Zeugnis aus. "Ich würde sagen: Vorrücken gefährdet." In Mathematik, Kommunikation und Digitalisierung  bewertete sie ihn mangelhaft. Nach einer längeren Aufwärmphase teilte die SPD zum Ende hin also doch noch deftig aus.

Die SPD-Veranstaltung lässt sich noch auf der Facebook-Seite des Kreisverbands ansehen.

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