Lohr

Gefragter Fachmann: Heinrich Bahner mit 93 Jahren gestorben

Heinrich Bahner ist im Alter von 93 Jahren gestorben.
Foto: ArchivGünter Weislogel | Heinrich Bahner ist im Alter von 93 Jahren gestorben.

Heinrich Bahners Fachwissen war oft so gefragt, dass er einmal sogar im Ruhestand in der Lohrer Bauverwaltung aushalf. Der bescheiden-zurückhaltend auftretende ehemalige Lohrer Kreisbaumeister ist am 29. Dezember im Alter von 93 Jahren gestorben.

Bis ins hohe Alter war Bahner sehr fit gewesen und engagierte sich besonders für seine Familie, die lange unter einem schweren Schicksalsschlag leiden musste. Bei einem Flugzeugabsturz an Weihnachten 2001 bei Bremerhaven verunglückten eine Tochter und eine Enkelin tödlich.

Sohn eines Landwirts

Bahner stammte aus dem Sudetenland. Am 23. Juli 1927 erblickte der Landwirtssohn in dem jetzt zu Wagstadt gehörenden Großolbersdorf das Licht der Welt. Nach der Volksschule besuchte er in Wagstadt die Oberschule. Er konnte zwar noch ein Praktikum bei einer Baugesellschaft absolvieren, musste aber im Juli 1944 zum Reichsarbeitsdienst und anschließend zum Militär einrücken. Ein Granatsplitter verwundete den Panzergrenadier im Februar 1945 an der Ostfront am Oberschenkel.

Das ersparte ihm die russische Kriegsgefangenschaft, denn nach Lazarettaufenthalten im Allgäu ergab er sich mit einer zusammengewürfelten Truppe am 9. Mai 1945 in Bad Wiessee den Amerikanern, die ihn bis Februar 1946 in Gefangenschaft hielten und dann als Zivilarbeiter beschäftigten.

Kurz darauf fand er seine aus der Heimat vertriebenen Eltern und seinen Bruder Josef, den späteren Direktor der Raiffeisenbank, in Frammersbach wieder. Aus der Lohrtalgemeinde stammt auch seine Frau Franziska Aull, die er 1952 heiratete und mit der er drei Kinder bekam. In Frammersbach machte er eine Maurerlehre und bestand Ende April 1948 die Gesellenprüfung in Lohr. Er schloss im April 1951 die Meisterschule der Bauhandwerker in Aschaffenburg ab.

Eineinhalb Jahre blieb der junge Meister als technischer Angestellter beim Landratsamt in Lohr. Dann bildete er sich an der Staatsbauschule in Frankfurt weiter und legte im Februar 1956 sein Ingenieurexamen ab. Kurze Zeit wirkte er als freier Architekt und kehrte am 1. Dezember 1957 ans Landratsamt im Lohrer Schloss zurück. Anfang Mai 1962 wurde er als Beamter übernommen, am 1. Juli 1967 zum Kreisbaumeister bestellt. Nach der Kreisreform fand er sich im Landratsamt Mittelmain als Sachgebietsleiter "Technische Begutachtung/Bauüberwachung" wieder. Als technischer Oberamtsrat trat Bahner am 1989 in den Ruhestand.

Engagement für die Stadt

Bahner sprang noch einmal in die Bresche, als in den 90er-Jahren Stadtbaumeister Josef Ruiken plötzlich starb und Lohr Bahners Hilfe brauchte. Aus einem Vierteljahr wurden drei Jahre. Doch Heinrich Bahner engagierte sich ohnehin in der Stadt. Dem Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Lohr gehörte der Baufachmann seit 1971 an. 2010 nach 39 Jahren schied er als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender aus. Bei der Verabschiedung freute er sich, dass sein Enkel Sebastian in das Kontrollgremium nachrückte. Auch im Gutachterausschuss beim Landratsamt Main-Spessart war Bahner aktiv gewesen.

Er betätigte sich als Lektor in St. Pius, führte den Verwaltungsrat im Caritas-Altenheim und kurzzeitig half der ehemalige Tischtennisspieler auch als TT-Abteilungsleiter im TSV Lohr aus.

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