Homburg

Ein Ausklang mit Tschingderassabum

Umbrüche in Klavierbau und –musik standen in Homburg im Zentrum eines Konzerts von Michael Günther.
Foto: Martin Harth | Umbrüche in Klavierbau und –musik standen in Homburg im Zentrum eines Konzerts von Michael Günther.

Obwohl Michael Günther am Sonntagnachmittag aus Anlass des Tags des offenen Denkmals immer wieder bei Führungen den Gästen seine bedeutende Sammlung historischer Instrumente in Schloss Homburg erläutert hatte, schien der Pianist auch noch am Abend in glänzender Spiellaune. Rund 20 Gäste waren nochmals seiner Einladung gefolgt, um bei einem erläuterten Konzert Umbrüche im Bau früherer Klaviere sowie in der Stilistik der Kompositionen und in der Spielkunst zu erkennen.

Dabei stand zunächst ein Cembalo im Blickpunkt, das Anfang des 18. Jahrhunderts in Neapel entstanden ist. Bei einem musikalischen Neujahrsgruß des blinden Renaissance-Meisters Conrad Paumann (1410 – 1473) wurden die Zuhörer noch an zarte Lautenklänge erinnert. Mit dem Sprung ins 17. Jahrhundert zum Werk des Organisten am römischen Petersdom, Girolamo Frescobaldi, der während des Dreißigjährigen Kriegs über Ländergrenzen hinweg in Europa stilbildend für die Barockepoche wurde, demonstrierte Günther klangfreudige Harmonien. Zum Instrument aus Neapel passten natürlich Kompositionen von Alessandro Scarlatti und dessen Sohn Domenico mit weit differenzierteren und bereits individuelleren Klangbildern des Spätbarocks. 

Mit dem Wechsel an ein Tafelklavier aus Thüringen wurde das Ende der Barock-Epoche und die Hinwendung von schwülstiger und oberflächlicher Opulenz zu mehr Innerlichkeit im Sinne des Zeitalters der Aufklärung deutlich. Auf dem Pantalon mit lange nachschwingenden Saiten und Hammermechanik aus der Mitte des 18. Jahrhunderts schuf Günther mit einer Sonate von Carl Philipp Emanuel Bach den Eindruck euphorischen Aufbruchs.

Nach der Pause zog man von den Ausstellungsräumen im zweiten Stock in den Stucksaal des Homburger Gebsattel-Schlosses um. Gästen aus Aschaffenburg zu Ehren begann Günther die nächste Folge an einem Stuttgarter Hammerflügel aus dem Jahr 1815 mit einem empfindsamen Klavierstück von Franz Xaver Sterkel, der als Mainzer Hofmusiker starke Bezüge zum späteren "bayerischen Nizza" hatte. Eine Hochphase erlebte das Klavierspiel im Zeitalter der Romantik und so traten anschließend die so ausdrucksvollen, variationsreichen und dynamisch wechselhaften Moments Musicaux von Franz Schubert in den Fokus. Günther interpretierte daraus Auszüge bis hin zu lebendigem Pathos und rundete die Vorstellung mit dem Allegretto "Klavierstück" aus dem letzen Lebensjahr des Österreichers ab.

Die Zugabe fiel recht volkstümlich aus. Der Hausherr wechselte ein letztes Mal das Instrument und spielte auf einem Bamberger Giraffenflügel aus dem Jahr 1825 einen Londoner Walzer des gebürtigen Lengfurters Peter Anton Kreusser (1765-1832). Der besondere Janitscharen-Zug des eindrucksvollen Klaviers prägte mit leichtem "Tschingderassabum" den populären Tanzrhythmus, der zum lockeren Ausklang des Konzertabends bei Gebäck und einem Schoppen aus dem Hausweinberg von Michael Günther einlud.

Umbrüche in Klavierbau und –musik standen in Homburg im Zentrum eines Konzerts von Michael Günther.
Foto: Martin Harth | Umbrüche in Klavierbau und –musik standen in Homburg im Zentrum eines Konzerts von Michael Günther.
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