Lohr

Landwirt mit Perspektive

Robert Klüpfel aus Steinfeld ist der viertbeste Nachwuchslandwirt in Deutschland. Er sieht für die Landwirtschaft eine gute Zukunft - aber auch Herausforderungen.
Spaß auch an der Technik: Die Arbeit als Landwirt ist für Robert Klüpfel der Traumberuf. Für den ist der 19-Jährige bestens gewappnet. Beim Bundeswettbewerb der landwirtschaftlichen Auszubildenden belegte der Steinfelder jetzt den vierten Platz. Das Bild zeigt Klüpfel bei der Wartung eines Mähdreschers auf dem elterlichen Hof in Steinfeld.
Foto: Ungemach | Spaß auch an der Technik: Die Arbeit als Landwirt ist für Robert Klüpfel der Traumberuf. Für den ist der 19-Jährige bestens gewappnet.

Eine gute Ausbildung ist das Wichtigste. Je besser sie ist, desto leichter hat man es später.“ – Robert Klüpfel lebt sein Credo. Der 19-jährige Steinfelder zählt zu den besten Nachwuchslandwirten in Deutschland. Vor wenigen Tagen belegte der Auszubildende zum Landwirt beim Bundesentscheid des Berufswettbewerbs der Deutschen Landjugend einen hervorragenden vierten Platz. Auf diesen Lorbeeren will sich der junge Mann nicht ausruhen. Er plant bereits ein Praxisjahr in Neuseeland, anschließend die Meisterausbildung und danach vielleicht noch die Weiterbildung zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt.

Der Ausbildungseifer erfordert von Klüpfel keine Überwindung. Er ist nicht nur Landwirt aus Überzeugung, sondern auch überzeugt davon, dass man als Landwirt nur dann Zukunft hat, wenn man stets an der Vermehrung seines Wissens arbeitet und neuen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen ist.

Die Begeisterung für die Landwirtschaft wurde Klüpfel in die Wiege gelegt. Sein Vater Gerhard bewirtschaftet einen der wenigen verbliebenen Vollerwerbsbetriebe in Steinfeld, dessen Standbeine Ackerbau und eine eigene Biogasanlage sind. Bei der Berufswahl ließ der Vater dem Sohn jedoch freie Wahl. „Aber für mich war das schon immer klar“, macht der Junior deutlich, dass die Arbeit in der Landwirtschaft für ihn Hobby und gleichzeitig Traumberuf ist.

„Die Bevölkerung muss wissen, wo die Nahrungsmittel herkommen.“
Nachwuchs-Landwirt Robert Klüpfel will Bewusstsein für die Landwirtschaft schaffen

Mit entsprechendem Einsatz ging Robert Klüpfel die Ausbildung an. Durch ein Berufsgrundschuljahr konnte er die auf dem elterlichen Hof absolvierte und von etlichen Praktika in anderen Betrieben begleitete Ausbildungszeit von drei auf zwei Jahre verkürzen, was seinen Leistungen an der Berufsschule in Ochsenfurt jedoch keineswegs schadete. Über den unterfränkischen und bayerischen Vorentscheid qualifizierte sich Klüpfel für den Anfang Juni in Rendsburg in Schleswig-Holstein stattfindenden Bundeswettbewerb.

Dieser, so beurteilt er mit einigen Tagen Abstand, war die ideale Vorbereitung auf die theoretische Abschlussprüfung seiner Ausbildung, die in wenigen Wochen ansteht. Bei dem Wettbewerb im hohen Norden musste Klüpfel vielfältiges Wissen beweisen, zuvorderst natürlich fachlicher Art. So mussten die angehenden Landwirte beispielsweise die Qualität und die zu erwartende Erntemenge eines Roggenfeldes beurteilen oder ihr Wissen über Nährstoffe und Düngemittel zeigen.

Ein Schwerpunkt lag auf dem praktischen Teil, wobei Klüpfel und seine Mitstreiter beispielsweise ihre Geschicklichkeit beim Rückwärtsfahren mit Traktor und Zweiachsanhänger oder beim Stapeln von Paletten mit dem Frontlader unter Beweis stellen mussten.

Für Klüpfel hat sich der Wettbewerb jedoch nicht nur aufgrund seines sehr guten Abschneidens gelohnt. Er habe überdies „wahnsinnig viele Kontakte“ zu Berufskollegen geknüpft, „alles Top-Leute “. Der Austausch von Wissen und das geschaffene Netzwerk sei positiver Nebeneffekt des Wettbewerbs, von dem sich Klüpfel nachhaltigen Nutzen erhofft. „Es war ein enormer Erkenntnisgewinn“, so Klüpfels Fazit

Der angehende Junglandwirt arbeitet bereits an weiterem Erkenntnisgewinn: Im Herbst will er auf die andere Seite der Erdkugel reisen, zu einem Praxisjahr nach Neuseeland, wo er in einem Ackerbaubetrieb oder einem Lohnunternehmen Einblicke in andere Betriebsweisen erlangen will. „Jetzt oder nie“, ist sich Klüpfel sicher, dass der Zeitpunkt für diese Auslandserfahrung direkt im Anschluss an seine Ausbildung ideal ist. Neuseeland hat er dabei nicht ohne Grund gewählt: Die Vegetationsperiode dort ist gegenüber Deutschland um ein halbes Jahr versetzt. „Da verpasse ich daheim nicht so viel“, denkt Klüpfel gleich wieder an den elterlichen Betrieb.

Den will er eines Tages übernehmen, was auch im Sinne von Vater Gerhard (57) ist. Der freut sich über das Engagement des Sohnes, und natürlich auch über dessen Abschneiden beim Bundeswettbewerb. Beide sind sich einig, dass die Landwirtschaft Zukunft hat, wenn man sie engagiert und mit dem nötigen Fachwissen betreibt. Damit, dass der Landwirtsberuf keine geregelte 40-Stunden-Woche bietet und so manche Unwägbarkeit beim Ertrag in sich birgt, kann Robert Klüpfel leben. Das alles wird für ihn mehr als aufgewogen durch die Tatsache, dass ein Landwirt sein eigener Herr ist und sich die Arbeit selbst einteilen kann. Und, so bekennt der junge Mann: „Ich fahre natürlich auch gern Schlepper, wie alle Männer halt.“

Auch dass man als Landwirt dazu beitrage, die Ernährung der Menschen zu sichern, bezeichnet Klüpfel als beruflichen Ansporn – die Tatsache, dass diese Leistung in der Bevölkerung oft nicht mehr anerkannt und vielfach gar kritisch gesehen werde, hingegen als Ärgernis. Die Menschen hätten vielfach den Bezug zur Landwirtschaft verloren, hat Klüpfel festgestellt. Dafür, dass ein Landwirt heute nicht mehr so arbeiten könne wie noch vor 20 oder 30 Jahren, wenn er wirtschaftlich überleben wolle, fehle in der Gesellschaft das Verständnis.

Das verklärte Bild vom Bauern mit zehn Kühen und 20 Sauen im Stall und einem urigen Trecker auf dem Acker, das entspricht schon längst nicht mehr der landwirtschaftlichen Realität. Wachsen oder Weichen war über Jahrzehnte die Devise in der Landwirtschaft. Ein Trend, der sich in Klüpfels Augen fortsetzen wird, nicht zuletzt deshalb, weil beispielsweise in Osteuropa riesige Flächen, die in vergangenen Jahrzehnten eher extensiv genutzt wurden, seit einigen Jahren wieder intensiv landwirtschaftlich genutzt werden und die Landwirtschaft längst ein weltweiter Markt geworden ist.

Riesige Maschinen im Wert von Einfamilienhäusern prägen daher hier wie dort das Bild auf den Äckern. Auch dafür, dass es ohne solche Maschinen heute nicht mehr geht, will Robert Klüpfel als Landwirt werben. Die Öffentlichkeitsarbeit gehört nach seiner Vorstellung zu den Aufgaben, denen sich die Landwirtschaft heute mehr denn je stellen muss. Deswegen hat sich der Nachwuchslandwirt fest vorgenommen, beispielsweise Schulklassen oder sonstigen Besuchergruppen Führungen anzubieten oder sich mit dem elterlichen und später vielleicht eigenen Hof am Tag der Offenen Hoftüre zu beteiligen. „Die Bevölkerung muss wissen, wo die Nahrungsmittel herkommen“, sagt er.

Und natürlich will Robert Klüpfel sein Wissen und sein Können später auch als Ausbildungsbetrieb weitergeben – getreu seinem Credo, wonach eine gute Ausbildung das Wichtigste ist.

Bundeswettbewerb

Erstmals 1953 veranstaltet, zählt der von der Deutschen Landjugend und dem Bauernverband organisierte Bundeswettbewerb heute zu den größten Fort- und Weiterbildungsprojekten Deutschlands.

Die besten Auszubildenden aus Land- und Forstwirtschaft, Tierwirtschaft, Weinbau und Hauswirtschaft messen sich alljährlich über mehrere Tage hinweg in verschiedenen Disziplinen. Zuvor haben sich die Teilnehmer über die Landesentscheide qualifiziert.

Am diesjährigen Wettbewerb beteiligten sich bundesweit rund 10 000 junge Menschen. Die besten 115 schafften es ins Finale. Der Wettbewerb stand heuer unter dem Motto „Grüne Berufe sind voller Leben – Nachwuchs bringt frischen Wind“.

Der Steinfelder Robert Klüpfel war einer der bundesweit 22 Auszubildenden zum Landwirt, der in Rendsburg antreten durfte. Am Ende belegte er den 4. Platz. Vor ihm landeten lediglich (in der Reihenfolge der Nennung) Erik Kamerichs und Jan Große-Kleimann (beide Nordrhein-Westfalen) sowie der Schleswig-Holsteiner Sören Schütte.

Knifflige Berufstheorie und praktisches Können waren beim Wettbewerb ebenso gefragt wie Allgemeinwissen oder die Fähigkeit, einen Vortrag zu halten. ung

Erntebeurteilung: Die Einschätzung der Pflanzenqualität war eine Aufgabe beim Bundeswettbewerb. Im Bild vergleicht Klüpfel jedoch Pflanzen vom heimischen Acker, wobei deutlich zu erkennen ist, welche Auswirkungen im bislang extrem trockenen Sommer die unterschiedliche Wasserversorgung der Böden hat. Links im Bild hält Klüpfel Weizenpflanzen von einem besser versorgten Boden, rechts von einem weniger gut wasserversorgten Boden.
Foto: Johannes Ungemach | Erntebeurteilung: Die Einschätzung der Pflanzenqualität war eine Aufgabe beim Bundeswettbewerb. Im Bild vergleicht Klüpfel jedoch Pflanzen vom heimischen Acker, wobei deutlich zu erkennen ist, welche Auswirkungen im ...
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