Lohr

Keine Einwände gegen Klinikneubau in Lohr

So soll er aussehen, der Neubau der Zentralklinik des Landkreises auf dem Gelände des Lohrer Bezirkskrankenhaus: Für die oberen Stockwerke ist eine Holzverkleidung aus Weißtanne vorgesehen. Auch dem Dach ist die Landeplattform für den Hubschrauber zu sehen.
Foto: sander.hofrichter architekten GmbH | So soll er aussehen, der Neubau der Zentralklinik des Landkreises auf dem Gelände des Lohrer Bezirkskrankenhaus: Für die oberen Stockwerke ist eine Holzverkleidung aus Weißtanne vorgesehen.

Die Stadt Lohr hat keine Einwände gegen die konkrete Planung für den Bau der neuen Zentralklinik des Landkreises auf dem Gelände des Lohrer Bezirkskrankenhauses. Der Bauausschuss des Stadtrates erteilte dem aktuell auf 147 Millionen Euro veranschlagten Vorhaben in seiner Sitzung am Montagabend einstimmig das gemeindliche Einvernehmen.

Über den Bauantrag entscheiden muss letztendlich die Baubehörde, also das Landratsamt Main-Spessart. Dass das Landratsamt in diesem Fall also über ein Bauvorhaben des Landkreises entscheidet, ist ein normaler Vorgang, der aus der Zwitterrolle des Amtes resultiert. Agiert das Amt bei der Beurteilung von Bauanträgen doch als staatliche Behörde, wohingegen der Landkreis den Antrag zum Bau der neuen Klinik als Instanz der kommunalen Selbstverwaltung stellt. Im Zuge des weiteren Verfahrensverlaufs haben nun die Anwohner die Gelegenheit, sich zu dem Vorhaben zu äußern.

280 Betten, 411 Parkplätze

Unter den Stadträten gab es am Montag kaum mehr Diskussionen über das Großprojekt. Auch die Planung selbst wurde im öffentlichen Teil der Sitzung nicht mehr näher vorgestellt. Bekanntlich plant der Kreis auf einer großen Wiesenfläche am südlichen Rand des BKH-Geländes den Bau einer neuen Klinik mit 280 Betten, daneben ein Dialysezentrum und ein Ärztehaus. Ein Hubschrauber-Landeplatz auf dem Dach der Klinik ist ebenso vorgesehen wie 411 Parkplätze, davon 245 in einem Parkhaus.

Erschlossen wird der Klinik-Komplex über eine 700 Meter lange Zufahrt, die von der Straße Am Sommerberg abzweigt. Diese inklusive einem 2,5 Meter breiten Fußweg 6,5 Meter breite Zufahrt baut der Kreis als Privatstraße. Das heißt, er muss sich beispielsweise auch um den Winterdienst selbst kümmern. Allerdings, sagte Bürgermeister Mario Paul, sei denkbar, dass der städtische Bauhof diese Aufgabe gegen Bezahlung übernehme.

Paul: Lärmschutz geht über das gesetzliche Maß hinaus

Von Anwohnern im Umfeld der Erschließungsstraße gab es in der Vergangenheit Einwände wegen des zu erwartenden Lärms. Brigitte Riedmann (Freie Wähler) wollte in der Sitzung wissen, ob diese Bedenken in Gesprächen mit den Anwohnern ausgeräumt worden seien. Jochen Wolf vom städtischen Bauamt erklärte dazu, dass die Stadt nicht Bauherr sei und in dieser Sache keinen Kontakt zu den Anwohnern gehabt habe. Es habe jedoch mit dem Landratsamt ein "zähes Ringen" gegeben. Im Ergebnis sieht die Planung nun drei 2,5 bis 3,5 Meter hohe und bis zu 130 Meter lange Lärmschutzwände sowie zwei 2,5 Meter hohe Lärmschutzwälle vor. Paul sprach davon, dass diese Lärmschutzmaßnahmen "weit über das gesetzliche Maß hinausgehen". Das Klinikum habe deutlich gemacht, dass es ein "guter Nachbar" sein wolle.

Jürgen Völker, der Rodenbacher Ortssprecher, hatte Bedenken, dass die vorgesehenen Regenrückhaltenbecken nicht ausreichen könnten. Schon jetzt komme es bei Starkregen im Bereich Tiefer Grund zu Überschwemmungen. Paul teilte diese Bedenken nicht. Er sprach von einem umfangreichen Regenrückhalt. Die Planung sieht zwei Regenrückhaltebecken auf dem Gelände vor. Sie sollen zusammen rund 240 Kubikmeter fassen. Das aufgefangene Wasser soll über Drosselbauwerke in den Landgraben geleitet werden.

Kritik: Infos zu spät an Räte

Noch abzuklären ist, wie das Frischwasser auf das Gelände kommt. Hier werde es noch eine Umplanung geben, so die Verwaltung. Demnach soll der Klinik-Neubau nicht an die bestehenden Leitungen im Tiefen Grund beziehungsweise in der Bergwiesenstraße angeschlossen werden. Vielmehr soll es eine direkte Zuleitung aus dem Hochbehälter am Sommerberg geben. Eine Vereinbarung dazu muss jedoch noch zwischen Landkreis, Stadtwerken und Bezirk Unterfranken getroffen werden.

Brigitte Riedmann kritisierte, dass die Verwaltung einen Erläuterungsbericht zum Bauantrag den Räten erst wenige Stunden vor der Sitzung zugeschickt hatte. So sei eine ausreichende Vorbereitung auf das Thema schwierig. Paul erwiderte, dass der Erläuterungsbericht nur ein Teil der Unterlagen gewesen und für die Entscheidung "nicht wichtig" sei. "Wenn es Sie interessiert hätte, dann hätten sie auf uns zukommen können", so der Bürgermeister zu Riedmann.

Ziel: Rodung bis Februar fertig

Christine Kohnle-Weis (SPD) monierte, dass bei einem Thema dieser Tragweite für die Stadt, aber auch bei anderen größeren Bauvorhaben im Vorfeld von Sitzungen mehr Infos an die Öffentlichkeit und die Presse herausgegeben werden müssten. Dann könnten sich auch die Bürger mit Fragen zu Wort melden und es wäre "ein besseres Miteinander". Paul indes vertrat die Ansicht, dass die Öffentlichkeit mit dem Newsletter der Stadt ausreichend informiert gewesen sei. In diesem Newsletter kündigt das Rathaus die Themen von Sitzungen in recht knappen Sätzen an.

Der Genehmigungsprozesse des Klinik-Neubaus geht nun unter anderem mit der Beteiligung der Öffentlichkeit weiter. Unterdessen stehen auf dem für den Bau vorgesehenen Gelände nach Aussage des Klinikums die Rodungsarbeiten an. Sie sollen bis Ende Februar abgeschlossen sein.

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