Lohr

Glosse: Wie Corona Halloween in Main-Spessart ruiniert

Landrätin Sitter bittet darum, Kindern wegen Corona heuer "anderweitig Süßes oder Saures" zukommen zu lassen. Die Redaktion rätselt, wie das zu verstehen ist.
Süßes oder Saures: Landrätin Sitter rät davon ab, an Halloween um die Häuser zu ziehen. (Symbolbild)
Foto: Hauke-Christian Dittrich, dpa | Süßes oder Saures: Landrätin Sitter rät davon ab, an Halloween um die Häuser zu ziehen. (Symbolbild)

Der Landkreis Main-Spessart ist rot. Eine solche Schlagzeile hatte sich die SPD in der Region mit Sicherheit lange ersehnt. Doch zum Glück sind die Genossinnen und Genossen reichlich Kummer gewohnt. Denn nun haben diese Worte eine völlig andere Bedeutung. Corona treibt wieder verstärkt sein Unwesen im Kreis. Und nun ruiniert das Virus sogar Halloween –  dabei hätten Zombies wenig zu befürchten. Landrätin Sabine Sitter hat diese Woche empfohlen, dass Kinder angesichts der gestiegenen Infektionszahlen auf Rundgänge am Samstagabend besser verzichten sollen. Eltern sollen ihrem Nachwuchs "anderweitig Süßes oder Saures" zukommen lassen.  

Rohe Eier und Toilettenpapier 

Liegt da nicht ein Missverständnis vor? Sonst ist es doch die Aufgabe der als Vampire oder Mumien verkleideten Kinder ihren Nachbarn "Saures" zu geben, also Streiche zu spielen, wenn sie ihnen Süßigkeiten verweigern. Aber gut, dann dreht man den Spieß heuer eben um! Angestachelt vom Landratsamt schmeißen die Erziehungsberechtigten am Samstag kichernd rohe Eier und Toilettenpapier-Rollen (Da lohnt sich der Hamsterkauf dann doch!) in die Kinderzimmer.

"Das ist dafür, dass du immer dein Geschirr stehen lässt", brüllen Mama und Papa. Die befreundeten Nachbarn sind auch eingeladen (zumindest ein Hausstand) und dürfen sich mal rächen für das nervtötende Klarinette-Üben bei offenem Fenster. Zugegeben, ob die Kinder bei der ganzen Aktion auch Spaß haben, ist fraglich. Aber solange es gegen Corona hilft... 

Familiären Spaß hat auch die Polizei in Karlstadt kürzlich verdorben. Denn die Beamten kreuzten  im"Karschter Eck" nicht für ein gemütliches Feierabendbier auf, sondern zur Kontrolle. Danach hieß es im Polizeibericht, dass der Mindestabstand "in keinster Weise" eingehalten wurde. Das ist schon ein bisschen fies. Denn um 23 Uhr beziehungsweise ab zwei Promille lässt sich der Abstand einfach nicht mehr so gut abschätzen. Genau betrachtet, war dieser Polizeieinsatz übrigens völlig ungerechtfertigt! Schließlich führt doch das "Eck" schon seit Jahren den Slogan "We are family" im Untertitel. Alles ein einziger großer Haushalt sozusagen.

Lohr sieht schwarz 

Halloween hat man im "Karschter Eck" vermutlich nicht gefeiert. Immerhin fremdeln viele Deutsche mit diesem Fest. Welche Regeln aber für die Traditionen der Konkurrenzveranstaltung (Reformationstag!) gelten, hat das Landratsamt nicht mitgeteilt. Ob das Anschlagen von Thesenpapieren an Kirchentüren gegen Hygieneregeln verstößt, muss also jeder mit seinem eigenen Gewissen ausmachen. 

Während der Kreis "rot" sieht, wurde es der Stadt Lohr in dieser Woche schwarz vor Augen – jedoch  nicht etwa wegen Halloween. Der Bund der Steuerzahler listete die neue Stadthalle in ihrem Schwarzbuch auf. Darin stehen etliche Beispiele für Verschwendungen von Steuergeldern. So gesehen hatte Lohr noch Glück: Die Schneewittchen-Statue vor der Halle hat der Bund der Steuerzahler offenbar übersehen.

Zurück zu Corona! Zumindest einen Vorteil hat der erneute Lockdown: Der Titel, den diese Kolumne ("Aus der Quarantäne") schon seit einigen Monaten trägt, ist jetzt immerhin wieder aktuell. Es gilt das Sprichwort: Auch eine kaputte Uhr geht zweimal am Tag richtig!

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