Karlstadt

Corona: Was jetzt für die Vereine in Main-Spessart wichtig ist

Die anstehenden Neuwahlen im Verein werden abgesagt. Bleibt dann der Vorstand im Amt? Antworten auf solche Fragen gab es im Webinar "Vereinsleben in Corona-Zeiten".
In Corona-Zeiten ruht das Vereinsleben. Wie kommen die Vereine durch diese Krise? Antworten darauf gab ein Webinar, das von der Freiwilligen-Agentur des Landkreises veranstaltet wurde.
Foto: HMB Media/Julien Becker | In Corona-Zeiten ruht das Vereinsleben. Wie kommen die Vereine durch diese Krise? Antworten darauf gab ein Webinar, das von der Freiwilligen-Agentur des Landkreises veranstaltet wurde.

Mit dem Angebot traf Susanne Reuber von der Freiwilligen-Agentur  offensichtlich einen Nerv. 133 Interessierte aus dem ganzen Landkreis nahmen am Webinar "Vereinsleben in Coronazeiten" teil, das online am Mittwochabend angeboten wurde. Markus Laymann, Rechtsanwalt in München mit dem Spezialgebiet Beratung der Vereine, referierte eineinhalb Stunden lang über die besonderen Herausforderungen, vor die die Corona-Krise die Vereine stellt.  

Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass viele turnusmäßigen Mitgliederversammlungen nicht im gewohnten Rahmen abgehalten werden können. In vielen Vereinen müsste ein neuer Vorstand gewählt werden. Hier gilt die Regel: Es laufen keine Mandate aus, der Vorstand bleibt im Amt, sagt Laymann. Auch die Entlastung des Vorstands kann nachgeholt werden.

Sollten dennoch Wahlen gewünscht oder nötig sein, könnten diese online wie bei großen Aktiengesellschaften organisiert werden. Da müsse jeder Verein die für sich passende Lösung finden. Laymann empfiehlt, sollte sich ein Verein für eine digitale Mitgliederversammlung entscheiden, diese gut vorzubereiten. Sichergestellt muss sein, dass jedes Mitglied die Möglichkeit hat, teilzunehmen. Kompliziert wird es bei Abstimmungen. "Den Zettel in den Hut geht digital nicht", sagt Laymann.

Abstimmung per Hand auch digital erlaubt

Die einfachste Form ist das Abstimmen per Hand. "Wenn dies im Verein immer so gehandhabt worden ist, ist das auch digital möglich", erklärt Laymann. Ab einer gewissen Größe geht dies nicht mehr. Sollte eine geheime Abstimmung nötig sein, gibt es viele Apps und Zusatzprogramme, die eine solche ermöglichen. Wichtig sei, dass diese zuvor getestet worden sind, so dass sie auch funktionieren.

Wenn sich die Neuwahlen verschieben lassen, sollte man das am besten tun, meint Laymann. Er empfiehlt, dass der Verein in diesen Corona-Zeiten schon einmal zu einer digitalen Mitgliederversammlung einlädt. Dort könnte der Vorstand den Rechenschaftsbericht liefern, die Wahlen würden dann später stattfinden. Das habe auch den Vorteil, dass die Mitglieder sich an das Online-Format gewöhnen.

Sollte der Verein sich entschließen, keine Mitgliederversammlung abhalten zu wollen, dann empfiehlt Laymann der amtierenden Vereinsspitze eine Zurückhaltung bei Beschlüssen mit finanziellen Auswirkungen. Man sollte diese Zeit dann als "eine Art Notbetrieb" verstehen.

Laymann gab auch einen Überblick über die Möglichkeiten von finanziellen Hilfen für die Vereine. Bei den sogenannten November/Dezember-Hilfen ist Eile angesagt, denn diese müssen bis spätestens 30. April beantragt sein. Im Januar wurden diese abgelöst durch Überbrückungshilfen. Die Betriebskosten und Fixkosten der Vereine werden bezuschusst. Zudem gibt es Sonderprogramme des Bundes und des Landes und Kurzarbeitergeld für Hauptamtlich-Beschäftigte. Wenn es zu kompliziert wird, empfiehlt Laymann die Einschaltung eines Steuerberaters.

Mitgliedsbeiträge müssen nicht zurückbezahlt werden

Mitgliedsbeiträge, die der Verein schon erhalten hat, müssen nicht zurückbezahlt werden, sagt Laymann. Die Ausnahme sind hier leistungsabhängige Beiträge, wenn diese Leistung nicht erbracht werden konnte. Sollte der Verein sich entscheiden, die Beiträge zu mindern oder zu erlassen, sei dafür ein Beschluss der Mitgliederversammlung notwendig.

Die Teilnehmer des Webinars konnten Fragen schriftlich im Chat stellen. Diese Möglichkeit wurde eifrig genutzt. Dürfen Übungsleiter, die aufgrund Corona ihrer Tätigkeit nicht nachkommen, weiter bezahlt werden? Dies bejahte Laymann.

Ist die Pflege der Vereinsanlagen möglich? Im Alleinbetrieb beispielsweise bei einem Anglersee sei dies kein Problem, als Massenveranstaltung sei dies aber derzeit verboten. Es komme aber auf die Vereinsanlagen an, inwieweit die Hygieneregeln eingehalten werden können.

Verein muss auf Einhaltung der Regeln achten

Was ist, wenn sich Mitglieder auf dem Vereinsgelände nicht an die Corona-Regeln halten? Hier habe der Verein das Hausrecht, sagt Laymann und sei daher auch verantwortlich, dass die Regeln eingehalten werden. Daher sollte man sie vom Vereinsgelände verweisen.

Mit einem Zitat von Karl Valentin, das auf die derzeitige Krise passt, beendete Laymann den interessanten Vortrag: "Über kurz oder lang kann es nimmer so weitergehen, außer es dauert noch länger, dann kann man sagen, es braucht halt alles seine Zeit, und Zeit wird's, dass es bald anders wird."

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