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Gerresheimer in Lohr: Die neue Braunglaswanne ist im Einsatz

Geschäftsführer Dirk Wypchol bei Gerresheimer in Lohr ist froh: Das Glas fließt wieder. Die neue Braunglaswanne ist am Donnerstag in Betrieb gegangen.
Foto: Sylvia Schubart-Arand | Geschäftsführer Dirk Wypchol bei Gerresheimer in Lohr ist froh: Das Glas fließt wieder. Die neue Braunglaswanne ist am Donnerstag in Betrieb gegangen.

Beim Glashersteller Gerresheimer ist während der vergangenen zwei Monate eine der beiden Schmelzwannen ausgewechselt worden. "Dieses große Gemeinschaftsprojekt ist immer wieder ein Ereignis für alle, die für die Glasproduktion arbeiten", so die Düsseldorfer Unternehmenssprecherin Marion Stolzenwald. An diesem Donnerstag wurde in Lohr erstmals wieder Braunglas – wie die berühmte Maggiflasche – produziert. Seit 28. Februar wurde die neue Braunglaswanne bereits vortemperiert und mit Glasscherben befüllt, damit eine Schmelze stattfinden konnte. So wurde die eigentliche Produktion vorbereitet, die wie geplant an diesem Donnerstag angelaufen ist.

"Heute wird die Wanne wieder in Betrieb genommen. Das Glas fließt wieder nach 55 Tagen. Das ist eine ganz entscheidende Sache", bestätigt Geschäftsführer Dirk Wypchol. "Ich richte vor allem meinen großen Dank an unsere Mitarbeiter, die fast Unmenschliches geleistet haben." Vorangegangen war ein zweijähriges Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz.

Der Austausch in so kurzer Zeit sei eine große Herausforderung gewesen, sind sich Geschäftsführer Wypchol und der technische Leiter Jörg Buchmayer einig: In der ersten Januarwoche musste das flüssige, 1500 Grad Celcius heiße Glas aus der alten Wanne abgelassen, in spezielle, wassergekühlte Bottiche mit einer Kratzförderung und Lamellen zur Zerkleinerung gefüllt werden. Der Sicherheitsaufwand für diesen Prozess war immens – die Werksfeuerwehr und weitere Rettungsfahrzeuge standen stets bereit. Denn die alte Wanne wurde weiter befeuert. Insgesamt mussten 360 Tonnen Glas in eineinhalb Tagen abgelassen werden. Dieses Glas, vermischt mit den kleinen Steinen des Ofens, ging an die Elektroindustrie zur Weiterverwendung. Die leere alte Wanne wurde dann auf etwa 300 Grad abgekühlt, bevor mit dem Abriss begonnen wurde.

Rund um die Uhr wird produziert

Buchmayer begründet, warum überhaupt nach gut einem Jahrzehnt die Schmelzwanne ausgetauscht wird: "Der Feuerfestkörper der Wanne verschleißt nach zehn Jahren, denn wir produzieren ja 24 Stunden an 365 Tagen. Dann überlegt man sich die Kapazität zu erweitern und so wird aus so einer Wannenreparatur ein großes Projekt, das alle Mitarbeiter sehr fordert." Diese seien aber mit Herz und Seele dabei, teilweise schon in der dritten Generation.

"Wir haben in eine moderne Wannentechnologie und vollautomatische Wannensteuerung investiert, in allen Bereichen der Technik erweitert, angefangen von der Gemengeerstellung, modernen Verwiegesystemen, über moderne Abgasfilter mit dem Schwerpunkt, die Stickstoffoxide darin deutlich zu senken. Da liegen wir weit unter dem europäischen EU-Grenzwert", berichtet Buchmayer. Der neu installierte höhere Schornstein ist bereits im Januar in Betrieb gegangen für die Weißglasproduktion. Dort wurde zwischendurch ebenfalls Braunglas produziert für die Nachfrage während der Austauschphase der Braunglas-Schmelzwanne. Die neue Schmelzwanne für Braunglas hat die Größenordnung eines Gartenschwimmbads und fasst mehrere 100 Tonnen. Investiert wurde auch in hochmoderne Sortiermaschinen. Zur Investitionssumme äußert sich die Firma mit 370 Beschäftigten vor Ort nicht.

Am Lohrer Gerresheimer-Standort wird für die Medizinbranche und den Lebensmittelsektor Glas produziert. Wypchol: "Wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir in Reinraumbedingung produzieren können und für die Pharmaindustrie ein nachhaltiger Partner sind." Als nächstes wird der Austausch der Weißglaswanne in den nächsten zwei bis drei Jahren geplant.

Impfstoff-Fläschchen

Die Gerresheimer AG mit Sitz in Düsseldorf ist zwar börsennotierter deutscher Hersteller von Primärverpackungen aus Spezialglas und Kunststoffen für die Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie, gibt aber keine Zahlen für die Einzelstandorte heraus. Lohr ist einer von vier, der größte in Europa und "steht sicherlich gut da", sagt Stolzenwald. "Das vierte Quartal verlief sehr stark, es war das bisher beste Quartal der Unternehmensgeschichte. Trotz negativer Effekte der Covid-Pandemie, insbesondere in unserem Kosmetikgeschäft, haben wir unsere Ziele für 2020 erreicht", teilte das Unternehmen Mitte Februar mit. Der Umsatz von 403 Millionen Euro im vierten Quartal 2020 entspreche einem organischen Wachstum von 7,3 Prozent im Kerngeschäft.

In diesem Zeitraum verbuchte Gerresheimer auch erste bedeutsame Umsatzerlöse aus der Herstellung und Lieferung von Injektionsfläschchen für Covid-19-Impfstoffe. Das Unternehmen habe dafür seine Produktionskapazitäten deutlich erweitert. Diese Fläschchen stellt der Lohrer Standort allerdings nicht her.

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