Kreuzwertheim

Auf der Bocksbeutelstraße nach Kreuzwertheim

Die Wellküren zogen über 300 Besucher in ihren Bann.
Foto: Robert Köhler | Die Wellküren zogen über 300 Besucher in ihren Bann.

Musikalische Virtuosität, perfekter dreistimmiger Gesang, witzige Mimik, Gestik und hintergründige Spitzen gegen die Politik brachten Bärbi, Burgi und Moni furiosen Applaus ein. Das Publikum hatten sie gleich ins Herz geschlossen, der Kontakt war schnell hergestellt, der bis zum viel zu frühen Ende anhielt. Nach den Aufenthalten in Mittel- und Oberfranken reisten sie auf der Bocksbeutelstraße, einer traumhaften Gegend, in das liebliche, im Maintal gelegene Kreuzwertheim „mit saubere, schöne, gebildete Leit“.

Ihr Verkaufsschlager, das Wishing-Well-Putztuch verschaffte Thomas aus Stuttgart einen klaren Blick durch seine Brille. „Übrigens, neben dir sitzt deine Frau, die hast bestimmt scho lang nimmer gsehn“, meinte Moni nach der Reinigung augenzwinkernd. In einer musikalischen Rundreise durch die Republik besangen sie ihre Erlebnisse, in der Elbphilharmonie waren sie nicht eingeladen, dafür die steilsten Zähne auf der Reeperbahn. Bärbi schwört auf Globoli, hat für jede Situation das passende dabei, auch zur Stärkung der Männer.

Abfuhr für Verkehrsminister

Eine Meisterleistung gelang Moni mit einer Schimpfkanonade auf die CSU, besonders die beiden Verkehrsminister erhielten eine Abfuhr. Seit 33 Jahren verarbeiten sie in ihrer Volks- und Stubnmusik kritisch aktuelle Themen, Erfahrungen und Erlebnisse. „Stubnmusik is a ganz demokratische Gschicht, sie wär für alle Politiker wichtig!“ Statt sich wie in England im Parlament zu streiten, sollten sie musizieren. Putin könnte an der Harfe zupfen, Erdogan Zitter spielen und Trump die Triangel erklingen lassen.

Mozart, ein guter Bekannter ihrer Mutter, übergab ihr in Salzburg ein Notenblatt, sie sollte damit Stubnmusik machen. Dem „hochgebildeten Publikum“ wurde eine musikalische Glanzleistung mit Harfe, Gitarre und Hackbrett präsentiert, zwar nicht in A- aber in G-Dur. Übergangslos wechselten die Virtuosen die vielen Instrumente bei jedem neuen Stück. Die Nonnentrompete, ein Musikinstrument für Nonnen, weil sie kein Blasinstrument spielen dürfen, wurde genial eingesetzt. Das zweiseitige Instrument begleitete zunächst einen melancholischen Sprechgesang, „Ich will endlich mei Ruh“ und erreichte seinen Höhepunkt bei „La Paloma“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“, als Markus Söder und Hubert Aiwanger im nebelverhangenen Altmühltal auf der Flucht vor der Basis Franz Josef Strauß begegneten.

Wellküren mit Migrationshintergrund

„Wir haben Migrationshintergrund“, verriet Moni. Der Großvater war hervorragender Friseur, die individuellen Frisuren waren alle gleich. Seine Tätigkeit als Pater übte er stets für zwei Wochen im Südtiroler Brixen aus, nach dem dritten Kind musste er allerdings die Großmutter mitnehmen.  

Der Name Well findet seinen Namen im leider verarmten schottischen Hochadel. Hämisch Mc Well, ein ganz berühmter Akkordeonist, fiel dem neidischen Musiker McBeth zum Opfer, einfach ins Loch Ness „eini gschmissn“. So müsse Wellness entstanden sein, mutmaßte Moni.

Nicht zuletzt sorgen die Vielseitigkeit und Flexibilität des Trios für den unglaublichen Erfolg und Begeisterung beim Publikum. In allen Stilrichtungen der Musik zu Hause,  Rhythm & Blues, Western, Flamenco, Russisches Temperament und Dreiviertel-Takt beherrschen die Wellküren.

Der unglaubliche Applaus verschaffte den Gästen zwei Zugaben, die erste war eine Hommage an die Comedian Harmonists, „Waren Sie schon einmal in mich verliebt? Das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt“, die zweite das Lieblingslied ihrer Eltern, „Hoab im Herzen koan andren drin“. Ihr Anliegen, dem Publikum einen Abend ohne Fernsehen mit gepflegter Unterhaltung zu bieten, ist den drei Künstlerinnen hervorragend gelungen.  

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