Laudenbach

Burg Laudenbach: Einst stolze und wehrhafte Anlage

Aus der Geschichte Main-Spessarts (20): Autor Georg Schirmer hat schriftliche Dokumente gefunden. Aufgrund seiner Recherche müssen einige Ansichten über die Burg Laudenbach gründlich revidiert werden.
Eine starke Ringmauer befestigt die innere Burganlage der Ruine in Laudenbach.
Foto: Georg Schirmer | Eine starke Ringmauer befestigt die innere Burganlage der Ruine in Laudenbach.

Sie gehört nicht zu den größten Burgen im Landkreis Main-Spessart, sicher auch nicht zu den bedeutendsten. Und doch wird sowohl die Größe als auch die Bedeutung der Laudenbacher Burg meistens unterschätzt. Überhaupt ist erstaunlich wenig bekannt über die einst stolze und wehrhafte Anlage, von der heute nur noch zwei Türme und Reste einer Ringmauer wahrgenommen werden.

Von der Burg Laudenbach kennt man weder die genaue Entstehungszeit noch die Herren, die den Bau in Auftrag gaben. Es wird angenommen, sie sei im Jahr 1150 von den Grafen von Hohenlohe erbaut worden. Weder für diese, noch für andere Annahmen gibt es gesicherte Erkenntnisse. Wahrscheinlich ist, dass sie im Hochmittelalter, vermutlich zwischen dem 12. und dem 13. Jahrhundert an die Stelle einer früheren Wehranlage gebaut wurde.

Anders als viele Befestigungen der Region war die Laudenbacher Burg in ihrer Anfangszeit häufigen Herrschafts- und Besitzwechseln ausgesetzt. Sie ist damit ein lebhaftes Beispiel für den wachsenden Einfluss kleinerer Grafenhäuser und die wechselnden Macht- und Einflussbereiche der verschiedenen fränkischen Adelsgeschlechter. In kaum einem anderen Gebiet konnten sich neben den vier geistlichen Territorien Mainz, Fulda, Bamberg und Würzburg auf engstem Raum so viele kleine Ritter-, Adels- und Grafenhäuser entwickeln wie in Franken. Im 14. Jahrhundert setzten sich in Laudenbach die Wertheimer Grafen durch, die Burg repräsentierte den nördlichsten Einflussbereich ihres Territoriums.

Der Platz hervorragend gewählt

Der Platz ist zum Bau einer Burg hervorragend gewählt: Sie steht auf einem weit in das Maintal und in das Tal des Laudenbachs hineinragenden Sporn des Laudenbacher Schlossberges. Durch ihre hohe Lage und die natürlichen Steilabfälle zum Main und zum Tal des Laudenbachs hin war sie für die Angriffstechnik der damaligen Zeit kaum überwindbar. Die einzige verwundbare Stelle bildete der Bergrücken.

Es wurden Überreste vom dritten Turm in der Burgruine Laudenbach gefunden.
Foto: Armin Marschall | Es wurden Überreste vom dritten Turm in der Burgruine Laudenbach gefunden.

Von dort, wo heute der jüdische Friedhof und das Schützenhaus liegen, hätte man einen leichten Zugang gehabt. Zur Abwehr dieser möglichen Gefahr platzierten die mittelalterlichen Baumeister auf einem deutlich höheren, künstlich angelegten Plateau den obersten Turm, der im Volksmund nur der „Dicke Ture“ genannt wird. Kurioserweise ist in schriftlichen Dokumenten bereits vor 500 Jahren vom „thurre“ die Rede, offenbar hat sich der Name bis heute gehalten. Der Dicke Ture bildete ein „Annäherungshindernis“, einen oberen Vorposten durch den etwaige Angreifer vom Bergrücken her wirksam aufgehalten werden konnten. Der Turm war mit der übrigen Burganlage nicht verbunden.

Die Burg Laudenbach wurde als starke mittelalterliche Festung mit drei quadratischen Türmen errichtet und in späteren Jahrhunderten zur Anpassung an die sich wandelnde Kriegstechnik mehrfach ausgebaut. Die Mauern der drei Türme sind jeweils zweieinhalb Meter dick, sie waren nicht zum Wohnen, sondern ausschließlich zur Repräsentation und Verteidigung gedacht.

Keine Belege für einen Angriff auf die Burg

Ihre Verteidigungsbereitschaft musste die Burg niemals unter Beweis stellen. Die jeweiligen Lehennehmer hatten zwar eine Burgmannschaft zu rekrutieren und die Laudenbacher Bevölkerung war für die Bereitstellung von Wachen in einem möglichen Fehdefall verantwortlich. Für einen tatsächlichen Angriff auf die Burg gibt es keine schriftlichen Belege. Nicht Ritter und Waffen prägten das Bild, dafür umso mehr Pferde, Kühe, Schweine, gackernde Hühner, Knechte, Mägde und Bauern, die ihren Zehnt ablieferten. Der Burgalltag ähnelte durch die Jahrhunderte mehr einem großen befestigten Bauernhof.

Laudenbach war Amtssitz. Zum Einflussbereich des Ortes gehörten ausgedehnte Güter in Duttenbrunn, Billingshausen, Rohrbach, Wernfeld, Steinfeld, Wiesenfeld, Halsbach, Harrbach und Karlstadt. Der Wertheimer Amtmann saß mit seiner Familie im Hauptgebäude der Burg und hatte die Aufgabe, die Besitzungen seiner Herrschaft in der Region zu verwalten. Er musste Korrespondenz mit den Wertheimer Grafen halten, Streitfälle schlichten, die Zehnten, Steuern und Abgaben einziehen und eine jährliche Rechnung abliefern.

Urkatasterkarte 1839 mit den zwei Bachverläufen, dem Bergsporn und den beiden umlaufenden Ringmauern der Burg Laudenbach. Dunkelrot eingezeichnet sind die Kernburg und die drei Türme, die blaue Linie zeichnet den vermuteten Verlauf der äußeren Ringmauer nach. Die Karte ist aus dem  BayernAtlas und wurde von Georg Schirmer bearbeitet.
Foto: Georg Schirmer | Urkatasterkarte 1839 mit den zwei Bachverläufen, dem Bergsporn und den beiden umlaufenden Ringmauern der Burg Laudenbach.

Sieht man einmal von dem außerhalb des Burgareals gelegenen Dicken Ture ab, nimmt man von der einstigen Burg heute nur noch den mit einer Ringmauer umschlossenen trapezförmigen inneren Bereich wahr. Die gesamte Burganlage war jedoch sehr viel größer: schriftlich belegt ist eine an den Füßen der inneren Ringmauer gelegene befestigte Vorburg mit zwei Wohnhäusern, Stallungen, Scheunen, einem Kelterhaus und Nebengebäuden.

Die Burg hatte zwei Tore

Schriftliche belegt sind auch zwei Tore, ein „äußeres“ und ein „inneres Tor“. Durch das äußere Tor gelangte man in die Vorburg, durch das innere in den besonders befestigten Bereich der Kernburg. Die gesamte Anlage wurde auf vier unterschiedlichen und mit hohen Ringmauern gesicherten Felsplateaus angelegt. Auf dem höchsten Plateau steht der Dicke Ture.

Die Burg wurde auf vier verschiedenen, künstlich angelegten Terrassen gebaut. 
Foto: Georg Schirmer | Die Burg wurde auf vier verschiedenen, künstlich angelegten Terrassen gebaut. 

Auf einem deutlich tiefer liegenden Plateau befindet sich die heute noch in ihren Ausmaßen gut erkennbare trapezförmige Kernburg mit dem östlichen Turm und einer umlaufenden inneren Ringmauer. In der Mitte dieses Burgbereichs befand sich ursprünglich ein weiterer Turm, dessen Fundament im vergangenen Jahr ergraben wurde.

Grabungen im November 2019 zeigten die Fundamente des mittleren Turms.
Foto: Georg Schirmer | Grabungen im November 2019 zeigten die Fundamente des mittleren Turms.

Nach Süden und Osten wird die Kernburg auf einem dritten Höhenniveau durch die Vorburg umschlossen. Sie umfasst das Gebiet entlang der Ägidiusstraße zwischen der heutigen alten Schule im Westen bis hin zur Kirche im Osten. Dieser Bereich war durch eine mächtige, acht bis zehn Meter hohe äußere Ringmauer geschützt, die man noch gut erkennen kann. Die Kirche liegt auf dem tiefsten Niveau, aber immer noch deutlich über den Dächern der darunter liegenden Wohnhäuser. Der genaue Verlauf der äußeren Ringmauer, der Standort der beiden Tore und die Bebauung des gesamten Geländes können nur vermutet werden. Um Näheres zu erfahren, müssten archäologische Untersuchungen durchgeführt werden.

In allen Beschreibungen über die Burg Laudenbach ist zu lesen, dass die Anlage im Bauernkrieg im Jahr 1525 zusammen mit der Karlsburg niedergebrannt worden sein soll. Für die Karlsburg kann diese Annahme als gesichert gelten, für Laudenbach jedoch gibt es nicht wenige Hinweise auf das Gegenteil. Wir müssen heute davon ausgehen, dass zwar etliche Laudenbacher Bauern und Bürger mit dem mächtigen Aufstand sympathisierten und sich den Bauernhaufen anschlossen. Die Burg aber ließen sie völlig unangetastet.

Keine Hinweise auf Zerstörung im Bauernkrieg

In den nachfolgenden Jahrzehnten wurde sie weiterhin von den Wertheimer Amtleuten als Verwaltungssitz genutzt. Auch die Laudenbacher Amtsrechnungen in den Jahren nach dem Aufstand liefern keinerlei Hinweise auf Arbeiten, die auf einen eventuellen Wiederaufbau nach einer Zerstörung hinweisen würden. Demgegenüber finden sich zahllose Rechnungen über kleinere Reparaturen zur Instandhaltung, wie etwa die Erneuerung von Türschlössern, den Einbau von Kachelöfen, die Reparatur von vom Wind eingeworfenen Fenstern oder die Ausbesserung schadhafter Dachziegel.

In einem Dekret aus dem Jahr 1526 schreibt Graf Michael, dass er die Laudenbacher wegen ihrer Beteiligung am Bauernkrieg hart bestrafen wolle. Der Zugang zu den Allmenden soll ihnen verboten werden. Damit wären Wald, Weide und Wasser für die Bevölkerung nicht mehr nutzbar gewesen. Graf Michael habe sich, so schreibt er weiter, durch den jungen Graf Georg jedoch umstimmen lassen. Schließlich hätten sich nicht alle am Aufstand beteiligt. So wurde die Bestrafung auf eine jährliche Geldzahlung von 45 Gulden reduziert.

Zum Vergleich: In Karlstadt wurden wegen der Zerstörung der Karlsburg neun Menschen hingerichtet. Von einer Zerstörung der Burg Laudenbach ist nichts bekannt. Die Annahme, dass der Bau des Renaissanceschlosses in Laudenbach als angebliche Sühneleistung der Bauern für ihre Beteiligung am Aufstand errichtet worden sein soll, kann als Legende eingeordnet werden. Das Schloss wurde von Etel Voit von Rieneck erst 30 Jahre nach dem Bauernkrieg in Auftrag gegeben und hat mit dem Bauernkrieg nichts zu tun.

Zerstört wurde die Laudenbacher Burg nicht durch Feuer, sondern durch ihre Bedeutungslosigkeit. Im Jahr 1612 wurde Laudenbach gewaltsam durch Julius Echter dem Würzburger Hochstift einverleibt. Die Burg war fortan als Amtssitz überflüssig, Steuern und Abgaben aus dem früheren Laudenbacher Amt wurden nun durch die Verwaltung in Karlstadt eingezogen. In den folgenden zwei Jahrhunderten wurden die Mauern der Burg Stück für Stück abgetragen und für andere Zwecke verwendet.

Die beiden Turmstümpfe der romanischen Burgruine und der Echter-Turm der Kirche St. Ägidius überragen den Stadtteil Laudenbach.
Foto: Amkreutz-Götz | Die beiden Turmstümpfe der romanischen Burgruine und der Echter-Turm der Kirche St. Ägidius überragen den Stadtteil Laudenbach.

Zum Autor: Georg Schirmer, Diplom-Psychologe und Vorsitzender des Förderkreises ehemalige Synagoge Laudenbach e.V., forscht seit vier Jahren in den Staatsarchiven Würzburg und Wertheim über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Laudenbach. So kam er auch mit der wechselvollen Dorfgeschichte in Berührung. Vor allem die bisher weitgehend unbekannte Historie der Burg spornte ihn zu intensiveren Nachforschungen an.

Literatur: Die entsprechenden Quellenangaben aus den Staatsarchiven Wertheim und Würzburg sind beim Autor Georg Schirmer erhältlich.

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