Obersinn

Die Schöne und das Biest – Schachblume und Wasserkreuzkraut

Am Radweg im Sinngrund blühen wieder die Schachblumen – der Naturpark Spessart bittet die Besuchenden, die Wiesen zum Schutz der Pflanzen nicht zu betreten.
Foto: Jennifer Weidle/Naturpark Spessart | Am Radweg im Sinngrund blühen wieder die Schachblumen – der Naturpark Spessart bittet die Besuchenden, die Wiesen zum Schutz der Pflanzen nicht zu betreten.

"Jeden Tag bekomme ich Anrufe mit der Frage: Blühen sie schon?", sagt Lioba Zieres, Bürgermeisterin von Obersinn; die Anrufenden meinen die Schachblume im Sinngrund. Die Antwort ist: Ja, sie blühen aktuell. Jeden Tag kommen laut Presseschreiben des Naturparks Spessart Tagesreisende von weit her, um die ungewöhnlichen Blüten zu bewundern und fotografieren. Obersinn hat eigens dazu auf seiner Webseite einen Blütenstandsanzeiger eingerichtet (www.markt-obersinn.de).

Da im Sinngrund eines der größten Vorkommen der Schachblume in Europa ist, wurde das Gebiet 1999 als Flora und Fauna Habitat (FFH) ausgewiesen. Doch die Schachblume hat einen Feind: Das Wasserkreuzkraut, das auf dem gleichen Standort wächst. Beide Pflanzen mögen es mager und feucht. Der Bestand der Schachblume sei zwar stabil geblieben, das Wasserkreuzkraut jedoch vermehre sich in den vergangenen fünf Jahren massiv, sagt Projektleiter Julian Bruhn vom Naturpark Spessart. "Vermutlich liegt es am Klimawandel, aber genau wissen wir es noch nicht."

Wasserkreuzkraut für Tiere hoch giftig

"Das Wasserkreuzkraut ist für Weidetiere hoch giftig", erklärt Bruhn. Wenn Tiere die Fläche beweiden, fressen sie um die giftigen Pflanzen herum. Wird es jedoch gemäht und zusammen mit den Gräsern zu Silage oder Heu verarbeitet, wird es gefährlich; dann fressen die Tiere es mit. Um die giftige Pflanze zu bekämpfen, gibt es im Naturpark Spessart eine Strategie, die mit öffentlichen Fördermitteln der Regierung von Unterfranken unterstützt wird:

Rosette des für Weidetiere giftigen Wasserkreuzkrautes - Julian Bruhn erklärt, warum Landwirtschaft und Naturschutz im Sinngrund Hand in Hand gehen.
Foto: Jennifer Weidle/Naturpark Spessart | Rosette des für Weidetiere giftigen Wasserkreuzkrautes - Julian Bruhn erklärt, warum Landwirtschaft und Naturschutz im Sinngrund Hand in Hand gehen.

Die Ausbreitung der zweijährigen Pflanze wird je nach Bestandsdichte in feste Kategorien unterteilt. Wenige Pflanzen (bis zu zehn Stück pro zehn Quadratmeter) werden von Hand ausgestochen. Für Juli sind ein Einsatz mit dem Bergwaldprojekt und insgesamt fünf weitere Aktionstage mit ehrenamtlichen Helfern geplant. Große Bestände müssen vor der Samenreife gemäht werden – dann kommt das Mähgut nach Burgjoss in die Biogasanlage. Der Maschinenring Arnstein wird den Naturpark dabei wieder tatkräftig unterstützen. Wichtig sei auch die Unterstützung der Landwirte, die den sogenannten "Ersten Schnitt" unbedingt selber ernten müssen, da dieses Futter noch zu verwerten sei, wie es im Presseschreiben weiter heißt.

Naturpark testet mit Sondergenehmigung eine Düngung 

"Es gibt bisher noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen, wie man das Wasserkreuzkraut bekämpfen kann, ohne die Schachblumen mit zu verlieren", so Projektleiter Bruhn. Daher teste der Naturpark Spessart seit 2020 auf kleinen Flächen, wie sich eine Düngung mit Festmist auf die Bestände von Schachblume und giftigem Konkurrent auswirkt – mit Sondergenehmigung der Naturschutzbehörden, denn normalerweise darf im Naturschutzgebiet nicht gedüngt werden.

Dass im Sinngrund Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand gehen, schätzt die Bürgermeisterin. Und Bruhn bestätigt: "Ohne die Landwirtinnen und Landwirte und deren Bewirtschaftung würde das Naturschutzgebiet verarmen." Kurzfristig entstünde eine Brache mit nur noch wenigen Arten, langfristig würden die Flächen verbuschen. 

Ob die sehenswerte Blume übrigens Schachblume oder Schachbrettblume genannt wird, das unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Und die Bürgermeisterin kennt sogar noch einen Begriff: "Kibitzei".

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