Karlstadt

Klinikum: Mehr Patienten finden den Weg nach Lohr

Ein Besucher lässt sich 2016 beim Aktionstag „Herz im Stress“ am Lohrer Klinikum Blut abnehmen.
Foto: ArchivSimon Hörnig | Ein Besucher lässt sich 2016 beim Aktionstag „Herz im Stress“ am Lohrer Klinikum Blut abnehmen.

Das Defizit des Klinikums Main-Spessart wird sich weiter erhöhen. Hatte die Klinikverwaltung Anfang des Jahres noch mit einem Fehlbetrag von 8,1 Millionen Euro für 2017 gerechnet, so prophezeit sie nun ein Minus von 8,26 Millionen Euro.

Diese Zahlen stellte Klinikreferent Gregor Bett in seiner Halbjahresbilanz am Mittwoch im Werkausschuss des Kreistags vor. Bett verwies freilich darauf, dass das Klinikum heuer „massive Sondereffekte“ zu verkraften habe. Der gravierendste: die Schließung des Karlstadter Krankenhauses, was allein mit Kosten von einer Million zu Buche schlägt.

Das operative Geschäft wächst

Für das – im wahrsten Sinne des Wortes – operative Geschäft gab Bett einen Fehlbetrag von 6,8 Millionen Euro an – also eine Verbesserung im Vergleich zur Prognose. Er sieht das Klinikum deshalb „auf dem richtigen Weg“. Bis die Schließung Karlstadts sich positiv auf die Bilanz auswirke, werde es allerdings 2019. Bei den Fallzahlen zeigt sich ebenfalls ein gemischtes Bild: Anfang 2017 waren noch 13 750 Patienten fürs ganze Jahr erwartet worden. Zur Jahresmitte hat das Klinikum seine Erwartungen um 9,2 Prozent auf 12 735 heruntergeschraubt.

Durch die Konzentration der chirurgischen Leistungen in Lohr wurden die Patientenzahlen in Karlstadt und Marktheidenfeld etwa halbiert. Dafür verzeichnet Lohr ein Plus von 20 Prozent auf 10 200 Fälle. Das reicht nicht, um die Abgänge der anderen beiden Häuser aufzufangen, aber Bett zieht das Fazit: „Der Patient sieht, dass Lohr funktioniert, und die Patientenströme gehen in Richtung Lohr.“

Die neue Notaufnahme wird „überrannt“

Die neue Zentrale Notaufnahme in Lohr werde sogar „überrannt“, sagte Bett. Dort kämen zurzeit mehr Patienten an, als früher in Lohr, Karlstadt und Marktheidenfeld zusammen. Für 2017 rechnet er mit 21 000 Fällen in der Notaufnahme. Die Verweildauer in Lohr hat sich im Durchschnitt von 5,5 auf fünf Tage reduziert. Der Grund: Patienten müssen erst am Tag der OP ins Krankenhaus kommen, außer, wenn sie von weither anreisen oder schwer erkrankt sind. In Marktheidenfeld liegt die Verweildauer bei über elf Tagen, bedingt durch die dreiwöchigen Behandlungen in der Akutgeriatrie.

Bett kündigte an, dass eine stationäre Sektion für Krebspatienten in der Inneren Abteilung Lohr aufgebaut werde. Zusätzlich werde die Uniklinik nach der Sommerpause in den Räumen des Lohrer Hauses eine onkologische Ambulanz anbieten. Der Klinikreferent sagte: „Wir werden die schwer kranken Patienten im Landkreis nicht hängen lassen.“

Seniorenheime gut ausgelastet

„Sehr viel richtig und gut gemacht“ haben die Kreis-Seniorenheime in Gemünden (Auslastung: 95 Prozent) und Marktheidenfeld (99 Prozent) nach den Worten Betts. Allerdings sind die Häuser von negativen Auswirkungen des seit 2017 geltenden Pflegestärkungsgesetzes betroffen. Kurz gesagt tendieren die Pflegekassen dazu, Pflegebedürftige bei der Erstbegutachtung in niedrigere Pflegegrade einzustufen. In der Folge finanzieren die Kassen den Heimen weniger Personal für scheinbar weniger Aufwand. Daran ändert auch die Aufnahme dementer Patienten in die Pflegegrade wenig.

Heimkosten für die Bewohner steigen

Der Landkreis hat sich aber entschlossen, sein nach Tarif bezahltes Personal zu halten und hochwertige Betreuung zu leisten. Derzeit kommen neun Heimbewohner auf eine Pflegekraft. In Privatheimen, erklärte Bett, müsse ein Pfleger oft 14 Bewohner versorgen.

Diese Pflegequalität muss aber finanziert werden, und so kündigte der für die Heimverwaltung zuständige Sachbearbeiter Michael Pfab eine Erhöhung der Heimkosten für die Bewohner im September an.

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