KARLSTADT

Initiative stellt Konzept zum Erhalt der Krankenhäuser vor

Der Weg wird lang: Die Bürgerinitiative zeigt die Krankenhaus-Alternativen außerhalb des Landkreises auf.
Foto: Jürgen Kamm | Der Weg wird lang: Die Bürgerinitiative zeigt die Krankenhaus-Alternativen außerhalb des Landkreises auf.

Ein mit 230 Besuchern gut gefüllter Saal bei der ersten Veranstaltung der Bürgerinitiative Klinikum Main-Spessart und 3042 Unterschriften in den Arztpraxen zeigen: Den Karlstadtern ist eine mögliche Schließung ihres Krankenhauses, auf neudeutsch: Gesundheitsportal, nicht egal.

„Mein Herz schlägt für Karlstadt, wir dürfen nichts unversucht lassen, um dieses Schatzkästchen zu erhalten“, sagte Maria Schneider, die pensionierte Geschäftsleiterin des Klinikums, in ihrem leidenschaftlichen Statement. In Karlstadt keine Chirurgie mehr zu haben, würde auch die Schließung der Ambulanz bedeuten. Sie versorge im Jahre 3000 Menschen außerhalb der Praxiszeiten. Deshalb appellierte sie an die Verantwortlichen, mit konstruktiver Zusammenarbeit die Kliniken in Karlstadt, Lohr und Marktheidenfeld zu erhalten.

„1,649 Millionen Euro Defizit – deshalb wird diskutiert“, erklärte Anästhesist Christian Baier am Anfang seines Vortrages. Wie entsteht ein solches Defizit? Seit die Politik das Fallpauschalensystem eingeführt hat, seien Grundleistungen unterfinanziert, Spezialleistungen dagegen profitabel. Fachkliniken erwirtschafteten dadurch immer Gewinn, private Klinikbetreiber bildeten aus den Allgemein- und Fachkliniken eine Mischkalkulation.

„In allen Fällen versorgen Sie erfahrene Fachärzte in der Notaufnahme rund um die Uhr“, zitierte Christian Baier von der Website des Klinikums Main-Spessart. Das verstehe man unter medizinischer Grundversorgung. Genau diese will die Bürgerinitiative mit drei Häusern erhalten.

Karlstadt stärken

Der Vorschlag der Initiative sieht vor, in Karlstadt die kooperative Medizin durch ein Zentrum mit Beleg- und Kooperationsärzten zu stärken. Mit den Abteilungen Innere Medizin, Demenz, Allgemein, Gefäß- und Visceralchirurgie (Bauchchirurgie), Unfall und Wiederherstellungschirurgie sowie Kooperationspraxen (etwa Neuro- und Gefäßchirurgie).

In Lohr sollte die Konservative Medizin gestärkt werden: Innere Medizin, Neurologie, Allgemein, Gefäß- und Visceralchirurgie (Zentrum arterielle Eingriffe), Unfall und Wiederherstellungschirurgie, Gynäkologie, Anästhesie, Große Sterilisation, Palliativmedizin.

In Marktheidenfeld würde die Chirurgie mit Überwachungsstation ausgebaut. Unfall und Wiederherstellungschirurgie mit Zentrum Gelenkersatz, Neurochirurgie (Ausbau Überwachungsstation, Kooperationen), Tagesklinik Neurologie, Physikalische Therapie und Innere Medizin. Dazu kämen in Lohr und Marktheidenfeld Akut-Geriatrie und Geriatrische Reha. Größere Investitionen seien dabei nur am Krankenhaus Lohr nötig.

Vor der Schließung eines oder zweier Häuser warnte Baier eindringlich: Vordergründig und kurzfristig spare das Personalkosten. Mehr Patienten in den verbleibenden Krankenhäusern bedingten dort aber Personalaufstockungen. Zudem würden Bewohner der Randbereiche vermutlich in nähere Kliniken abwandern (zum Beispiel aus dem Bachgrund nach Hammelburg, aus Zellingen nach Würzburg). Mehr Patienten (Fallzahlsteigerung) seien damit nicht realistisch, dafür verschlechtere sich die medizinische Grundversorgung als zentrale Aufgabe des Landkreises.

Er wisse von zwei interessierten Gefäßchirurgen, die die Klinikleitung abgewiesen habe, sagte Dr. Udo Heynen, Internist aus Karlstadt, in der Diskussion. Darauf antwortete Günther Betz von der Klinikleitung, mit dem einen sei man sich nicht einig geworden, der andere habe eine Kooperation mit dem Gesundheitszentrum Lohr angestrebt.

Welche Konsequenzen Klinikschließungen hätten, fragte ein Besucher. Bei einer Einhauslösung wurden 120 Vollzeitstellen wegfallen, zudem müssten bei einer Zweckentfremdung vor Ablauf der Zuschussbindung von 25 Jahren Fördergelder aus der Bauphase anteilig zurückgezahlt werden. Für Karlstadt sprach Landrat Thomas Schiebel hier von zehn Jahren Bindung und zwölf Millionen Euro, in Marktheidenfeld läuft die Bindung noch länger. Daran komme der Kreistag nicht vorbei.

Tolle wünscht Bürgerbegehren

„Für die medizinische Versorgung wäre es eine Katastrophe, wenn Karlstadt geschlossen wird“, verdeutlichte Dr. Michael Jagusch, praktischer Arzt aus Gössenheim. Grünen-Kreisrätin Simone Tolle kritisierte, dass die dem Kreistag vorliegenden Vorschläge nicht vorgestellt wurden. Für sie seien eine Million Euro Jahresdefizit die Schmerzgrenze. Sie schlug vor, der Kreistag solle zwei Varianten in einem Bürgerbegehren zur Abstimmung stellen.

„Wir sollten alles tun, um drei Standorte zu erhalten. Wir glauben, dass es dafür Möglichkeiten gibt“, resümierte Kreisrat Gerhard Kraft als Mitglied der Bürgerinitiative. Er wünsche, dass sich die Stadt Karlstadt so klar positioniere wie die anderen Kreisstädte auch. Zum Abschluss zitierte Rudi Gosdschan Erwin Pelzig: „Ich möchte als Mensch sterben, nicht als Kostenfaktor.

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