Lohr

Ein Märchenschloss für alle Sinne

Wald und Jagd sind wichtige Themen des Spessartmuseums im Lohrer Schloss, das von Barbara Grimm geleitet wird. 
Foto: Philipp Heilgenthal | Wald und Jagd sind wichtige Themen des Spessartmuseums im Lohrer Schloss, das von Barbara Grimm geleitet wird. 

Ob das Lohrer Schloss nun Vorlage für das Märchen von Schneewittchen war oder nicht: Die Anlage mitten in der Stadt ist allemal märchenhaft und das darin beheimate Spessartmuseum bringt nicht nur Kinder zum Staunen, was es über den heimischen Wald zu entdecken gibt.

Das seit 1936 existierende Museum ist alles andere als verstaubt, wie die Leiterin Barbara Grimm bei einer Privatführung schnell beweisen kann. Mit 45 Audioguides und mehr als zehn Medienbildschirmen ist das Lohrer Spessartmuseum auf dem neusten Stand der Technik.

Zwar sind aufgrund der Corona-Lage diesen Sommer keine Führungen möglich, doch Grimm erklärt: "Das ist eigentlich gar nicht nötig, weil jede Besuchergruppe das Museum selbst erkunden kann." So erklären vor allem die Audioguides die einzelnen Stationen auf kurzweilige Art.

Generell ist das Museum so ausgelegt, dass jeder Besucher die Dinge frei ausprobieren kann, wie etwa Instrumente aus Spessartholz oder eine Murmelbahn zum Selbstbauen. Riech- und Taststationen sorgen dafür, dass man hier den Spessart auf über 2000 Quadratmetern mit allen Sinnen entdecken kann.

Für Besucher statt Grafen

Ist das Schloss heute für die breite Bevölkerung zugänglich, so war die Anlage im 15. und 16. Jahrhundert eine prächtige Residenz und Herrschaftsmittelpunkt der mächtigen Grafen von Rieneck. Konnten die Anfänge des Baus auf Mitte des 14. Jahrhunderts nachgewiesen werden, war die Schlossanlage beim Tod Philipp III., des letzten Grafen von Rieneck, sogar um ein Stockwerk und einen Gebäudetrakt größer als heute.

Die Mainzer Kurfürsten als neue Herren ließen in den folgenden Jahrzehnten ihren Zweitsitz immer wieder umbauen und gaben ihm seine heutige Gestalt. Im 19. Jahrhundert diente das Schloss als Amts- und Verwaltungssitz, ehe es seine heutige Funktion bekam. "Damit wurde das Lohrer Schloss seit über 600 Jahren ständig genutzt", weist Grimm auf die Besonderheit des Baudenkmals hin.

Ins 14. Jahrhundert reichen die Ursprunge der einstigen Residenz der Grafen von Rieneck zurück. 
Foto: Philipp Heilgenthal | Ins 14. Jahrhundert reichen die Ursprunge der einstigen Residenz der Grafen von Rieneck zurück. 

Die fünf Bereiche des Museums sind thematisch in verschiedene Arten der menschlichen Nutzung des Spessarts aufgeteilt. Während die Kinder auf der Werkbank spielen, Fotos von sich als Schneewittchen machen und alle möglichen Raritäten entdecken können, steht speziell für Erwachsene mit dem Märchenklangraum ein Entspannungsbereich der besonderen Art zur Verfügung.

Während man sich darin im Sessel zurücklehnen und Spessarteichenwälder betrachten kann, welche den gesamten Raum ausfüllen, läuft ein spezielles Schneewittchen-Hörspiel mit zahlreichen imitierten Waldgeräuschen, das Entspannung garantiert.

Natürlich kommen im Museum die legendären Sagen und Märchen über Spessarträuber und Zwerge nicht zu kurz. So ist etwa im Themenbereich Glas, der auf die jahrhundertealte Tradition der Glasmanufaktur in der Region aufmerksam macht, mit dem reich verzierten sogenannten "Schneewittchenspiegel" das Highlight des Museums zu finden.

Auf die Gretchenfrage, was nun an der Ursprungslegende von Schneewittchen im Lohrer Schloss wirklich dran ist, meint Barbara Grimm mit einem Augenzwinkern: "Das ist ein Scherz, der Flügel bekommen hat." Schließlich ist und bleibt Schneewittchen ein Märchen, weshalb es für dessen Ursprung kaum feste Beweise, aber auch kaum Gegenbeweise geben kann.

"Und die Schneewittchenstadt Lohr ist sozusagen ein Märchen im Märchen", ergänzt die Museumsleiterin. So ist es jedem selbst überlassen, daran zu glauben, ob sich Schneewittchen damals im Lohrer Schloss im Spiegel betrachtete.

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