Erlenbach

Geplanter Solarpark sorgt für Diskussion

Mathias Mönkeberg von der Firma 1A-Solar-Projekt GmbH zeigt Bürgermeister und Gemeinderäten aus Erlenbach und Tiefenthal vor Ort, wo die Freiflächenphotovoltaikanlage entstehen soll.
Foto: Dorothea Fischer | Mathias Mönkeberg von der Firma 1A-Solar-Projekt GmbH zeigt Bürgermeister und Gemeinderäten aus Erlenbach und Tiefenthal vor Ort, wo die Freiflächenphotovoltaikanlage entstehen soll.

Wie viel sind 39,5 Hektar? Es braucht schon einiges an Vorstellungsvermögen, um sich eine solche Fläche bildlich vorzustellen. Man bräuchte mehr als 51 500 Autos, um ein Areal, so groß wie 55 Fußballfelder, zu bedecken. Recht vorstellen konnten sich auch Bürgermeister Georg Neubauer und die Gemeinderäte aus Erlenbach und Tiefenthal die Fläche nicht, auf der im "Buch", so die Flurbezeichnung nordöstlich von Erlenbach, ein Solarpark entstehen soll.

Bevor der Initiator 1A-Solar-Projekt GmbH aus Schweinfurt die Anlage zur Stromgewinnung aufbauen kann, müssen die Räte einer Änderung des Flächennutzungsplans zustimmen und einen Bebauungsplan erstellen. Deshalb haben sich die Gemeinderäte mit Geschäftsführer Mathias Mönkeberg und Landwirt Franz-Josef Väth, der die Fläche momentan bewirtschaftet, zu einem öffentlichen Termin am Brunnen Tannacker getroffen. Bis auf zwei Erlenbacher kamen jedoch keine weiteren Bürger, um sich über die geplante Baumaßnahme zu informieren.

Die riesige Fläche war auch vom Treffpunkt aus nicht komplett einsehbar, was die enorme Größe verdeutlichte. Das erschreckte die Räte der CSU-Fraktion. Eduard Liebler sagte: "Ich möchte nicht, dass das Erscheinungsbild der Kulturlandschaft zerstört wird." Brigitte Liebler ergänzte, dass sie gerne dort spazieren gehe, um die Natur zu genießen. "Energie sollte dort produziert werden, wo es ökologisch, nicht ökonomisch sinnvoll ist", so Eduard Liebler weiter.

Matthias Liebler (FWG-SPD) vertritt die Meinung, dass man Landwirt Franz-Josef Väth seine wirtschaftlichen Entscheidungen selbst treffen lassen solle. Dieser sagte, dass die Bodenqualität der Äcker "von unten raus immer besser wird". Das bedeutet, dass die Böden, die nahe an der Tiefenthaler Straße, Am Geiger und an der Schulstraße sind, eine schlechtere Qualität aufweisen als die am "Buch", also dort, wo die Photovoltaikanlage entstehen soll.

Energiewende? Ja, aber bitte nicht vor der eigenen Haustüre? Das wollen sich die Räte der FWG-SPD nicht vorwerfen lassen. Klaus Hudalla argumentierte: "Wir sollten uns nicht auf Offshore-Strom verlassen, sondern vor Ort Energie produzieren." In der hitzigen Debatte entgegnete Liebler, dass er nicht glaube, dass die Energiewende in Erlenbach vollzogen werde.

Zusätzlich zu den 39,5 Hektar der Freiflächenphotovoltaik kommen noch etwa 17,5 Hektar an Wegen und Durchlässen hinzu. In der Summe entspricht dies etwa 75 Prozent der bebauten Ortsfläche von Erlenbach, hieß es von Seiten der Gegner. Nach Angaben der 1A-Solar-Projekt GmbH könnten rund 7500 Haushalte mit Strom versorgt werden. Eduard Liebler hält den Flächeneinsatz jedoch für nicht verhältnismäßig.

Momentan wird die Fläche landwirtschaftlich von Franz-Josef Väth genutzt. Nach seinen Angaben stehen die rund 20 Eigentümer, von denen er die Äcker gepachtet hat, den Planungen für einen Solarpark positiv gegenüber. Planer Mönkeberg versicherte, dass der Betreiber auch für den Abbau der Anlage nach Beendigung der Laufzeit aufkomme.

Für den Fall, dass der Gemeinderat den Flächennutzungsplan nicht verabschiede, fragte Matthias Liebler in die Runde: "Wer garantiert uns denn, dass die Fläche auch in den nächsten 30 Jahren noch landwirtschaftlich genutzt wird?" Werde sie nicht mehr genutzt, wachse dort eine Wiese - etwas Besseres könne der Natur nicht passieren, so Eduard Liebler. "Ich bin in meiner Entscheidung noch völlig offen", sagte Helmut Hauptmann von der FWG-SPD. Er plädierte dafür, die Bürger in die Entscheidung einzubeziehen.

Georg Neubauer hält es für sinnvoller, auf der Fläche Energie zu gewinnen, anstatt den Boden des Wasserschutzgebietes durch das Ausbringen von Dünger auf den Feldern zu verunreinigen. Doch auch diese Gefahr bestehe momentan nicht, denn Väth hat auf biologischen Anbau umgestellt.

Karola Müller von der BGT Tiefenthal sagte: "Ich habe nichts gegen die Photovoltaikanlage. Wer nachdenkt, dem muss klar sein, dass der Strom irgendwo herkommen muss." Nur durch solche Maßnahmen könne es möglich sein, Atom- und Kohlekraftwerke abzuschalten.

"Wir müssen im Gemeinderat entscheiden, ob wir eine solche Fläche zur Energieerzeugung mit Photovoltaik wollen oder nicht", fasste der Bürgermeister zusammen. Doch bevor diese Entscheidung getroffen werde, sollen die Bürger die Chance haben, sich mit den Planungen zu befassen und ihre Anliegen vorzutragen. Deshalb wird es demnächst eine Informationsveranstaltung in der Festhalle geben. Der genaue Termin wird in Kürze bekannt gegeben.

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