Lohr

Erneute Kritik an Schottergärten in Lohr

Einsame Pflanze in der Schotterwüste: Am Umgriff mancher Häuser der Lohrer Baugenossenschaft stört sich mancher im Stadtrat.
Foto: Johannes Ungemach | Einsame Pflanze in der Schotterwüste: Am Umgriff mancher Häuser der Lohrer Baugenossenschaft stört sich mancher im Stadtrat.

Bereits vor rund einem Jahr waren sie Thema im Stadtrat, die Schotterwüsten rund um manche Häuser der Lohrer Baugenossenschaft. Nun kochte die Diskussion um die wenig ansehnlich und als ökologische Sünde geltenden Flächen wieder hoch – mit erneut keinem konkreten Ergebnis.

In der jüngsten Sitzung des Stadtrates hatte Stadtkämmerer Uwe Arnold in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzenden seinen Jahresbericht zur Beteiligung der Stadt an der Baugenossenschaft abgegeben. Er war wie immer recht unspektakulär. In 62 Mietshäusern bietet die Baugenossenschaft in Lohr knapp 400 Wohnungen zu vergleichsweise günstigen Preisen. Alle sind belegt, es gibt eine lange Warteliste. Auch 2019 wurden einige Wohnungen modernisiert, die Geschäfte liegen normal.

Eine regere Diskussion kam erst auf, als Bärbel Imhof (Grüne) fragte, was denn nun aus den schon vor über einem Jahr kritisierten Schotterflächen werden solle. Damals hatte Bürgermeister Mario Paul (SPD/Grüne), der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Baugenossenschaft ist, auf die Kritik hin ein Pilotprojekt zur "Verbesserung der Artenvielfalt" angekündigt. In diesem Sinne würden der städtische Bauhof und die Baugenossenschaft zusammenwirken.

Doch konkret getan hat sich seither nichts. Imhof erinnerte daher nun an Pauls Aussage von damals. Der erklärte erneut, dass der Leiter des städtischen Bauhofs die Baugenossenschaft bei der Aufwertung der Flächen beraten solle. Die Flächen sähen "wahrlich nicht ökologisch aus", bekannte Paul. Er verwies aber auch auf eine "vielfältige Blühwiese" in einem Innenhof in der Weisenau. Bezüglich der Schotterflächen könne er jedoch zusagen, dass die Beratungsleistung durch den Bauhof erfolgen werde.

Für die Umsetzung sei Paul zufolge freilich die Baugenossenschaft zuständig. Deren Geschäftsstelle sei aber personell bewusst schlank gehalten, weswegen eine Umsetzung einige Zeit dauern könne. "Aber vielleicht ist es ja in drei Jahren anders", sagte Paul.

Damit gab sich Christine Kohnle-Weis (SPD) nicht zufrieden. "Da muss was passieren", sagte sie. Lohr wolle Modellstadt für Biodiversität sein. Die Schottergärten seien jedoch "eine Katastrophe für die Umwelt". Kohnle-Weis forderte eine konkrete Perspektive für den Rückbau.

Kämmerer Arnold indes verwies darauf, dass die Stadt über ihre Beteiligung im Vorstand zwar appellieren und argumentieren, aber nicht entscheiden könne. Sie habe zwar einen knapp 58-prozentigen Anteil an der Genossenschaft, bei der Mitgliederversammlung jedoch nur eine Stimme wie alle anderen Genossen. Die Baugenossenschaft habe angekündigt, die Sache mit den Schottergärten durch Begrünung "abzumildern". Die Schottergärten selbst würden jedoch nicht mehr zurückgebaut, berichtete Arnold.

Brigitte Riedmann (Freie Wähler) lenkte den Blick auf ein anderes Thema: Sie sprach von "Fehlbelegern" in den eigentlich eher für finanzschwächere Menschen gedachten Wohnungen. Es gebe Mieter, die "kein Sozialfall" seien und sich ohne Weiteres eine Wohnung auf dem "normalen Mietmarkt" leisten könnten. Ob bei der Vergabe der Wohnung auf den sozialen Aspekt geachtet werde, fragte Riedmann.

Kämmerer Arnold erklärte dazu, dass es eigentlich keine Fehlbeleger geben dürfte und ihm davon auch nichts bekannt sei. Auf der Warteliste seien auch die sozialen Verhältnisse der Bewerber erfasst. Der für die Vergabe der Wohnungen zuständige Wohnungsausschuss achte darauf, dass die Wohnungen adäquat vermarktet würden. Während Riedmann dazu den Kopf schüttelte, verwies Clemens Kracht (Grüne) darauf, dass es sich nicht um Sozialwohnungen handle, sondern um eine Baugenossenschaft. Wenn man Sozialwohnungen wolle, müsse die Stadt eine Stadtbaugesellschaft gründen. Bürgermeister Paul erklärte dazu, dass sich sozialer Wohnungsbau selbst bei den derzeit günstigen Zinssätzen und auch ohne größere Renditeabsichten wirtschaftlich nicht darstellen lasse.

Die Baugenossenschaft jedoch, das sagte Paul auf die Frage von Matthias Schneider (CSU), trage sich durchaus mit Neubauabsichten. Infos dazu werde es in näherer Zukunft geben.

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