KARLSTADT

Der womöglich teuerste Baum Europas

Die Riegelmaserung: Rechts oben das fertig gemesserte Furnier eines Riegelahorns. Unten ein Stück des teures Stamms aus Frankreich, bei dem man an der von der Rinde befreiten Stelle die Riegel erkennen kann.
Foto: Haase | Die Riegelmaserung: Rechts oben das fertig gemesserte Furnier eines Riegelahorns. Unten ein Stück des teures Stamms aus Frankreich, bei dem man an der von der Rinde befreiten Stelle die Riegel erkennen kann.

Das Furnierwerk Fritz Kohl hat einen sagenhaften Baumstamm erworben – zu einem „astronomischen Preis“, wie die französische Presse schreibt: 61 537 Euro hat das Karlstadter Unternehmen für den Riegelahorn aus dem Wald bei Ageville in Nordostfrankreich gezahlt.

Das ist wahrscheinlich der höchste Preis, der je in Europa für einen Baumstamm erzielt wurde. Der schätzungsweise 135 Jahre alte Ahornstamm hat eine Länge von 8,50 Metern. Unten beträgt der Durchmesser etwa einen Meter, oben 75 Zentimeter. Daraus errechnen sich ein Volumen von 4,5 Kubikmetern und ein Kubikmeterpreis von 13 674 Euro.

Geschlagen wurde der Baum vor etwa zwei Wochen etwas südwestlich der Vogesen. Momentan liegt er repräsentativ auf dem Hof des Furnierwerks. Schon in zwei Wochen soll er zu Furnier gemessert werden. Etwa 3500 bis 4000 Quadratmeter werden dabei herauskommen.

Der Riegelahorn zeichnet sich durch den welligen Faserverlauf aus. In diesem Fall ist der Riegel kräftig, regelmäßig und bis zum Kern des Baumes erkennbar. Diese Riegeloptik kommt selten vor und sie ist es, die das Holz so wertvoll macht.

Bereits jetzt steht fest, dass mit dem Furnier die Kuppel einer Moschee in Katar ausgekleidet werden soll. Dennoch betonten Seniorchef Friedrich Kohl und Geschäftsführer Michael Kohl: „Ein solcher Kauf ist ein ungeheures Risiko.“ Niemand könne in den Stamm hineinschauen. Allerdings baut man auf die Erfahrung der eigenen Rundholzeinkäufer sowie des französischen Exploitanten Jean Platat. Er hat an mehreren Stellen testhalber die Rinde entfernt und so die Riegelung des Ahorns freigelegt.

Er war es auch, der den Stamm entdeckte. „Das spricht sich dann in Holzkreisen weltweit schnell herum“, wissen die Kohls. Bei der anschließenden Submission – jeder Bieter gibt seinen Preis verdeckt ab – waren zwölf Gebote eingegangen. Die zwei nächsten Gebote lagen bei 55 567 und 48 256 Euro.

Das Furnierwerk Kohl hat vier Holzeinkäufer, die in Europa tätig sind, sowie einen in Amerika. In Dubai befindet sich eine Niederlassung des Karlstadter Unternehmens. So kam es auch zu der Nachfrage nach dem Furnier für die Moscheekuppel.

Allerdings wird nicht der ganze Stamm gemessert. Die ersten 1,20 Meter von der Baumkrone abwärts sind für den Geigenbau reserviert, die traditionelle und bekannteste Verwendung des Riegelahorns.

Riegelahorn

Die sogenannte Riegel-Maserung im Ahornholz ist seltenes Ergebnis eines besonderen, welligen Faserverlaufes. Dieser führt zu streifenförmigen Hell-Dunkel-Effekten. Die Ursache wird von manchen in einer genetischen Anomalie gesehen. Teils werden auch außerordentliche Zug- und Druckbelastungen des Holzes als Ursache vermutet. Eine Riegelung kommt nur bei rund drei Prozent aller Bergahornbäume vor. Zu erkennen ist sie am stehenden, berindeten Baum nicht, sondern erst, wenn ein Stück der Rinde entfernt oder der Baum gefällt wurde.

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