Lohr

Klangfarbenreich und mit sichtbarer Spielfreude

Das Würzburger Orchester »Con Brio« bot unter der Leitung von Gert Feser ein abendfüllendes Programm aus früher und später Romantik sowie klassischer Moderne dar.
Foto: Xenia Trendel | Das Würzburger Orchester »Con Brio« bot unter der Leitung von Gert Feser ein abendfüllendes Programm aus früher und später Romantik sowie klassischer Moderne dar.

Wenn in Lohr ein Sinfonieorchester auf semiprofessionellem Niveau gastiert, das dann auch noch aus der Region kommt, kann man sich den Konzertbesuch nicht entgehen lassen, so die Meinung vieler Konzertbesucher am Freitagabend in der Stadthalle.

Das Würzburger Orchester »Con Brio« bot unter der Leitung von Gert Feser ein abendfüllendes Programm aus früher und später Romantik sowie klassischer Moderne dar.

Ob es an Fesers beruflichem Hintergrund als Musiktherapeut liegen mag, auf welche Art und Weise er die Klänge aus seinem Orchester herausholt, mag Spekulation sein: Fest steht jedoch, dass sein Dirigat der »Legende« op. 59 von Antonín Dvorák einen tröstenden Klang innerhalb der fließenden Musik aufbaute.

Das Orchester folgte seiner Leitung und verband sich an vielen Stellen zu einem untrennbaren Miteinander der Linien. Selten für ein Sinfoniekonzert ist, dass der Dirigent selbst zum Mikrofon greift. Doch genau das passte zum Inhalt von Fesers kurzer Ansprache nach dem ersten Werk.

In seiner Ankündigung von Schostakowitschs Ballettsuite »Der Bolzen« wies er auf die Seltenheit der Aufführung ebendieser Suite hin. Zum Verständnis der Musik erläuterte er die Hintergründe, vor denen der Komponist, der zur Zeit Stalins wirkte, sein Werk schrieb: »Die Köpfe saßen locker.«

Das Auftragswerk wurde nach der Uraufführung sofort abgesetzt, da die Musik als zu westlich und somit als Verrat an der sowjetischen Kultur empfunden wurde.

»Con Brio« präsentierte die acht Sätze der Ballettsuite, die aus dem Gesamtwerk vor der Zensur gerettet werden konnte. Dazu wurde das Orchester um einen großen Perkussionsapparat sowie Blechbläser ergänzt, die das Spektrum der Klangfarben noch erweiterten.

Enorme Klangvielfalt

Ob geheimnisvoller Trommelwirbel, Zwiegespräche von Instrumentengruppen und Solisten oder pompösem, voll besetztem Klang, »Con Brio« arbeitete die verschiedenen Klänge, Register und Rhythmen heraus und bot dem Publikum so eine enorme Klangvielfalt innerhalb von Schostakowitschs Werk.

Als drittes Werk des Abends stand Franz Schuberts Große C-Dur Sinfonie auf dem Programm. Auch hier animierte Feser sein Orchester zu fein nuancierten Klängen und abwechslungsreichem, differenziertem Spiel. Wo die Intonation manchmal etwas eingetrübt war, glich das Orchester dies an diesem Abend doch durch sichtbare und hörbare, sich gegenseitig ansteckende Spielfreude aus. Die Stadthalle war zwar nicht ausverkauft, doch für die Anwesenden hat sich der Abend sehr gelohnt.

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