Erst Krötengasse, dann Schneidergasse

Die Röslstraße erinnert an den Kulturrat Hans Rösl aus Würzburg.
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Foto: FOTOS (2) LYDIA WELSCH |

frammersbach (WEL) Die älteren Frammersbacher werden sich noch erinnern können. Früher hatten die Straßen in der Lohrtalgemeinde keine Namen. An ihrer Stelle stand eine Kombination aus Ziffern und Buchstaben. So hatten im Ortsteil Herbertshain alle Häuser ein "A" nach der Hausnummer, die auch in Bruchzahlen wie ein Halb oder ein Viertel gezählt wurden.

Das Haus Mehrlichweg 16 war früher beispielsweise unter der Nummer 69 A zu finden. Häuser im Zentrum kennzeichnete der Buchstabe B, das C stand für die Hofreith und die Schwartler erkannte man am D nach der Ziffer.

Mit der zunehmenden Größe des Ortes zeigte sich, dass die teilweise unsystematische Nummerierung unpraktisch war. Die Aktualisierung des Liegenschaftskatasters am Vermessungsamt in Lohr Anfang der 60er Jahre war eine willkommene Gelegenheit, Abhilfe zu schaffen. Unter dem damaligen Bürgermeister Karl Steigerwald setzte der Gemeinderat eine Kommission ein, die sich mit der Angelegenheit befassen und Vorschläge für Straßenbezeichnungen machen sollte.

Das Gremium bestand aus den Gemeinderäten Michael Scherer und Herbert Grohmann und zwei Mitarbeitern aus der Verwaltung. "Wir setzten uns zusammen und brüteten über dem Ortsplan", erinnert sich Michael Scherer. In der Regel sei es auch kein Problem gewesen, einen geeigneten Namen zu finden, aber in manchen Fällen sei die Straßenbenennung nicht ohne kontroverse Diskussionen abgegangen.

So hätten sich die Bewohner der sogenannten Krötengasse vehement gegen die Eintragung dieses Namens in das Straßenverzeichnis gewehrt. Auch der Alternativvorschlag, die Gasse nach dem vermutlich ersten Heimschneider Frammersbachs "Friedrich-Mill-Gasse" zu nennen, fand nicht die Zustimmung des Gemeinderats. Man einigte sich schließlich auf den neutral gehaltenen Namen Schneidergasse, weil neben dem Schneider Mill dort noch andere Heimschneider tätig waren. Für die älteren Einheimischen ist die Straße hinter dem Fuhrmanns- und Schneidermuseum im Hinterdorf aber immer die Krötengasse geblieben.

"Die meisten Straßennamen in Frammersbach sind angelehnt an Flurnamen", so Burkhard Geiger, geschäftsleitender Beamter im Rathaus. Beispiele dafür sind das Obere und Untere Hofreither Tal, das Schwartler Tal, der Linderbachweg, der Mützelsberg oder auch der Ölberg oberhalb des Friedhofs im End. Diese Flurnamen verwendeten die Einheimischen schon immer, um die Lage eines Gebäudes oder Grundstücks anzuzeigen. Insofern änderte sich für die meisten Frammersbacher nicht viel.

Neu dagegen war, dass Straßen nach bekannten oder verdienten Persönlichkeiten benannt wurden. Im Ortsteil Herbertshain hat man das Gebiet rund um den sogenannten Mühlberg wichtigen Personen gewidmet. So ist die Winterstraße nicht etwa nach der kalten Jahreszeit, sondern nach dem ehemaligen Bürgermeister Alois Winter benannt. Während seiner Amtszeit von 1926 bis 1943 wurde die spätere Winterstraße erschlossen und bebaut.

Nicht weit davon entfernt biegt weiter oben rechts die Hönleinstraße vom Mühlberg ab. Sie ist dem   Sanitätsrat und Heimatforscher Dr. Hans Hönlein gewidmet, der 1949 das Büchlein "Die Frammersbacher Fuhrleute und die Gippentracht ihrer Frauen" verfasste und herausgab.

Auf der Höhe mündet der Mühlberg in die Röslstraße. Dieser Weg wiederum ist nach dem Kulturrat Hans Rösl benannt. Der Mitarbeiter des Würzburger Flurbereinigungsamtes leitete in der Zeit von 1925 bis 1935 den ersten Teil der Frammersbacher Flurbereinigung.

Am Ende der Röslstraße führt die so genannte Krauthohle rechts steil nach unten auf die Wiesener Straße. Sie verdankt ihrem Namen dem letzten Torwächter am Wiesener Tor, Peter Kraut, der im so genannten Wiesener Torhaus wohnte.

Die Krauthohle ist benannt nach
dem letzten Wärter am Wiesener
Torhaus, Peter Kraut.
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Die Krauthohle ist benannt nach
dem letzten Wärter am Wiesener
Torhaus, Peter Kraut.
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Die Krauthohle ist benannt nach dem letzten Wärter am Wiesener Torhaus, Peter Kraut.

 
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