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Kulturkeller wird Varieté-Theater

Varieté am Marktplatz: Im Kulturkeller des Weinhauses Mehling verteilte das Pausengirl Rebecca Wack an die Gäste Überraschungen.
| Varieté am Marktplatz: Im Kulturkeller des Weinhauses Mehling verteilte das Pausengirl Rebecca Wack an die Gäste Überraschungen.

Das Bücherregal steht wieder auf der Bühne des Kulturkellers. Die Dekoration ist geschmackvoll, jedoch nicht zurückhaltend. Bilder aus Ägypten, ägyptische Büsten, auf dem Fußboden verteilt Fachbücher, die auf den Beruf des Hauptdarstellers schließen lassen.

Die Gaukler feierten am Freitagabend Premiere mit ihrem diesjährigen Stück „Perlicke-Perlacke“. Und Hauptdarsteller gibt es bei ihnen nicht. Jede Schauspielerin, jeder Schauspieler lebt die Figur, die er oder sie darstellt. Auch in diesem Jahr sind es wieder zwei Gruppen, mit denen die Gaukler die 38 Vorstellungen bestreiten. Sie haben alle noch ein Leben neben dem Theater, das zum Schluss der Saison geordnet weiterlaufen soll.

Im Stück hingegen gerät die Ordnung von André aus den Fugen. Er ist Archäologe, derzeit arbeitslos, hat es sich bequem eingerichtet, mit Gattin Vera als Erbin eines florierenden Bestattungsinstituts.

Teuflische Wirkung

Erinnert „Perlicke-Perlacke“ lautmalerisch eher an einen Kinderabzählvers, entfaltet die Kombination doch teuflische Wirkung. Ein gefährliches Instrument, um leicht beeinflussbare Menschen in einen Bann zu ziehen, der sie an den Abgrund des Daseins oder vielleicht sogar darüber hinaus führt. Mehr als ein Kinderspiel. Aber was ist Gaukelei, was Täuschung und was Realität?

André hat Geburtstag. Von seiner Sandkastenliebe Sally bekommt er etwas verehrt, was sie ihm als Jugendfreundin versagt hatte. Ein großes Paket bringt die Spedition von Mama, die in der Ferne weilt.

Es ist nicht nur die Beziehung zwischen Mutter und Söhnchen, die seine Gattin Vera zur Verzweiflung bringt. Weshalb deren Geburtstagsgeschenk ihren Anwalt als Absender bezeichnet: der Scheidungsantrag. Das bringt André nicht nur aus der Fassung, sondern auch auf eine schräge Idee. Woran Sally, im jetzigen Lebensabschnitt Advokatin, einen gehörigen Anteil hat: „Wenn du ihren Anwalt nimmst, ziehen dich die beiden über den Tisch!“ – „Das kann ich doch viel besser“.

Zum Plan gehört der gemeinsame Besuch im Mehlingkeller. Der ist in der nächsten Szene das „Nobelvarieté“ am Marktplatz. Schwere, schwarze Samtvorhänge, ein munteres Pausengirl, das an die Gäste Überraschungen verteilt. Bis sich der Scheinwerferkegel auf ihn richtet: Somnambulus, dem es zu gelingen scheint, sein Publikum in Hypnose zu versetzten.

Vera widersetzt sich dem Einfluss des Meisters vehement. „Das Essen ist hier meist besser als das Programm“. Begeisterter Szenenapplaus. Solchen Lokalbezug erwartet das Publikum von seinen Gauklern, sowie dieses „sich selbst nicht so ernst nehmen“.

Ernst, nahezu aussichtslos, endet der Abend für die Protagonisten: „Wolltest Du Dich nicht scheiden lassen“, fragt Sally ihre Gegenspielerin, oder ist es doch ihre Freundin? „Ja, weil er sich benimmt wie ein Kind“ – „Aber jetzt ist er ein Kind!“. Es bedarf kaum noch der Wodka-Flasche als Requisite, um der Verzweiflung der Vera Ausdruck zu verleihen.

Dickes Lob vom Autor

Das Stück wurde im Jahr 2000 uraufgeführt in St. Anton am Arlberg. Die niederländische Erstaufführung war 2002, in Deutschland 2004. „Von denen, die ich gesehen habe, war dies die absolut beste Inszenierung!“. Das Lob sprach Lutz Backes aus. Der 75-jährige Autor, als Karikaturist auch bekannt als „Bubec“, war extra zur Aufführung angereist.

Die Gaukler reichten die Würdigung weiter an ihren Regisseur Andreas Walter-Schroth. Zum dritten Mal arbeiteten sie mit dem Frankfurter zusammen: „Du hast uns in nächtelanger Arbeit bis zur Premiere geführt. Danke!“.

Informationen zum Ensemble und den weiteren Vorstellungen im Internet unter www.gaukler-online.de. Ausverkauft ist die Vorstellung am 15. November. Benefizveranstaltung am 15. März 2014 zugunsten von „Wildwasser Würzburg“.

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder im Internet unter www.mainpost.de/regional/main-spessart/lohr

Im Rampenlicht: Somnambulus (Jörg Engelhardt) gelingt es beim neuen Stück der Gaukler, sein Publikum gleichsam in Hypnose zu versetzten.Fotos: Brauns
| Im Rampenlicht: Somnambulus (Jörg Engelhardt) gelingt es beim neuen Stück der Gaukler, sein Publikum gleichsam in Hypnose zu versetzten.Fotos: Brauns
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