Lohr

Kraftdreikämpfer Peter Herteux: Zur EM statt zur OP

Kraftdreikämpfer Peter Herteux aus Rechtenbach war vor Kurzem bei der EM dabei.
Foto: Björn Kohlhepp | Kraftdreikämpfer Peter Herteux aus Rechtenbach war vor Kurzem bei der EM dabei.

Welche Voraussetzungen braucht man als Kraftdreikämpfer? „Man muss gern schwer heben und gern essen“, sagt dazu lapidar der Rechtenbacher Peter Herteux. Der 49-Jährige isst am Tag ein halbes bis ein Kilogramm Rindfleisch. „Das gibt mehr Dampf als Schweinefleisch.“ Und schwer heben tut er auch gern. Vor kurzem war er das erste Mal bei der Europameisterschaft dabei. In den drei Teildisziplinen Kniebeuge, Bankdrücken und Kreuzheben kam er auf insgesamt 590 Kilogramm.

„Der Körper braucht viel Ruhe bei dem Sport“

Herteux ist ein wahrhaftes Kraftpaket. Bei einer Körpergröße von 1,68 wiegt er rund 106 Kilogramm. Dreimal die Woche trainiert er, vor einem Wettkampf sogar viermal. In Lohr trainiert er im Fitness- und Boxcamp, ansonsten auch vor oder nach der Arbeit beim Kraftsportverein in Langen, zwischen Frankfurt und Darmstadt. Man sollte es mit dem Training aber nicht übertreiben: „Der Körper braucht viel Ruhe bei dem Sport“, sagt der Rechtenbacher, der als Koordinator bei der Lufthansa arbeitet. Sven Amend, Betreiber des Lohrer Fitnessstudios, ist begeistert von Herteux, der beim Bankdrücken „wie eine Hydraulikpresse“ ruhig und gleichmäßig arbeite. „Es ist schon phänomenal.“

Seit fünf Jahren erst betreibt Peter Herteux den Sport. Der ehemalige Lohrer Weltmeister Peter Rumbler habe ihn dazu motiviert. Als junger Bursche mit 18, 20 hat Herteux schon mal ein bisschen Kraftdreikampf gemacht, dann lange Jahre nichts mehr, „Als alter Aff hat's mich wieder gejuckt“, sagt er. Kürzlich hat Herteux als Mitglied der deutschen Nationalmannschaft das erste Mal an einer Europameisterschaft teilgenommen. Im tschechischen Pilsen wurde er insgesamt Siebter. Aber der starke Mann und zweifache Vater will mehr. Fünf Jahre, so glaubt er, sind noch Steigerungen möglich. Sein Ziel ist ein EM- oder gar WM-Titel.

Ehrentafel im Lohrer Fitnessstudio.
Foto: Björn Kohlhepp | Ehrentafel im Lohrer Fitnessstudio.

Kein Powerlifter hat Bandscheibenprobleme

Angefangen hat er mit Kraftsport, weil er Rückenprobleme hatte. Vor etwa 15 Jahren hatte er einen Bandscheibenvorfall, ein Arm und ein Bein waren taub. Zwei Rückenexperten rieten ihm zu einer Operation. Doch sowohl sein Hausarzt als auch ein Physiotherapeut sagten ihm, er solle erst einmal warten. Er begann mit dem Hanteltraining, nach einem Vierteljahr gehörten die Taubheitsgefühle der Vergangenheit an. Seitdem hatte er keine Rückenprobleme mehr, versichert er.

„Ich kenne keinen Powerlifter, der Bandscheibenprobleme hat.“ Powerlifting ist die englische Bezeichnung für den Kraftdreikampf. Eine Bandscheibe halte rund 1,2 Tonnen aus, sagt Herteux. Das Problem sei in der Regel die schwächelnde Muskulatur, die die Bandscheibe nicht an Ort und Stelle halten könne. Um sich beim Gewichtheben sonst nichts zu tun, trägt er jedoch einen Gewichthebergürtel sowie Handgelenks- und Kniebandagen.

Peter Herteux beim Kreuzheben.
Foto: Björn Kohlhepp | Peter Herteux beim Kreuzheben.

„Doping ist ein großes Thema bei uns“, sagt er. „Vor einem Wettkampf sollen wir kein argentinisches oder chinesisches Rindfleisch essen.“ In dem Fleisch könnte eine Dopingsubstanz stecken. Als er vor der EM beim Zahnarzt war, ließ sich der 49-Jährige alles genau aufschreiben. Er selbst trinke keine Eiweiß-Shakes, nehme nur Kreatin und Aminosäuren als Nahrungsergänzungsmittel. Was ihn wundert: Bei der EM sei nicht ein Team aus Osteuropa auf Doping getestet worden. Die Russen hätten vorher gleich ganz zurückgezogen.

Starkes Lampenfieber bei der EM

Die EM war für ihn eine tolle Erfahrung. Als deutscher Vizemeister hatte er sich dafür qualifiziert. Mit dabei hatte er seine Trainerin, eine mehrfache Weltmeisterin im Kraftdreikampf, und als Betreuerin seine Freundin, die ihn auch massiert. Beeindruckt haben ihn die Betreuer der skandinavischen Kraftdreikämpfer: „Die haben nicht durch die Tür gepasst.“

Gewichthebergürtel und Stützen fürs Handgelenk müssen sein.
Foto: Björn Kohlhepp | Gewichthebergürtel und Stützen fürs Handgelenk müssen sein.

Herteux hatte bei der EM starkes Lampenfieber. Als er sich vor dem Wettkampf auf die Waage stellte, zeigte die nur noch 106,6 Kilogramm. „Ich dachte, ich fall tot um.“ Seine Gewichtsklasse beginnt bei 105 Kilogramm. Vor dem Wettkampf sagte er zu seiner Trainerin, : „Ich pack die leere Stange nicht.“ Aber nach der ersten Übung ging es. Er sagte sich, dass er bloß keinen „Platten“ machen dürfe, also einen ungültigen Versuch. Das passiert schnell, wenn man die Kniebeuge nicht tief genug macht, ein Kommando überhört oder einen Schritt macht.

Es lief alles gut: Im Bankdrücken schaffte er mit 175 Kilogramm ebenso persönlichen Rekord wie im Kreuzheben mit 215. Am Ende gewinnt aber nicht unbedingt derjenige, der am schwersten hebt. Stattdessen werden aus dem gehobenen Gewicht und dem Körpergewicht Punkte errechnet.

„Als alter Aff hat's mich wieder gejuckt“

Kraftsportler Peter Herteux über seinen Wiedereinstieg

Tafel für seine Erfolge

Bisher war der Rechtenbacher einer der Ältesten bei den 40- bis 49-Jährigen, ab kommendem Jahr startet er bei den 50- bis 59-Jährigen, wo er zu den Jüngsten gehören wird. Dann hat er womöglich auch bessere Chancen auf einen Titel. Im Fitnessstudio in Lohr gibt es im Kraftraum eine Tafel, auf der seine Erfolge aufgelistet sind. „In zwei, drei Jahren können wir da schon was von der EM dazuschreiben“, sagt er selbstbewusst.

 
 
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