Binsfeld

Getreideernte in Main-Spessart: ein durchschnittliches Jahr

Die Spätfröste wirkten sich auf das Ergebnis offenbar stärker aus als die Hitze des Sommers. Der Klimawandel spiegelt sich zunehmend bei der Sortenverteilung wider.
Die Getreideernte ist weitgehend abgeschlossen. Die Landwirte im Main-Spessart-Kreis scheinen zufrieden mit dem Resultat.
Foto: Ernst Schneider | Die Getreideernte ist weitgehend abgeschlossen. Die Landwirte im Main-Spessart-Kreis scheinen zufrieden mit dem Resultat.

Aus den meisten Getreidefeldern im Landkreis Main-Spessart sind inzwischen Stoppeläcker geworden, die Ernte ist weitgehend abgeschlossen. Bundesweit sind die Bauern eher enttäuscht – wie lief es bei uns? Bei einer kleinen, stichprobenartigen Umfrage der Redaktion zeigten sich Agrarhandel sowie Landwirte trotz Hitze und Trockenheit mit der Ernte in diesem Jahr zufrieden. Ähnliches ist auch vom Bayerischen Bauernverband für die Region zu hören.

Der Binsfelder Landwirt Martin Reith sagt, dass die Ernte aus seiner Sicht gut gelaufen sei. Zum Dreschen sei das Wetter perfekt gewesen. Die Böden waren gut befahrbar und somit habe es kaum Bodenverdichtungen gegeben, was sich vorteilhaft auf die Nachfolgekulturen auswirke. Während bei der Wintergerste aufgrund der Spätfröste teilweise starke Ausfälle zu verzeichnen waren, gab es bei den übrigen Getreidesorten meist durchschnittliche Erträge. Teilweise Ausfälle deshalb, weil sich die Spätfröste bezüglich der Lage des jeweiligen Feldes unterschiedlich auswirkten.

Spessartbauern hatten etwas weniger Ertrag

Den Ertrag beim Winterweizen bezifferte Reith als leicht über dem Durchschnitt liegend. Sommergerste, Raps, Triticale (Triticale ist eine Kreuzung aus Weizen und Roggen) sowie Roggen und Dinkel lagen durchaus im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Im Spessart sei das Ergebnis allerdings etwas unter dem Durchschnitt gewesen, wie BBV-Kreisobmann Reinhard Wolz berichtet. Von Seiten des Agrarhandels wird dies im Großen und Ganzen bestätigt.

Der späte Regen im Mai ist für die Wintergerste und den Raps meistens zu spät gekommen, während vor allem der Weizen und die Sommergerste sehr stark davon profitieren konnten. Insgesamt erfüllten sich somit die anfänglichen Befürchtungen hinsichtlich der Erträge nicht und es wurde eine durchschnittliche Ernte eingefahren. Auch die Qualitäten waren im Großen und Ganzen in Ordnung. Die Braugerste weist überwiegend sehr gute Eiweißqualitäten bei einer guten Kornausbildung auf. Der Weizen verzeichnet im Vergleich zu den Vorjahren eine leicht unterdurchschnittliche Eiweißqualität, was hauptsächlich auf den höheren Ertrag zurückzuführen ist.

Bernd Zehner, der Betreiber des ehemaligen Lagerhauses "Bonnländer" in Hundsbach, verweist auf das traditionell gute Braugestenanbaugebiet "Bachgrund" und den damit verbundenen hohen Stellenwert der Braugerste. Dennoch würden sich die Anbaugewohnheiten aufgrund von agrarpolitischen und klimatischen Rahmenbedingungen verändern. Der Maisanbau für Biogasanlagen prägt immer stärker das Landschaftsbild.

Mehr Blühflächen, mehr Dinkel und Sojabohnen

Außerdem werden staatlich geförderte Kulturlandschafts- und Blühflächenprogramme stärker in Anspruch genommen. Hiervon zeugen unter anderem auch die wieder verstärkt angebauten Sonnenblumen. Eine weitere Reaktion der Landwirte auf diese Entwicklung ist die Umstellung einiger Betriebe auf ökologische Bewirtschaftung. Ferner nimmt der Anbau von Sojabohnen (Leguminosen) als Getreideersatz zu.

Der Dinkelanbau in Deutschland boomt. Auch im Main-Spessart-Kreis wird mehr Fläche dafür eingesetzt. 
Foto: Ralf Dieter | Der Dinkelanbau in Deutschland boomt. Auch im Main-Spessart-Kreis wird mehr Fläche dafür eingesetzt. 

Außerdem ergeben sich aufgrund des Klimawandels weitere Veränderungen hinsichtlich des Getreideanbaues. Vermehrt gibt es Landwirte, wie Bernd Sauer aus Binsfeld, die sich dem Dinkelanbau zugewandt haben. Dinkel gedeiht auch auf geringeren Böden, hat ein besseres Stickstoffausnutzungsvermögen und benötigt somit auch weniger Düngung, was letztendlich der Umwelt sowie der Grundwasserqualität zugute kommt, erklärte Sauer und zeigte sich mit dem Dinkelertrag zufrieden.

Sonnenblumen, die auch vom Landwirt Reith angebaut werden, brauchen jedoch nach dessen Angaben im Juli/August nochmals eine kräftige "Dusche", um gute Erträge zu erbringen.

Probleme mit dem Mutterkorn beim Roggen

Probleme gab es bei der Ernte wegen des unterschiedlichen Reifegrades hauptsächlich bei der Sommergerste. Bedingt durch das infolge der Trockenheit schlechte und uneinheitliche Auflaufen der Jungsaat im Frühjahr wurde der Reifezeitpunkt beeinflusst. Beim Roggen war es das Problem mit dem sogenannten Mutterkorn. Beim Mutterkorn handelt es sich um einen Pilzsporenbefall, der den Absatz behindert. Kreisobmann Wolz, selbst in Marienbrunn und damit im Spessart zuhause, betont aber, dass der Roggen im Spessart kaum vorkomme. Aufgrund  der späteren Vegetationszeit im Spessart, verbunden mit der dadurch bedingten späteren Roggenblüte, hätten die Landwirte hier aber mit dem Mutterkorn keine so großen Probleme.

Einig sind sich die befragten Landwirte, der Agrarhandel und der Vertreter des Bauernverbands, dass eine breite Aufstellung der Kulturen das Risiko, das der Klimawandel mit sich bringt, minimiert. Das Bestreben müsse sein, in Zukunft mit weniger Niederschlägen zurechtzukommen und durch den Anbau von Bodendeckern die Verdunstung der Bodenfeuchtigkeit zu verringern. Dieser Effekt wird auch durch das sofortige Grubbern der abgeernteten Getreidefelder verstärkt. Das kann das Aufsteigen der Bodenfeuchtigkeit unterbinden, zumindest aber bremsen.

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