Gemünden

Greenpeace-Chef: "Wir sollten den Wald mehr in Ruhe lassen"

CO2-Ausstoß mindern, Mobilität ändern und weniger, dafür besseres Fleisch essen sind für den Greenpeace-Geschäftsführer die drei wichtigsten Maßnahmen gegen den Klimawandel.
Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, hielt vor rund 120 Interessierten einen Vortrag in der Scherenberghalle in Gemünden. 
Foto: Daniel Müller | Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, hielt vor rund 120 Interessierten einen Vortrag in der Scherenberghalle in Gemünden. 

"Wenn wir es nicht schaffen die globale Erwärmung bei 1,5 Grad Celsius zu stoppen, gibt es kein Zurück mehr", warnte Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, bei seinem Vortrag in der Scherenberghalle in Gemünden am Freitag. Der Diplom-Geoökologe und Forstingenieur betonte zudem die Wichtigkeit der Wälder in der Region und beantwortete Fragen von Förstern und Waldbesitzern.

Eingeladen hatte die ÖkoKreis Wählervereinigung Gemünden. Sie feiert dieses Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. "Als wir angefangen haben, wollte von Umweltthemen niemand etwas wissen", führte Thassilo Maxeiner vom ÖkoKreis an. Das hat sich geändert. Rund 120 Interessierte kamen zu dem Vortrag.

Maßnahme eins: Den CO2-Ausstoß innerhalb von sechs Jahren drastisch reduzieren

Kaiser stellte seine Arbeit bei Greenpeace vor und belegte den Klimawandel anhand statistischer Messwerte. Europa sei besonders stark von langen Hitzewellen und starken Temperaturanstiegen betroffen. Das liege an Anomalien der Höhenwind, die sich wiederum durch die Erwärmung der Arktis verändern. Man müsse nicht mehr darüber streiten, ob es einen menschengemachten Klimawandel gäbe, sondern nun die richtigen Maßnahmen ergreifen.

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Maßnahme eins: Den CO2-Ausstoß innerhalb von sechs Jahren drastisch reduzieren. CO2 reichert sich in der Atmosphäre an und führt zu einer dauerhaften globalen Erwärmung. Kohlekraftwerke sind einer der größten Emittenten von CO2. "Die Frage bis wann wir aus der Kohle aussteigen müssen, wird seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue beantwortet. Der einzige Unterschied: Wir haben immer weniger Zeit", so Kaiser. Man habe zu lange verpasst, klare politische Entscheidungen zu treffen. Nun sei Mut nötig und der Ausbau erneuerbarer Energien. Als Beispiel führte er den Bau von Windkraftanlagen an. Hier gelte es, das Dilemma zu lösen, dass jeder diese befürworte, sich aber gleichzeitig gegen den Bau wehre.

Maßnahme zwei: Änderung der Mobilität und Neubau von Straßen stoppen

Maßnahme zwei: Änderung der Mobilität. Ausbau der E-Mobilität könne helfen, aber "wir können nicht 44 Millionen Verbrennungsmotoren eins zu eins mit E-Autos ersetzen." Hier bedürfe es neuer Konzepte, die in Städten schon gut funktionierten. Applaus erntete Kaiser für die Forderung den Neubau von Straßen zu stoppen. SUVs seien ein weiterer negativer Faktor: zu schwer, zu hoher Verbrauch. Zudem sei ein Tempolimit auf deutschen Straßen unumgänglich.

'Wenn wir es nicht schaffen die globale Erwärmung bei 1,5 Grad Celsius zu stoppen, gibt es kein Zurück mehr', warnte Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, bei seinem Vortrag in der Scherenberghalle in Gemünden.
Foto: Jennifer Weidle | "Wenn wir es nicht schaffen die globale Erwärmung bei 1,5 Grad Celsius zu stoppen, gibt es kein Zurück mehr", warnte Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, bei seinem Vortrag in der ...

Maßnahme drei: "Weniger Fleisch, dafür besseres Fleisch". Schuld daran, dass sich hier zu wenig ändere, sei neben dem Verbraucher auch der Einzelhandel mit seinem Preisdumping. Eine Teilnehmerin führte an, dass man genauso den Konsum von Milchprodukte einschränken müsse. "Auch Milchkühe fressen schließlich Soja." Dem stimmte Kaiser zu, betonte aber, dass es nicht darum ginge alle Weidetiere abzuschaffen. Eine naturnahe Haltung mit regionalem Futter sei weiterhin zu unterstützen.

Thema Wald: Was können wir für unseren Wald tun?

Ein großer Teil des Dialogs betraf das Thema Wald: "Was können wir für unseren Wald tun? Welche Baumarten sollen wir pflanzen?" wollten Teilnehmer wissen. Kaiser erklärte, dass es den Wunderbaum nicht gebe und nie gegeben habe. Stattdessen solle man den Wald, von dem in Deutschland über 97 Prozent wirtschaftlich genutzt werden, mehr in Ruhe lassen. "Wir brauchen geschützte Gebiete, um zu beobachten, welche Baumarten sich von alleine ansiedeln. Wir müssen lernen, wie Ökosysteme mit dem Klimawandel umgehen." Dazu gehöre auch, die maschinelle Beerntung und die nahe beieinander liegenden Rückegassen stark einzuschränken. Er empfahl Naturverjüngungen zu unterstützen und vorhandene Bäume älter werden zu lassen, damit sie als Schattenspender und CO2-Speicher dienen.

"Wie sollen wir mit den von der Trockenheit geschädigten Bäumen umgehen?", hakte ein Teilnehmer nach. Man käme aktuell gar nicht mehr hinterher, dieses Holz aus dem Wald zu holen. Kaiser empfahl, dieses als Totholz im Wald zu belassen um das Ökosystem für die Zukunft zu stärken.

"Der Spessart, zusammen mit der Rhön, sind das tollste Waldgebiet in Deutschland. Sie haben eine einmalige Artenvielfalt", betonte Kaiser. Diese gelte es zu schützen. "Der öffentliche Wald gehört Ihnen allen. Sie müssen sich einmischen."

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