Hasloch

Das „Schätzelein“ läuft immer noch

Die Schmiede von außen: Bereits seit 1779 existiert hier der sogenannte Eisenhammer, der sich innen befindet.
Foto: Lena Müller | Die Schmiede von außen: Bereits seit 1779 existiert hier der sogenannte Eisenhammer, der sich innen befindet.

Es ist schwül und warm. In der Luft hängt der Geruch von Rauch und Metall. Eine Flamme lodert in der Düsternis immer wieder auf, Funken sprühen und in der Ferne rattern unaufhörlich Zahnräder. Plötzlich ergießt sich von oben eine Wasserfontäne und dann beginnt der Boden zu beben.

Der Hammer stammt aus dem Jahr 1779

In Hasloch kann das nur eines bedeuten: Otto Haamann steht wieder am Eisenhammer. Seit März ist der 51-jährige Metallbaumeister aus Freudenberg dort der neue Hammerschmied und hat damit die Nachfolge von Armin Hock angetreten. Seitdem kümmert er sich liebevoll um den 237 Jahre alten Hammer, der sich im Besitz des Konzerns Kurtz Ersa befindet, und den Haamann mittlerweile „Schätzelein“ getauft hat.

„Die Fußstapfen waren ganz schön groß“, bemerkt Haamann, denn Vorgänger Armin Hock war über 40 Jahre für den Eisenhammer zuständig, musste sein Handwerk aber aufgrund einer schweren Erkrankung aufgeben. „Wir vermissen ihn sehr“, sagt Viktoria Rawinski, Leiterin des Kurtz-Ersa Museums. Mit Otto Haamann habe der Konzern aber einen kompetenten Nachfolger gefunden: „Er geht mit Haut und Haaren in seiner neuen Aufgabe auf“, so Rawinski.

Otto Haamann hat sein Hobby zum Beruf gemacht

Zum Hammer kam der 51-Jährige durch Zufall. Ein Bekannter von Haamann ist gut mit der Familie Kurtz befreundet. Als es um die Nachfolge von Hock ging, habe der Bekannte die Familie auf Otto Haamann aufmerksam gemacht, und „dann hat sich das so entwickelt“, so der 51-Jährige, der kein gelernter Schmied ist.

Vielmehr hat er jetzt sein Hobby zum Beruf gemacht. In verschiedenen Lehrgängen hat sich Otto Haamann das Schmiedehandwerk selbst beigebracht und in seiner eigenen Werkstatt zunächst Schmuck und Messer aus Damaszenerstahl hergestellt.

„Der Hammer hat mich aber schon länger interessiert“, so der Metallbauer. „Ich war schon an vergleichbaren Elektro-Hämmern, aber der alte Hammer, das ist etwas ganz besonderes, da pumpt mein Herz schon etwas schneller.“

Traditionelle Handgriffe ganz ohne Strom

Noch selbst das Feuer schüren, die Wassersperre der Mühle herausnehmen oder den Hammer mit Rindertalg schmieren: Gerade die traditionellen Handgriffe ganz ohne Strom würden für Haamann den Reiz seines historischen Arbeitsgeräts ausmachen.

Dabei sind sich Haamann und auch der Kurtz Ersa Konzern der Besonderheit des Schmiedehammers aus dem Jahr 1779 bewusst, bei dem es sich um einen mittlerweile recht seltenen Aufwerfhammer handelt.

Das Wasser des Haselbachs, das laut Viktoria Rawinski schon vor Errichtung der Schmiede wohl Mitte des 18. Jahrhunderts künstlich umgeleitet wurde, treibt ein oberschlächtiges Wasserrad an. Hier fließt das Wasser von oben herab, das so das Rad zum Laufen bringt.

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350 Liter Wasser pro Sekunde seien laut Rawinski nötig, um den Hammer in Gang zu bekommen. Falls nötig, kann durch Stausperren auch Wasser aus dem nahegelegenen Kropfbach in die Schmiede geleitet werden.

Durch das Wasserrad wird dann ein Wellbaum aus massivem Eichenholz in Bewegung gebracht, der sich um die eigene Achse dreht. Am Ende des Wellbaums befindet sich ein Nockenrad mit fünf Nocken, die den Hammer durch die Drehung nun nach oben werfen, also aufwerfen.

Auf dem Weg nach oben trifft der Hammer dann auf den sogenannten Preller, einen elastischen Holzbalken, der den Hammerkopf dann mit sehr hoher Kraft wieder nach unten schlägt. Nur so ist es möglich, dass der Hammer zweimal in der Sekunde mit rund einer Tonne Gewicht auf den Amboss am Boden trifft und Otto Haamann so das glühende Metall auch in Form bringen kann.

Walter Kurtz: "Das ist gelebte Nachhaltigkeit"

Dabei hilft ihm oft auch Walter Kurtz aus der sechsten Generation des Unternehmens und mittlerweile in beratender Funktion tätig. Er sei sehr stolz darauf, dass Kurtz Ersa noch immer im Besitz des Eisenhammers ist: „Das ist gelebte Nachhaltigkeit.“ Durch eine Stiftung setzte sich der Konzern für die Erhaltung des Eisenhammers ein. So soll laut Kurtz in Zukunft auch ein zweiter Hammer, ein sogenannter Schwanzhammer, in der Schmiede wieder zum Laufen gebracht werden.

Das würde sicher auch Otto Haamann glücklich machen. Bis dahin möchte er auch Besuchern des Museums die Schmiedekunst näher bringen, indem er mit ihnen kleine Hufeisen oder Metallmäuse an seinem „Schätzelein“ schmiedet.

Metall hämmern am „Schätzelein“: Schmied Otto Haamann (vorne) und Walter Kurtz (hinten), noch beratend im Unternehmen tätig, halten den Eisenhammer am Laufen.
Foto: Lena Müller | Metall hämmern am „Schätzelein“: Schmied Otto Haamann (vorne) und Walter Kurtz (hinten), noch beratend im Unternehmen tätig, halten den Eisenhammer am Laufen.
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