Rohrbach

Aufwändige Arbeiten für die Sanierung der Bahnstromtrasse bei Waldzell

Sanierung der Bahnstromtrasse: Einer der Arbeiter bedient das Kettenzuggerät, ein anderer löst die Aufhängung.
Foto: Johannes Ritter | Sanierung der Bahnstromtrasse: Einer der Arbeiter bedient das Kettenzuggerät, ein anderer löst die Aufhängung.

An einem sonnigem Morgen, erstmals in diesem Jahr mit frostigen Temperaturen um minus sieben Grad, gehen vier Männer aus Österreich und einer aus Franken an ihr Vorhaben: Ein circa 40 Meter hoher alter Mast mit der Nummer 1921 in der Flurabteilung Trieb westlich von Waldzell muss um zehn Meter versetzt werden.

Grund ist, dass einige der Strommasten in der 94 Kilometer langen Strecke von Osterburken nach Rohrbach, die vor rund 30 Jahren errichtet wurde, durch neue und höhere Masten ersetzt werden. Die Erhöhung ist notwendig, da durch den Leitungsdurchhang in den warmen Sommermonaten nicht mehr die erforderlichen Sicherheitsabständen zum Beispiel zu den Obstbäumen gewährleistet werden können.

Die 110 000 Volt führende Stromtrasse besteht aus vier Doppelstrangpaaren. Das Gefährliche bei den Arbeiten ist, dass jeweils eine Seite, also vier Leiterseile, unter Strom bleiben müssen, denn sonst würden die Züge auf der Schnellbahnstrecke Würzburg-Fulda nicht fahren können. Zu diesem Bahnstromverbund gehört auch das Kraftwerk am Sintersbachstausee. Das Verschieben der Masten ist deshalb notwendig, damit der alte Mast weiter die Leiterseile tragen kann, während am alten Standort ein neuer und höherer Mast auch mit neuem Fundament gebaut werden kann. Dadurch müssen auch die Grunddienstbarkeiten nicht geändert werden, denn das würde eventuell zu Problemen bei den Grundstückseigentümern der jeweiligen Maststandorte führen.

Fünfachsiges Ungetüm mit einem 60 Meter-Ausleger

Zu Hilfe kommt den Leitungsbauspezialisten der Schwerlastkran. Ein fünfachsiges Ungetüm mit einem 60 Meter-Ausleger, der die circa zwölf Tonnen Gewicht des Stahlgittermastes zusammen mit seinen acht Seilen heben und schwenken muss.

Einige Vorarbeiten wurden aber auch schon vor mehreren Wochen erledigt. So wurden zunächst vier "tote Männer" für die vier Abspannungfestpunkte für den behelfsmäßig versetzten alten Mast vergraben. Dafür wurden Löcher ausgehoben, in die dann 30 Zentimeter dicke Fichtenstämme, an denen ein starkes Stahlseil befestigt ist, eingegraben wurden. So entsteht ein recht einfacher, aber starker Festpunkt. Die Fichtenstämme bleiben danach auch im Boden, nur die Seile werden wieder herausgezogen. Weiter wurde ein Behelfsfundament aus Holzblockbohlen an dem Behelfsstandort errichtet. Der Fahrweg in den Grundstücken wird mit starken Spurplatten aus Stahl auch für schwerste Fahrzeuge befahrbar gemacht.

Der Mast schwebt auf das Behelfsfundament aus Holzblockbohlen.
Foto: Johannes Ritter | Der Mast schwebt auf das Behelfsfundament aus Holzblockbohlen.

Doch weiter zu den aktuellen Arbeiten: Zunächst müssen die Seilpaare auf Rollen gesetzt werden. Diese Arbeiten können nur jeweils auf der Seite gemacht werden, die stromlos ist. Die Arbeiten an der in Richtung Norden gesehen linken Seite waren bereits am Montagnachmittag erledigt. Dabei werden die Leiterpaare mittels Handkettenzügen hochgezogen, die Verankerung gelöst und die Rollen darunter eingehängt. Das alles passiert in fast 40 Meter Höhe, teils auf einer Hängeleiter.

Während einer der Arbeiter die Rollen montiert, richtet ein anderer schon die Anschlagpunkte der Abspannung etwas unterhalb der Kragträger. Zum Schluss wird der Mast unterhalb der "Schulter", so benennt man die Kragträger, mit Anschlagseilen am Kranhaken befestigt. Nun wird die Last auf Kommando an der Mastspitze auf Zug gebracht. Danach verlassen die Arbeiter den Mast. Das "Bodenpersonal" übernimmt das Abtrennen der Winkeleisen an den Fußpunkten mittels Trennschneidegeräten.

Überlastsicherung des Krans ertönt

Zeitgleich zieht der Kranfahrer seinen Kran weiter an und man hört zeitweise die Überlastsicherung des Krans ertönen. Die Konzentration steigt, ist doch der Behelfsstandort noch weit vom Kran entfernt. Kurzes Innehalten, doch der Kranfahrer zeigt "Daumen hoch" und unter Dauerton der Überlastsicherung bugsieren die vier Männer die Fußpunkte auf druckverteilende Stahlplatten, die auf den Holzblockbohlen liegen.

Nun werden die vier Abspannseile an den Seilen von den vergrabenen "toten Männern" befestigt und wieder mit dem "Lugerl", der österreichische Ausdruck für Handseilzug oder Ratschenzug, gespannt und mit mehreren Seilklemmen fixiert.

Manuel beim Spannen mit dem Handseilzug: Unten links sieht man die Seilaugen vom eingegrabenen 'toten Mann' kommend.
Foto: Johannes Ritter | Manuel beim Spannen mit dem Handseilzug: Unten links sieht man die Seilaugen vom eingegrabenen "toten Mann" kommend.

Mittlerweile sind drei Stunden vergangen und die Waldzeller Kirchenuhr läutet 11 Uhr, doch zwei Arbeiter gehen sofort wieder rauf, um die vier Rollen auszubauen, die Seilpaare fest an die Isolatoren zu befestigen und das Haltegeschirr des Kranes vom Mast zu entfernen. Die andere Seite, die im Moment stromführend ist, kann heute nicht mehr erledigt werden.

Am Vortag hatte das Team den Mast 1919 in gleicher Weise versetzt. Heute geht es weiter in Richtung Rohrbach, wo weitere Masten anstehen. Ein weiteres technisches Highlight steht mit Mast 1922 an,der in der Nähe der ehemaligen Waldzeller Kläranlage steht. Dieser ist nämlich ein Eckmast, das heißt die Stromleitung macht hier einen Knick – dazu sollen zwei Behelfmasten errichtet werden. Nach Beendigung der Mastenerneuerung sollen zum Abschluss noch komplett neue Leiterseile aus Aluminiumdraht auf der ganzen Strecke eingezogen werden. Dies ergibt eine gesamte Seillänge von fast 1000 Kilometern.

Einer der Arbeiter beim Durchtrennen der Winkeleisenstützen.
Foto: Johannes Ritter | Einer der Arbeiter beim Durchtrennen der Winkeleisenstützen.
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