Karlburg

Bistum Würzburg schließt sein Museum in Karlburg

Bei der Eröffnung 2017 wurde das Museum in Karlburg hoch gelobt. Jetzt zieht sich das Bistum als Träger zurück. Was wird aus den anderen Diözesan-Museen in Unterfranken?
Zwei im Boden eingelassene Gräber aus der Merowingerzeit mit Nachbildungen von einem Mann und einer Frau mit reichhaltigen Grabbeigaben waren die Hauptattraktion des Diözesanmuseums Karlburg. Das Bistum schließt nun das Museum.
Foto: Günter Roth | Zwei im Boden eingelassene Gräber aus der Merowingerzeit mit Nachbildungen von einem Mann und einer Frau mit reichhaltigen Grabbeigaben waren die Hauptattraktion des Diözesanmuseums Karlburg.

Jetzt ist bestätigt, was schon lange vermutet wurde: Das Bistum schließt in Karlburg (Lkr. Main-Spessart) das Diözesanmuseum, das die Entwicklung und Bedeutung des Christentums im frühen Mittelalter dokumentiert. Die Pressemitteilung, in der die Diözese am Montag darüber informiert, beendet ein langes Rätselraten, denn in den vergangenen Monaten hatte sich das Bistum vor einer klaren Aussage gedrückt. Auf mehrere Anfragen der Redaktion war ausweichend geantwortet worden: Noch nichts sei entschieden, weitere Erklärungen könnten nicht gegeben werden. 

Als Grund für die Schließung nennt die Diözese nun Wasserschäden und geringes Besucherinteresse. Das Kunstreferat sehe keine finanziellen und personellen Ressourcen, das Museum zu einem lebendigen Ort zu machen, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Zudem besitze Karlburg keine touristische Infrastruktur, Besuchermagnet sei die Stadt Karlstadt auf der anderen Mainseite. Das Museum habe im Eröffnungsjahr 2017 nur 359 zahlende Besucher gehabt.

"Mit der Schließung macht die Diözese auch den Weg frei, die Geschichte Karlburgs im Stadtmuseum in Karlstadt, das derzeit entsteht, angemessen zu präsentieren“, wird Jürgen Emmert, kommissarischer Leiter des Kunstreferats der Diözese Würzburg, in der Pressemitteilung zitiert. Durch Wasserschäden in der Kirche habe sich die Diözese im Sommer 2018 veranlasst gesehen, die Exponate vor der Feuchtigkeit zu schützen und sie wieder sicher in Würzburg zu lagern.

Angebot des Historischen Vereins abgelehnt

Auch der Versuch der Rettung des Kirchenmuseums durch den Historischen Verein Karlstadt wird von der Diözese abgelehnt. Der Vorsitzende Wolfgang Merklein hatte das Angebot gemacht, den Betrieb des Museums zu übernehmen. "Bereits vier Museumsführer sind vom Historischen Verein ausgebildet", berichtet Merklein auf Anfrage. Träger des Museums sollte die Kirchenverwaltung in Karlburg sein,  das Museum sollte nach Voranmeldung für Gruppen geöffnet werden.

Doch „manche Frage blieb bei diesem erfreulichen Angebot offen, weshalb die Diözese sich für eine Schließung der Einrichtung entschieden hat“, so Emmert laut Pressemitteilung. Die zuständige Kirchenstiftung Karlburg wolle einen der Räume nutzen, im anderen soll eine Dokumentation zur frühen Geschichte Karlburgs dauerhaft frei zugänglich sein.

Erst im März 2017 hatte das Museum über die Bedeutung des Christentums in der Neuzeit seine Türen geöffnet. Die Hauptattraktion waren zwei in den Boden eingelassene Gräber aus der Merowingerzeit mit Nachbildungen von einem Mann und einer Frau mit reichhaltigen Grabbeigaben. Diese waren von oben durch eine Glasscheibe sichtbar. Den beiden Personen hatten die Ausstellungsmacher sowohl christliche als auch heidnische Grabbeigaben mitgegeben. Die Konzeption stammt noch vom damaligen Domkapitular Jürgen Lenssen.

Was bedeutet dies für die anderen Museumsstandorte?

Das Museum Karlburg ist wie das Museum Kartause Astheim und das Kartäusermuseum Tückelhausen neben dem Würzburger Domschatz und dem Museum am Dom eines von insgesamt fünf Museen in Trägerschaft der Diözese Würzburg. Was der Rückzug aus dem Museum Karlburg für die Standorte in Astheim und Tückelhausen bedeute, ob sich die Diözese auch anderswo in Unterfranken aus finanziellen Gründen zurückzieht - darüber gab es auf Nachfrage vom Bistum keine Antwort. 

Weitere Museen wie zum Beispiel in Gerolzhofen, Haßfurt, Miltenberg oder Oberschwappach sind zwar vom Bistum ausgestattet, aber in kommunaler Trägerschaft. 

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