Lohr

Eine sinnlose Tat mit langwierigen Folgen

Kurz nach der Zerstörung der Mainbrücke lassen sich die beiden US-Soldaten Jesse Fowler und David MacGillifray im Januar 1946 zur Erinnerung an Lohr mit Blick auf Sendelbach fotografieren.
Foto: Arbeitskreis Heimat und Geschichte | Kurz nach der Zerstörung der Mainbrücke lassen sich die beiden US-Soldaten Jesse Fowler und David MacGillifray im Januar 1946 zur Erinnerung an Lohr mit Blick auf Sendelbach fotografieren.

Als die Lohrer Bürger vor 75 Jahren die beiden Detonationen von der Mainbrücke hörten, war eingetreten, was viele schon länger befürchtet hatten. Am 27. März 1945 hatten Mitglieder des Volkssturms als "Verteidiger von Lohr" gegen Mittag die Mainbrücke gesprengt, um die sich nähernden alliierten Truppen am weiteren Vormarsch zu hindern. Bereits in den frühen Morgenstunden hatte die Task Force Baum als erste amerikanische Kampfgruppe den Weg über den Spessart bis nach Lohr und weiter Richtung Hammelburg genommen. Hilflose Versuche, diese mit Panzern ausgestattete Truppe aufzuhalten, waren gescheitert.

Die Sprengung hatte eine etwa 60 Meter breite Lücke in das Brückengewölbe gerissen. Eine vollkommen sinnlose Tat, die keinerlei Auswirkung auf das weitere Vorrücken der Alliierten haben würde, aber einschneidende Folgen für die Lohrer Bürger hatte. Es bedeutete für sie, dass sie ab jetzt nur mit eigenen Kähnen oder einer Personenfähre nach Sendelbach gelangen konnten, die zum ersten Mal schon einen Tag nach dem Ereignis fuhr. Bereits wenig später, im April 1945, hatten die US-Streitkräfte die sogenannte "Ami-Brücke" mainaufwärts Richtung Steinbach oberhalb des Sportplatzes errichtet, die allerdings für den Zivilverkehr nur in Ausnahmefällen offenstand.

Fotos von der Brückenruine und den entsetzten Lohrer Bürgern gibt es wohl kaum oder gar nicht, da Fotoapparate an die alliierten Truppen abgegeben werden mussten. Als der ehemalige US-Soldat Jesse Fowler 1998 Lohr besuchte, brachte er eine Aufnahme mit, die ihn zusammen mit David MacGillifray vor den zerstörten Brückenbögen zeigt. Ein wunderbares Geschenk für den Arbeitskreis "Heimat und Geschichte", der damals genau diesen historischen Zeitabschnitt für den Bereich Lohr erforschte.

Einen ganz anderen Blick auf die schwer beschädigte Mainbrücke zeigt ein Gemälde des Malers und Kunsterziehers Karl Vogelsang, der als Studienrat an dem zu diesem Zeitpunkt wegen der Kriegsfolgen geschlossenen Lohrer Gymnasium unterrichtete. Der Künstler hatte eigentlich seinen Schwerpunkt darauf gelegt, Landschaften zu malen, doch dieses Ereignis bewegte ihn zu einem Gemälde, in dem er zwischen den zusammengebrochenen Brückenbögen von Sendelbach auf die andere Mainseite schaut, und zwar noch, bevor ein hölzerner Behelfssteg gebaut worden war.

Das Bild hatte nach Kriegsende der Lohrer Gastwirt Anton Mayer von dem Künstler gekauft. Es hing bis zur Schließung des Bayrischen Hofes 1962 in einem der Gasträume, wie seine Enkelin Erika Mayer-Schwab von ihrer Mutter erfahren konnte, die das für die Lohrer Geschichte außergewöhnliche Kunstwerk noch heute bei sich zu Hause hängen hat.

Provisorium ab Mai 1946

Da die Lohrer dringend wieder eine Verbindung nach Sendelbach brauchten, wurden schon im Herbst 1945 die Arbeiten für den Wiederaufbau der Brücke beschlossen. Zuvor war sichergestellt worden, dass die Stadt nicht die Kosten übernehmen musste, sondern die Staatsbauverwaltung dafür einstehen würde. Als Übergangslösung wurde die Lücke zunächst mit einer provisorischen einspurigen Holzbrücke geschlossen, die bereits im Mai 1946 nach einem feierlichen Akt für den Verkehr freigegeben werden konnte. Schon zweieinhalb Jahre nach dem unsinnigen Akt der Zerstörung konnte die wieder hergestellte Mainbrücke wie gewohnt befahren werden.

Ein Gemälde des Malers und Kunsterziehers Karl Vogelsang zeigt die Mainbrücke 1945 unmittelbar nach ihrer Zerstörung von Sendelbach aus.
Foto: Repro Wolfgang Weismantel | Ein Gemälde des Malers und Kunsterziehers Karl Vogelsang zeigt die Mainbrücke 1945 unmittelbar nach ihrer Zerstörung von Sendelbach aus.
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