Karlstadt

Demenzkranken im Haushalt helfen: "Das gibt mir auch viel"

Für das neue Caritas-Angebot im Raum Karlstadt werden noch Mitarbeiter gesucht. "Der Bedarf ist hoch", sagt Monika Müller, Leiterin der Fachstelle für pflegende Angehörige.
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Foto:  Ocskay Mark | Symbolbild

Seit 1. Juli leitet Monika Müller die Caritas-Fachstelle für pflegende Angehörige in Karlstadt. Eines der ersten Projekte der Sozialpädagogin ist, die "haushaltnahe Dienstleistung für Menschen mit Pflegebedarf" umzusetzen. Ihre Vorgängerin Lena Sebold hatte das Projekt noch angestoßen; seit 1. September nun hat die Caritas einige Frauen angestellt, die selbstständig lebenden Menschen mit Demenz im Haushalt helfen.

"Zurzeit haben wir sechs Haushalte im Raum Karlstadt, die diese Hilfe beantragt haben", berichtet Müller. "Und wir haben zwei Frauen auf 450-Euro-Basis angestellt, die diese Arbeit leisten. Ein oder zwei weitere kommen in Kürze hinzu." Sie rechnet damit, dass es insgesamt wohl rund 40 Haushalte in der Umgebung gibt, die für diese Hilfe infrage kommen. Und dass sie diese Nachfrage mit acht bis zehn Mitarbeiterinnen abdecken könne. "Das läuft jetzt alles erst an."

Die Helferinnen werden ausgebildet

Voraussetzung dafür, Hilfe im Haushalt zu erhalten, ist eine anerkannte Pflegebedürftigkeit der betroffenen Person. "Sehr häufig geht es um Demenz, manchmal auch um körperliche Einschränkungen", so Müller. Die Dienstleistung werde in der Regel von der Pflegekasse über den sogenannten Entlastungsbetrag bezahlt. Helfen könne im Grunde jeder, "der bereit ist, sich zu engagieren, und imstande ist, mit Menschen umzugehen, die vielleicht Gedächtnis- oder Kommunikationsprobleme haben". Interessierte werden auf die Arbeit vorbereitet, indem sie an der Schulung für "Alltagspartner" teilnehmen.  

Monika Müller, Leiterin der Caritas-Fachstelle für pflegende Angehörige in Karlstadt.
Foto: Markus Rill | Monika Müller, Leiterin der Caritas-Fachstelle für pflegende Angehörige in Karlstadt.

"Alltagspartner gehen mit den Menschen spazieren, reden mit ihnen, spielen mit ihnen – eine rein ehrenamtliche Aufgabe, für die die Caritas aber eine Aufwandsentschädigung zahlt", erklärt Monika Müller. Davon gibt es zurzeit zwölf im Raum Karlstadt, allesamt Frauen. Zur Ausbildung gehört die richtige Betreuung Pflegebedürftiger, richtige Kommunikation und Unterstützung bei der Haushaltsführung. "Manche Leute denken beispielsweise, es sei hilfreich, Demente abzufragen. Aber das setzt sie unter Stress." Das müssen auch die "haushaltnahen Dienstleister" wissen.  Die Ausbildung von rund 40 Stunden wird innerhalb von sechs Wochen in wöchentlichen Treffen absolviert. 

Gespräche, Putzen, Einbeziehen

Eine Karlstadterin im Rentenalter, die lieber anonym bleiben will, ist eine der ersten, die von der Caritas für die neue Aufgabe angestellt wurden. "Das Leben ist ein Geben und Nehmen – und es gibt mir sehr viel, helfen zu können", sagt sie. Sie hat in ihrer  Jugend eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin gemacht, später die Großeltern und Eltern gepflegt. Nach der Ausbildung zur Alltagspartnerin sagte sie: "Nur Spazierengehen und Spielen ist nichts für mich. Ich möcht' schon gern anpacken." Trotzdem betont sie: "Ich sehe mich nicht als Putzfrau."  

Sie hilft beispielsweise einem Ehepaar von 83 und 88 Jahren und sagt: "Wir kommen sehr gut miteinander aus. Auch die Gespräche sind für uns wichtig." Aber eben auch die Hilfe im Haushalt, die aus Fenster putzen, Wäsche waschen, sauber machen bestehen kann oder aus Essenszubereitung oder Einkaufen. Die Tochter des Ehepaars steht im Berufsleben und hat für ihre Eltern diese Hilfestellung beantragt.  

Monika Müller sagt: "Bei der Haushaltshilfe geht's nicht um pflegerische Leistungen. Aber es geht auch nicht nur ums Putzen." Die Menschen zu aktivieren und mit einzubeziehen, sei wichtig. "Manche Arbeiten können die Hilfsempfänger rein körperlich durchaus noch verrichten. Aber wegen der Demenz haben sie Probleme mit den Abläufen." Angemessene Anleitung und Einbeziehung seien wertvoll. Noch eines betont Müller: "Es ist nicht das Ziel, den Leuten den kompletten Haushalt zu schmeißen. Wenn die Menschen nicht mehr allein leben können, muss man eine andere Lösung finden."

Die helfende Karlstadterin glaubt, sie könne dem von ihr besuchten Ehepaar mit ihrer Unterstützung noch einige Jahre in der eigenen Wohnung ermöglichen. "Wo ein Wille ist, ist auch Weg. Das ist eine schöne Aufgabe."

Informationen zu Entlastungsangeboten für pflegende Angehörige sowie für die Aufgaben als Alltagspartner oder haushaltnaher Dienstleister erteilt Monika Müller unter (09352) 843-118 oder mmueller@caritas-msp.de

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