Karlstadt

Kommentar: Wie die Kommunalwahlen Main-Spessart verändert haben

Neue Landrätin, einige neue Bürgermeister: Was bedeutet das für den Landkreis, seine Bürger und seine Politiker?
Der Marktplatz mit Rathaus in der Kreisstadt Karlstadt.
Foto: Patty Varasano | Der Marktplatz mit Rathaus in der Kreisstadt Karlstadt.

Die Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Main-Spessart sind abgeschlossen. Aus den Wahlergebnissen lassen sich einige Erkenntnisse ableiten. Eine Analyse.

Der Landkreis ist schwärzer geworden

Sowohl das Büro des Landrats wie auch die Bürgermeistersessel von Marktheidenfeld und Karlstadt werden im Mai von den Freien Wählern an die CSU übergehen, das ist eine enorme Machtverschiebung. Das muss nicht jedem gefallen, aber es muss für Main-Spessart kein Nachteil sein.

Sabine Sitter, Alexander Hoffmann und Thorsten Schwab gehören einer jüngeren Generation unter 50 an. Klar, auch sie ziehen mal den Trachtenjanker über, wenn ein Minister aus München in den Landkreis kommt, aber im Kern sind ihre Einstellungen zu Homosexualität, Ausländern und Infrastruktur zeitgemäß, nicht rückwärtsgewandt. Und wenn die Drei in Bundestag, Landtag und Landratsamt an einem Strang ziehen, können sie einiges bewegen. 

Doch auch wenn die Freien Wähler Stimmen und Macht eingebüßt haben, sie bleiben in Main-Spessart stark. Schließlich hat es mit Christoph Vogel ein völliger Polit-Newcomer in die Landrats-Stichwahl geschafft und Benedikt Kaufmann ist an der Bürgermeister-Stichwahl in Karlstadt an weniger als einem Prozent der Stimmen gescheitert. Das sind durchaus achtbare Resultate. Jürgen Lippert war in Gemünden unangefochten und wird die Freien Wähler künftig im Kreistag vertreten, Staatssekretärin Anna Stolz wird weiterhin eine bedeutsame Rolle im Landkreis spielen. 

Der Widerstand gegen die B26n ist gebrochen

Wahrscheinlich wäre es zu viel zu behaupten, dass sich die Main-Spessarter auf die B26n freuen, aber die Mehrheit hat das Projekt offenbar akzeptiert. Die Bürger sehen ein, dass das Werntal Entlastung benötigt und dass sich mit dem Straßenbauamt reden lässt.

Sowohl Landratskandidat Christian Baier als auch der Karlstadter Bürgermeisterbewerber Armin Beck sind hoch kompetent. Die beiden Grünen unterschieden sich hauptsächlich in ihrem Widerstand gegen die B26n von ihren Konkurrenten, beiden gelang der Sprung in die Stichwahl nicht. Die Grünen haben der SPD in Main-Spessart den Rang abgelaufen, aber Meinungsführer sind sie (noch) nicht. 

Der Landkreis ist immer noch keine Einheit

Zehn Gruppierungen werden ab Mai im Kreistag vertreten sein, das Gremium wird unübersichtlich. Der Einzug einer populistischen Parolenpartei von rechts außen in den Kreistag ist ein Armutszeugnis; dass mit den Freien Bürgern (Schwerpunkt Raum Gemünden) und der UGM (Schwerpunkt Marktheidenfeld) gleich zwei Gruppierungen mit starkem Bezug zum eigenen Kirchturm vertreten sein werden, ist auch kein Ruhmesblatt. Die Tendenz zur Zersplitterung der Parlamente und demokratischen Institutionen zeigt sich nun auch in Main-Spessart. Wie dies die Arbeit des Kreistags verändern wird, bleibt abzuwarten. 

Corona verändert alles

Im Grunde sind alle im Wahlkampf geltenden Vorzeichen von dem Virus und seinen Folgen über den Haufen geworfen worden. Statt einen gesunden Landkreis und schöne Kommunen weiterzuentwickeln, wird es in den nächsten Jahren darum gehen, sie aufzupäppeln. Die Wirtschaft, der Einzelhandel und viele, viele Bürger werden noch in der Krise sein, wenn die Kontaktsperre längst aufgehoben ist. Das wird eine Herausforderung für neue wie auch für erfahrene Politiker in der Region. 

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