Lohr

Legenden und ländliche Romantik

Der DAV-Weg führt durch Steinfeld, wo eine große Sonnenuhr ins Auge fällt. An ihr steht: "Deine Zeit ist das, womit Du sie anfüllst".
Foto: Heinz Scheid | Der DAV-Weg führt durch Steinfeld, wo eine große Sonnenuhr ins Auge fällt. An ihr steht: "Deine Zeit ist das, womit Du sie anfüllst".

Der DAV-Weg fällt ein wenig aus der Rolle. Denn er ist kein Themen-, Motto- oder Rundweg, wie sie samt vielen Infotafeln aus dem Boden geschossen sind. Dafür ist der DAV-Weg mit rund 26 Kilometern recht lang und führt durch altes Siedlungsgebiet. Landschaftliche Knüller sind dünn gesät, komfortabel ist die Strecke auch nicht gerade. Doch wer sich für Geschichte interessiert und Geschichten am Wegesrand entdecken möchte, ist hier gut bedient.

Wir waren Ende Juli auf der Strecke, die quer durch Main-Spessart zwischen Karlstadt und der Sylvan-Hütte im Weihersgrund verläuft, schreibt der Autor. Wer Probleme mit Hitze und praller Sonne hat, sollte im Hochsommer die Finger vom DAV-Weg lassen. Auf dem landwirtschaftlich geprägten Teil der Strecke, der Fränkischen Platte, ist kaum Schatten zu finden. Wer aber gern bei der Ernte zusieht und Staubfahnen hinter Mähdreschern romantisch findet, wird entzückt sein.

Start in Karlstadt

Woher hat der DAV-Weg seinen Namen? Er geht auf den Deutschen Alpenverein (DAV) zurück, wird heute aber vom Spessartbund betreut, der damit auch für die Wegmarkierungen zuständig ist. An einem roten Querbalken auf weißem Grund ist der DAV-Weg zu erkennen.

Start ist am Bahnhof in Karlstadt, wo Fallrohre und Lampenmasten, auf denen der rote Querbalken klebt, leichte Orientierung bieten. Aus der Altstadt heraus geht es weiter über die Mainbrücke mit Blick auf die Karlsburg und eine Markierung des Karolingerwegs, der von Karlburg über Karlstadt und die Homburg bis Bad Königshofen führt.

Der Karolingerweg ist ein Projekt des Rhönklubs und einer von mehreren (Fern-)Wanderwegen, die sich mit dem DAV-Weg schneiden. Darunter auch der mit einem großen blauen M gekennzeichnete Main-Wanderweg und der Fränkische Marienweg.

Weiter geht es vom Maintal durch Mühlbach und den Wald den Berg hinauf. Wir erreichen eine Unterführung der Schnellbahntrasse. Wer dort Pause machen will, kann auf einen ICE warten, der mit hohem Tempo vorbeirauscht.

Mit etwas Fantasie kann dieser Betonbau als Portal zur Fränkischen Platte durchgehen. Am Horizont zeichnen sich die Höhen des Spessarts ab, dem Ziel unserer Wanderung. Im Vordergrund fällt der Blick auf einen großen Steinbruch, in dem Muschelkalk abgebaut wird.

Ins Revier des Klosters

Wir nähern uns Steinfeld und damit dem einstigen Gebiet des Klosters Neustadt, das am DAV-Weg liegt, schildert der Autor seine Erlebnisse auf dem Weg weiter. 2012 wurde 1200 Jahre Steinfeld gefeiert, 2019 standen 1250 Jahre Neustadt auf dem Programm. Die Gegend ist aber schon wesentlich länger besiedelt, wie Hügelgräber zeigen, und hieß einst Waldsassengau. Dem hat das Archäologische Spessartprojekt mehrere europäische Kulturwege gewidmet, die einem hier auf Schritt und Tritt begegnen.

Enthalten Legenden einen wahren Kern? Falls ja, können wir auf dem DAV-Weg den Spuren der heiligen Gertrud folgen, die fast täglich zwischen Karlburg und Neustadt hin und her gelaufen sein soll, weshalb die Strecke Gertraudenpfad genannt wird. Am Rand von Steinfeld kommen wir an einer kleinen Darstellung der Heiligen in einem Bildstock vorbei.

Im Ort fällt eine große Sonnenuhr ins Auge, auf der steht: "Deine Zeit ist das, womit Du sie anfüllst". Umgemünzt auf unsere Wanderstrecke könnte das heißen: Der DAV-Weg ist das, was man daraus macht. Jedenfalls wird der Wanderer hier nicht durch touristische Höhepunkte abgelenkt. Bisweilen freilich jäh gestoppt. So endete unser Trip kurz vor der Gertraudenkapelle, weil der Waldweg wegen Holzfällung gesperrt war – vom Borkenkäfer befallene Fichten.

Der Vollständigkeit halber der weitere Verlauf des DAV-Wegs: Von der Gertraudenkapelle hinab nach Erlach, über den Mainsteg nach Neustadt, dort am Kloster vorbei hinauf in den Wald. Bei Lindenfurt wird das Hafenlohrtal gekreuzt. Nach einer letzten Steigung und einem Abstieg gelangt der Wanderer in den Weihersgrund, der zu Bischbrunn gehört. Dort laden die Sylvan-Hütte des Alpenvereins, Sektion Main-Spessart, und das bewirtschaftete Ex-Forsthaus zur Schlussrast ein.

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